30-Jähriger soll junge Tochter seiner Ex-Lebensgefährtin missbraucht haben

Erlebt oder ausgedacht?

Kassel. Er soll die Tochter seiner früheren Lebensgefährtin sexuell missbraucht haben. Deshalb sitzt ein 30-Jähriger seit Montag auf der Anklagebank des Landgerichts. Im September 2010, so steht es in der Anklage, soll er die Sechsjährige gezwungen haben, an seinem Geschlechtsteil zu manipulieren, später soll er den Genitalbereich des Kindes berührt haben.

Zu diesen Vorwürfen schwieg er jedoch. Das Kind musste deshalb am Montag – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – in den Zeugenstand. Seinem leiblichen Vater hatte es bei einer Autofahrt von dem Vorfall, der zur Anzeige führte, erzählt, berichtete der 29-Jährige als Zeuge. „Ich habe sie darauf hingewiesen, dass es schwerwiegende Folgen haben kann, wenn sie jemanden zu Unrecht beschuldigt.“ Doch das Mädchen blieb bei seiner Darstellung. Seitdem lebt es bei ihm und nicht mehr im Haushalt der Mutter. Wenig später musste der Vater sein Kind zu einem Therapeuten bringen. Es schlief schlecht, hatte Albträume. Der Vater vermutet, dass das Kind die Trennung von der Mutter nicht gut verkraftet hat.

Er hatte seiner Exfrau nach Bekanntwerden des Vorwurfes verboten, Kontakt mit dem Kind aufzunehmen. Inzwischen kann sie ihre Tochter wieder regelmäßig sehen, sagte die 27-jährige Frau als Zeugin vor Gericht. Bis vor Kurzem lebte sie noch mit dem Angeklagten zusammen, „seit einem Monat sind wir getrennt“. Sie hatte mit ihm über die Vorwürfe gesprochen. „Er sagte, dass nichts passiert und er unschuldig ist.“ Die Mutter räumte ein, sie habe selbst Zweifel an der Version ihrer Tochter. Sie kenne lediglich deren Aussagen bei der Polizei. „Hätte ich mit ihr selbst reden können, könnte ich das besser einschätzen.“

Gutachter Georg Stolpmann musste am Montag ein Glaubwürdigkeitsgutachten für das Kind abgeben. Er betonte, dass er Aussagen nicht darauf überprüfe, „ob sie wahr oder unwahr sind“. Stattdessen suche er nach Anhaltspunkten für „erlebnisfundierte Aussagen“. Bei dem Mädchen sei kein besonders großes Wissen über Sexualität vorhanden, zugleich jedoch seien in seiner Schilderung sehr viele Details enthalten gewesen. Bei der Polizei und vor Gericht, so der Experte, habe das Kind das Kerngeschehen stets übereinstimmend erzählt. Er ist überzeugt davon, dass „sie gar nicht die intellektuellen Fähigkeiten besitzt, um sich so etwas auszudenken“.

Zu einem Urteil kam es am Montag noch nicht. Das Gericht will nach einem Antrag der Verteidigung noch den Therapeuten des Kindes hören. Deshalb wird der Prozess am 26. März fortgesetzt.

Von Ralf Pasch

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