Der Landwirt Bernd Hose ist einer der wenigen Getreidebauern in der Stadt Kassel

Ernte am Feierabend

Im Weizenfeld am Rand der Großstadt: Der Landwirt Bernd Hose hofft auf eine gute Ernte. Der Brotweizen soll hochwertig sein, damit er sich zum Backen eignet. Foto: Dietzel

Kassel. Bernd Hose ist ein Exot. Sein Bauernhof im Stadtteil Niederzwehren gehört zu den letzten in Kassel. Raps, Weizen, Zuckerrüben auf 105 Hektar Ackerbaufläche. Das bedeutet viel Arbeit auf den Feldern am Stadtrand, aber es reicht nicht, um eine Familie zu ernähren. Bernd Hose betreibt den Hof, auf dem er mit Frau und Tochter lebt, im Nebenerwerb. Hauptberuflich ist der 48-Jährige als Kfz-Mechaniker tätig.

Mittlerweile gibt es in der Stadt nur noch etwa 20 landwirtschaftliche Betriebe, schätzt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Milchviehhalter gebe es gar keine mehr.

Am Feierabend steigt Bernd Hose auf den Traktor. Dann wird gepflügt, gesät, gespritzt – je nach Jahreszeit. Jetzt ist die Ernte dran, 14 Tage früher als sonst. Durch die Trockenheit im Frühjahr haben sich die Pflanzen schneller entwickelt. Um die 70 Hektar Weizen zu mähen, die Bernd Hose im Oktober ausgesät hat, beschäftigt er einen Lohnunternehmer, also eine Firma, die landwirtschaftliche Dienstleistungen anbietet und die dafür notwendigen Maschinen hat.

Vier Tage lang wird nun gedroschen, sofern es nicht zu regnen beginnt. Acht Tonnen Weizen pro Hektar wären super, sagt der Landwirt. Die Qualität des Getreides hängt ab von Standort, Boden und Niederschlägen, erklärt er. Für dieses Jahr waren wetterbedingt zum Teil hohe Ernteausfälle erwartet worden. „Ich hoffe, dass ich mit einem blauen Auge davonkomme.“

Die meisten seiner Anbauflächen befinden sich nahe des Hofes, mit Blick auf den Herkules, wo auch Bauern aus dem Landkreis Felder bewirtschaften. „Aber städtische Betriebe gibt es hier nicht mehr“, sagt Hose. Sein Hof hat überlebt, weil der Familienbetrieb im Jahr 1976 vom Ortskern an den Rand des Stadtteils Niederzwehren ausgesiedelt ist. Vor 25 Jahren hat er die Schweinehaltung aufgegeben. Scheunen und Maschinen prägen das Bild des Bauernhofes.

Probleme mit Nachbarn kennt Bernd Hose als Aussiedler nicht. Geruchsbelästigung, Dreck oder Lärm von Traktoren – nicht alle hätten Verständnis für das, was die Landwirtschaft so mit sich bringt. „Mitten im Ort hätten wir deshalb nicht weiterbestehen können“, sagt Hose.

Die Landwirtschaft als zusätzlicher Erwerb kann sich lohnen. „Es ist aber auch immer ein Risiko“, räumt Bernd Hose ein. Getreidepreise schwanken wegen Spekulationen an der Börse, und das Wetter lässt sich ebenso wenig beeinflussen. Erträge und Erlöse sind also nie vorhersehbar. „Das bereitet mir manchmal schlaflose Nächte.“

Bernd Hose lagert die gesamte Ernte ein. Je nach Preisentwicklung und Nachfrage vermarktet er Weizen und Raps im Lauf des Jahres an verschiedene Handelspartner.

Von Stefanie Dietzel

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