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NVV: Nutzern von Bus und Bahn droht erneuter Preisanstieg

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Von: Andreas Hermann

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Rhein-Ruhr-Express (RRX) am Hauptbahnhof Düsseldorf
Möchte der NVV ab Ende 2023 im Stundentakt von Kassel ins Rheinland rollen lassen: der bisher im Zweistundentakt verkehrende Rhein-Ruhr-Express (RRX). Unser Foto zeigt eine Bahn am Hauptbahnhof Düsseldorf. ©  Marius Becker/dpa

Wegen hoher Kosten für Strom und Diesel denkt der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) an eine eine erneute Preiserhöhung.

Kassel – Den Nutzern von Bussen und Bahnen droht nach dem Preisanstieg zum Jahreswechsel eine erneute Erhöhung der Ticketpreise. Entsprechende Überlegungen hat der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) gegenüber unserer Zeitung eingeräumt. Eine Preiserhöhung zum Sommer hin sei aber noch nicht beschlossene Sache, betont eine Unternehmenssprecherin. Der NVV-Aufsichtsrat werde darüber Ende März entscheiden.

Zur Begründung führt der NVV die Einnahmeausfälle in der Corona-Pandemie und die gestiegenen Energiekosten an. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat deshalb bereits kürzlich einen Aufschlag um rund 3,9 Prozent für den Sommer angekündigt. Wie berichtet, hatten die Verkehrsverbünde erst zum 1. Januar 2022 die Ticketpreise angehoben, der NVV im Schnitt um 1,4 und der RMV um 1,5 Prozent.

Ein erneuter Preisanstieg beim ÖPNV in Nordhessen – wohl auch ungefähr in der für Südhessen angekündigten Höhe – gilt allein deshalb als wahrscheinlich, weil sich die finanziellen Rahmenbedingungen von NVV und RMV ganz ähnlich darstellen. Nach wie vor werden weniger Fahrgäste gezählt als vor der Pandemie, beim NVV rund 80 Prozent. Und immer mehr schlagen die Kosten für Strom und Diesel durch.

Besonders die aktuell massiv steigenden Energiepreise und die zuletzt deutlich angehobenen Personalkosten ließen „die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben immer weiter auseinander gehen“, erklärt der Verkehrsverbund. Nach seinen Angaben sind die Kosten für Strom im Bereich Schienenfahrzeuge im Schnitt um 33 Prozent gestiegen, bei der Eisenbahn um 42,5 Prozent und bei den Straßenbahnen um 10,7 Prozent. Beim Diesel mache der Anstieg im Schnitt rund 17 Prozent aus, bei den Bussen sogar 26 Prozent.

„Unsere Fahrgäste erwarten auch zukünftig ein gut ausgebautes Angebot im ländlichen Nordhessen“, betont der NVV. „Das ist notwendige Daseinsvorsorge in der Fläche sowie unser Beitrag zum Klimaschutz.“ Der Trend zu Ein-Euro-Tickets (derzeit für Senioren, Schüler und Landesbedienstete) suggeriere dem Fahrgast jedoch, dass Bus und Bahn für diesen niedrigen Preis zu haben seien. „Das ist mitnichten so“, sagt NVV-Sprecherin Judith Féaux de Lacroix. Daher versuche man Tickets zu entwickeln, die günstiger und flexibler seien, aber dennoch von Kunden breit nachgefragt würden. So werde der NVV im Sommer zwei neue Tickets präsentieren: ein Flexi-Ticket ähnlich wie die Bahncard und die neue App Fairtiq, bei der man automatisch den besten Preis pro Fahrt erhalte und sich zu Beginn und Ende der Fahrt mit dem Smartphone einlogge.

Der NVV hat den Ausbau des Busangebots in vielen Regionen angekündigt oder zum Fahrplanwechsel bereits umgesetzt. In der Eisenbahn-Sparte möchte er ab Ende 2023 den Rhein-Ruhr-Express (RXX) von Kassel aus im Einstundentakt ins Rheinland (Dortmund/Düsseldorf) rollen lassen, bisher verkehrt er alle zwei Stunden. Um all das zu ermöglichen, brauche es eine verlässliche Finanzierung des Angebots durch Land, Kommunen und Bund sowie die Fahrgäste.

Aktuell verhandeln die hessischen Verkehrsverbünde mit dem Verkehrsministerium des Landes über die Finanzierung von Bus und Bahn in den Jahren von 2022 bis 2027. Die bisherige Finanzvereinbarung ist mit Ende des Jahres 2021 ausgelaufen.

Der ÖPNV in Nordhessen werde aktuell zu zwei Dritteln aus Steuergeld und zu einem Drittel aus Fahrgeldeinnahmen finanziert, berichtet NVV-Sprecherin Judith Féaux de Lacroix. „Sollen die Fahrpreise moderat bleiben, müssen das Land, die Kommunen und der Bund ihre Finanzierung erhöhen.“

Zur Finanzierung des ÖPNV in Hessen wurden für die Jahre 2017 bis 2021 rund vier Milliarden Euro bereitgestellt. Das Fünf-Jahres-Budget setzte sich laut NVV zu 79 Prozent aus Mitteln des Bundes, zu 18 Prozent aus kommunalen und zu drei Prozent aus originären Landesmitteln zusammen. 800 Millionen Euro gingen an den NVV nach Nordhessen, der Rest an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN). Für 2022 bis 2027 beantragen die Verbünde ein Budget von sechs Milliarden Euro. 

Der NVV hat zum Jahreswechsel die Ticketpreise im Schnitt um 1,4 Prozent erhöht. Davon ausgenommen waren Einzelfahrkarten für die Stadt Kassel und im Kassel-Plus-Gebiet.

Für die Busverbindungen Baunatal - Kassel, Lohfelden - Kassel und Vellmar - Kassel (jeweils Preisstufe Kassel Plus) blieb der Preis für eine Einzelfahrkarte bei 3,90 Euro, der Preis für ein Multiticket stieg von 10,20 auf 10,40 Euro und der für eine Monatskarte von 82,50 auf 83,50 Euro.

Zum Vergleich: Zum 1. Januar 2012 kostete auf der Busstrecke Baunatal - Kassel die Einzelfahrkarte 3,30 Euro, das Multiticket 6,80 Euro und die Monatskarte 66,50 Euro. Bis Januar 2022, also in zehn Jahren, haben sich auf dieser Strecke also die Preise bei der Einzelfahrt um 18,2 Prozent, beim Multiticket um 52,9 Prozent und bei der Monatskarte um 25,6 Prozent erhöht.

(Andreas Hermann)

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