Handel

Ernüchterndes Weihnachtsgeschäft bei vielen Kasseler Einzelhändlern

ARCHIV - 23.12.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Ein Mann eilt mit einem verpackten Geschenk zwischen den anderen Passanten die Einkaufsmeile Zeil entlang. (zu dpa "Kontaminierte Oberflächen: Übertragen Weihnachtsgeschenke Viren?") Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
+
Umsatzeinbrüche im Lockdown: Das Weihnachtsgeschäft 2020 fiel für viele Einzelhändler ernüchternd aus.

Der Lockdown vor Weihnachten hat vielen Geschäften in Kassel Umsatzeinbrüche beschert. Kassel-Gutscheine im Wert von 300.000 Euro bringen aber noch etwas Geld in die Kassen.

Kassel – Das Weihnachtsgeschäft unter Corona-Vorzeichen ist für die meisten Kasseler Einzelhändler ernüchternd ausgefallen. Die verordneten Ladenschließungen zur wichtigsten Umsatzsaison des Jahres seien „eine Katastrophe“ gewesen, bilanzierte Vorsitzender Alexander Wild von der Händlergemeinschaft der City-Kaufleute. Inzwischen sei die Lage für manche Geschäfte „so alarmierend, dass sie das wohl nicht mehr lange aushalten“.

Zwar gebe es einzelne Sortimentsbereiche wie etwa Haushaltswaren, die durchaus gute Geschäfte gemacht hätten. Auch Uhren und Schmuck, besonders im höheren Preissegment, seien als Geschenke gefragt gewesen, sagt Wild. Aber es gebe viele Verlierer wie insbesondere die Modebranche.

Das bestätigt Gabriele Lanz, Betreiberin des Modeladens Stella an der Wilhelmsstraße. Wegen des Lockdowns habe das Weihnachtsgeschäft dort „faktisch nicht stattgefunden“. Schon ab November sei der Umsatz deutlich eingebrochen, weil die Menschen mit den ersten neuerlichen Kontaktbeschränkungen die Lust am Bummeln im Zentrum verloren hätten: „Wir sind ganz stark vom Umfeld abhängig.“

Seit Mitte Dezember darf nun gar niemand mehr in den Laden. „Dabei ist auch Mode verderbliche Ware“, sagt Lanz. Sie macht mt ihrem Team aber das Beste aus der Situation und hat eine Kasseler Modebloggerin engagiert, die die Outfits von Stella auf Instagram und anderen Socia-Media-Plattformen in Szene setzt.

„Das bringt eindeutig Bewegung“, berichtet Lanz: Etliche Kundinnen würden auf die Postings mit Anfragen reagieren, sie könnten sich die Teile dann zusenden lassen oder kontaktlos am Laden abholen. Trotz Lockdowns hätten am Mittwoch rund 20 Kundinnen vorbeigeschaut. „So können wir den Verlust etwas minimieren“, sagt die Inhaberin. Im Moment werde gerade mal 20 bis 30 Prozent des üblichen Umsatzes gemacht – die schon fest eingekaufte Frühjahrsware wolle aber abgenommen und bezahlt werden. Da werde die finanzielle Luft allmählich knapp.

Auch in der Einkaufsgalerie City Point am Königsplatz ist das Weihnachtsgeschäft „deutlich schwächer ausgefallen und nicht mit den Vorjahren zu vergleichen“, sagt Managerin Jessica Reinhardt. Die Schließung der meisten Läden Mitte Dezember hat auch Frank Rohde vom Geschäft Samen-Rohde am Königsplatz das Weihnachtsgeschäft verhagelt, wenngleich er sein Winter-Angebot an Schlitten, Weihnachtssternen und Vogelfutterhäusern auch per Versand vertreibt: „Wir hatten vor dem 16. Dezember zwei sehr gute Verkaufstage, dann war’s vorbei“, sagt Rohde.

Einen „echten Lichtblick“ gebe es jedoch in diesen schweren Zeiten, sagt Alexander Wild von den City-Kaufleuten: Der im Advent eingeführte Kassel-Gutschein, mit dem man Geldbeträge zur Einlösung in regionalen Geschäften und Lokalen verschenken kann, habe sich unerwartet gut entwickelt. Bereits 160 Akzeptanzstellen würden bei dem System mitmachen, es seien bislang 300 000 Euro an Gutscheinwert verkauft worden. „Zum Start hatten wir mit etwa 50 000 Euro gerechnet.“

Online immer dabei oder als Karte für die Brieftasche: Der Kassel-Gutschein ist flexibel.

Rund 40 000 Euro seien bereits bei teilnehmenden Läden und Lokalen eingelöst worden, sagt Wild. Erfahrungsgemäß würden Kunden aber für höhere Beträge als nur für den Gutscheinwert einkaufen, wenn sie sich im geschäft oder auf einer Speisekarte etwas aussuchen. Es ist aktuell also weit mehr als eine Viertelmillion Euro, die noch als Geschenkegeld in die Kassen von Geschäften und Restaurants fließen wird.

Der Handelsverband Hessen hat unterdessen die Landesregierung angemahnt, die Einzelhändler stärker zu unterstützen. Der hessische Einzelhandel habe allein im Weihnachtsgeschäft rund eine halbe Milliarde Euro eingebüßt, im gesamten Jahr 2020 seien es 2,8 Milliarden Euro gewesen, viele Betriebe seien in ihrer Existenz gefährdet. Hauptgeschäftsführer Sven Rohde kritisiert unter anderem, dass die Finanzhilfen der Landes nicht zur Auszahlung kämen, weil die Zugangshürden viel zu kompliziert und zu hoch seien. (Axel Schwarz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.