Zeichen neuer rassistischen Strömung

Wieder rechte Symbole auf Kasseler Campus

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Beschmierte Büchertausch-Telefonzelle: Das Kreissymbol steht für die sogenannte identitäre Bewegung, eine neue rechte Strömung. Im Innern des Kreises ist in blasserer Farbe auch ein Hakenkreuz zu sehen.

Kassel. Sie ähneln auf den ersten Blick dem Peace-Zeichen, sind aber Symbole der extremen Rechten: Auf dem Campus sind erneut Schmierereien aufgetaucht, die vermutlich von Rechtsradikalen stammen.

Der Kreis mit dem griechischen Buchstaben Lambda (sieht aus wie ein umgekehrtes V) wurde unter anderem auf die studentische Büchertausch-Telefonzelle am Bibliotheksvorplatz gesprüht, versehen mit dem Hinweis „Wir sind hier“. Im Kreis ist hier blass auch ein Hakenkreuz zu erkennen.

Mehrere der Kreissymbole sind außerdem im Wiso-Pool an der Nora-Platiel-Straße mit Filzstift und Kreide an die Wände gemalt worden. Auch in der Unterführung am Holländischen Platz prangt das Zeichen. Es handelt sich um das Symbol der sogenannten identitären Bewegung, einer neuen Strömung junger Rechter, die ihren Ursprung in Frankreich hat. Sie verwendet den Begriff der kulturellen Identität, meint aber damit Rasse und richtet sich gegen eine multikulturelle Gesellschaft.

Guido Rijkhoek

Das Problem rechter Schmierereien auf dem Campus ist nicht neu: Vor eineinhalb Jahren war unter anderem das Mahnmal „Die Rampe“ mit einer rechten Parole besprüht worden. Die Täter, drei Rechtsextreme aus Kassel und Immenhausen, wurden gefasst und zu Geldstrafen verurteilt.

Die Uni bringe alle Fälle von rechtsextremistischen Graffiti zur Anzeige, sagte Uni-Sprecher Dr. Guido Rijkhoek. Man habe das Zeichen an der Telefonzelle gestern abgewaschen, sodass es nur noch schemenhaft zu erkennen sei. Es werde vollständig mit Farbe übermalt, sobald die Temperaturen das zulassen. Der Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss), der die Zeichen Ende des Jahres entdeckte, hatte bereits viele davon überklebt oder zu Davidsternen und Peace-Zeichen ergänzt.

Er gehe nicht davon aus, dass die identitäre Bewegung in Kassel organisiert sei, sagte Christopher Vogel vom Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus. Vermutlich werde das neue Symbol jetzt von den bestehenden rechtsextremen Kreisen in Kassel benutzt. Das Versteckspiel mit Symbolik gebe es immer wieder.

Er halte es für möglich, dass die erneuten Schmierereien auf dem Campus in Zusammenhang mit der seit Oktober laufenden Vorlesungsreihe der Uni zu Strategien gegen rechts stünden, sagte Vogel.

Möglicherweise fühlten sich Rechtsradikale dadurch provoziert, mit den Zeichen Präsenz zu zeigen. „Dahinter steht der Versuch, diejenigen, die das Zeichen erkennen, einzuschüchtern.“

Von Katja Rudolph

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