Mittagessen ist deutlich billiger als empfohlen

Ernährung in Kitas: Kasseler Einrichtungen kochen selten selbst

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Mittagessen in Gemeinschaft: Annika (4, von links), Linus (4) und Benjamin (3) aus der Glühwürmchen-Gruppe freuen sich über Kartoffelpuffer mit Apfelmus. Im Kindergarten Kunterbunt achten die Erzieher auf eine ausgewogene Ernährung.

Kassel. Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt Mängel bei der Verpflegung von Kita-Kindern auf. Es gebe zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse, so das Ergebnis. Wir haben uns deshalb in Kassel umgehört, worauf die Kitas bei der Mittagsverpflegung achten.

Kinder sollen gesund aufwachsen – dazu gehört auch ein gutes und qualitativ hochwertiges Essen. Während Mittagessen im Kindergarten früher eher eine Ausnahme war, ist es heute Normalität geworden. Die Ergebnisse der neuesten Bertelsmann-Studie lassen daher aufhorchen.

Wie ist die Situation in Kassel? 

Zusätzlich zur Stadt, die Träger von 29 Kindertageseinrichtungen ist, haben wir bei vier weiteren Kitas unterschiedlicher Träger nachgefragt. Dazu zählt eine private Elterninitiative, ein kirchlicher Träger und ein Unternehmen mit eigener Kita.

Wie frisch ist das Essen in den Kitas? 

Keine der von uns befragten Einrichtung kocht das Essen selbst. Oft fehlt es an geeigneten Räumlichkeiten. Viele lassen das Mittagessen deshalb von Cateringfirmen liefern – servierfertig oder tiefgekühlt zur eigenen Aufbereitung. Frisch vom Herd kommt es also selten. Andere Kitas werden von nahe gelegenen Großküchen versorgt, wie zum Beispiel die beiden Betriebskitas von Wintershall und die katholische Kita St. Bonifatius im Stadtteil Wesertor.

Wie gesund ist das Essen in den Einrichtungen? 

Ein ausgewogener Speiseplan sei besonders wichtig, betonen alle Einrichtungen. Man richte sich dabei nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Gemüse und Rohkost gebe es täglich, Fleisch dagegen höchstens zwei- bis dreimal pro Woche.

Auch auf die speziellen Bedürfnisse der Kinder wird geachtet. „Bei uns sind die Portionen kleiner und salzarm zubereitet“, sagt Andrea Löher, Leiterin des Kindergartens Kunterbunt im Stadtteil Wehlheiden. Die städtischen Kitas erarbeiten den Speiseplan gemeinsam mit den jeweiligen Cateringfirmen.

Was essen die Kinder am liebsten? 

Besonders hoch im Kurs stehen Nudeln mit Tomatensoße und Spaghetti Bolognese. Aber auch Fischstäbchen, Süßspeisen, Hühnerfrikassee mit Reis und Rohkost zum Knabbern seien beliebt, berichten die Erzieher.

Wie viel kostet eine Mahlzeit? 

Ein ausgewogenes Mittagessen müsste laut DGE etwa vier Euro kosten. In vielen Kasseler Einrichtungen ist das Essen aber deutlich billiger. Bei den städtischen Kitas werden pro Monat 53 Euro (etwa 2,52 Euro je Mahlzeit) fällig – ein Monat im Jahr ist beitragsfrei. Auch in der Kita St. Bonifatius kostet das Essen 53 Euro pro Monat. Im Kindergarten Kunterbunt, der von einem gemeinnützigen Elternverein getragen wird, sind es 3,10 Euro pro Mittagessen.

Gibt es Zuschüsse für Bedürftige? 

Eltern, die Hartz IV oder Wohngeld beziehen, können für das Mittagessen in der Kita Zuschüsse beantragen. So soll verhindert werden, dass Ungleichheiten entstehen. In städtischen Einrichtungen müssen Eltern dann nur 20 Euro pro Monat zahlen statt 53 Euro.

Von Julia Schwekendiek und Nina Thöne

In der gedruckten Ausgabe am Montag lesen Sie außerdem, woraus ein gesundes Mittagessen besteht und welche Langzeitfolgen eine unausgewogene Ernährung haben kann.

 

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