Nach Urteil: Erleichterung bei Mehtap Savascis Freundinnen

Kassel. Nach dem Urteil kam die Erleichterung – und die Tränen flossen. Die Mitglieder des türkischen Frauenvereins lagen sich auf dem Gerichtsflur zum Teil schluchzend in den Armen. 

Das Urteil setze ein Zeichen, sagte die Vorsitzende Aylin Gönenz gegenüber unserer Zeitung. „Es ist für mich furchtbar, wenn das türkische Kultur ist“, sagte die 48-Jährige, die selbst türkische Wurzeln hat, über die Hintergründe der Tat, die im Prozess ans Licht gekommen waren. Sie sei entsetzt, mit welcher „Respektlosigkeit, Lieblosigkeit und Abgebrühtheit“ Mehtap Savasci behandelt worden sei.

Das zeigte sich auch bei der Urteilsverkündung: Der jüngerer Bruder sowie die Tochter und der Schwiegersohn des Angeklagten zeigten äußerlich kaum eine Reaktion. Nur als der Verurteilte abgeführt wurde, rief ihm sein Bruder aus dem Zuschauerraum zu: „Abi, mach’s gut!“ Abi bedeutet auf türkisch großer Bruder.

Erleichtert: Nach der Urteilsverkündung fielen sich die Tochter und die Freundinnen von Mehtap Savasci vor Freude in die Arme.

„Die haben das mit einer Kälte und Gleichgültigkeit hingenommen – das war erschütternd“, sagte eine 60-jährige Psychotherapeutin aus Kassel, die mit im Publikum saß. Ihr Mann, ein emeritierter Soziologieprofessor sagte, er habe die Körpersprache so gedeutet, dass die Angehörigen alles, was vom Richtertisch gesagt worden sei, ablehnten. „Die haben offenbar ihre eigene Wertewelt.“ Er vermute, dass sie in die Tat eingeweiht waren oder sie zumindest gebilligt hätten. Der verurteilte Bruder „gilt jetzt wohl als Märtyrer in der Familie“.

Auch eine frühere Kollegin von Mehtap Savasci war gekommen. Anna Volmer, die im städtischen Sozialamt arbeitet, hatte mit der Mitarbeiterin des Ausländeramts einige Jahre zu tun. „Ich mochte sie sehr“, sagte die 64-Jährige. Sie sei auch deshalb zur Urteilsverkündung gekommen, „weil es mir wichtig war, Mehtap so nochmal Tschüss zu sagen“, sagte sie mit Tränen in den Augen.

Sie sei erleichtert über das Urteil. „Auch weil das Grundgesetz mit dem Gleichheitsgrundsatz von Mann und Frau ohne Wenn und Aber umgesetzt worden ist.“

Urteil im Savasci-Prozess

Auch Nahan Rahimi, beste Freundin von Mehtap Savasci, reagierte mit Erleichterung angesichts der lebenslangen Haftstrafe. „Obwohl es eigentlich gar keine gerechte Straße für Mord geben kann“, meinte die 33-Jährige. „Denn Mehtap kommt nicht wieder zurück.“ Sie hoffe, dass der Angeklagte jeden Tag im Gefängnis das Bild seiner Schwester vor Augen habe.

Lesen Sie dazu auch:

Urteil im Savasci-Prozess: Lebenslang für Bruder

Urteil im Savasci-Prozess: Bekommt er lebenslang?

Savasci-Prozess: Fragen und Antworten rund um den Fall

Rubriklistenbild: © Koch

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.