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Erst Absage wegen Corona, jetzt auch noch Krieg: Karneval fällt wieder aus

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Von: Thomas Siemon

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Gerd Butzmann mit Tochter Jacqueline, deren Mann und Sohn ebenfalls im Karneval aktiv sind.
Als begeisterte Karnevalisten erneut ausgebremst: Gerd Butzmann mit Tochter Jacqueline, deren Mann und Sohn ebenfalls im Karneval aktiv sind. © Andreas Fischer

In normalen Zeiten wäre der Rosenmontag für die Kasseler Familie Butzmann ein eindeutiges Zeichen für den Ausnahmezustand: Karneval. Nur der muss schon wieder ausfallen. Das hat auch Folgen für den Tanzsport.

Kassel – Nur mal zur Erinnerung: Heute ist Rosenmontag. Da wäre die ganze Familie Butzmann normalerweise im alljährlichen Ausnahmezustand. „Wir sind in der vierten Generation überzeugte Karnevalisten“, sagt Gerd Butzmann (80), der diese Leidenschaft von seinem Vater geerbt hat.

Als wir uns verabredet haben, stand schon fest, dass in Kassel alle offiziellen Veranstaltungen rund um den Karneval abgesagt sind. Wegen Corona – und das bereits zum zweiten Mal hintereinander. Und dann wurde die Sorge um die Gesundheit von einer Schreckensnachricht überlagert: dem Krieg in der Ukraine. „Selbst wenn wir vorgehabt hätten, Karneval zu feiern, kann ich mir das jetzt gar nicht mehr vorstellen“, sagt Gerd Butzmann, der elf Jahre Präsident der Gemeinschaft Kasseler Karnevalgesellschaften war.

Tochter Jacqueline (55) sieht das ganz genauso. Für sie war die Absage des heimischen Karnevals wegen Corona ebenso nachvollziehbar wie bitter. Die Gesundheit gehe natürlich vor. Trotzdem sieht die begeisterte Tänzerin, die in jungen Jahren eines der besten Tanzmariechen bundesweit war, auch die Auswirkungen. Der karnevalistische Tanz sei ab einem bestimmten Punkt Leistungssport mit hohem Trainingsaufwand. Im ersten Coronajahr hätten sich mehrere Teams ihrer Karnevalgesellschaft und Tanzsportclub KG TSC Herkules für die Norddeutschen Meisterschaften qualifiziert. Nur vier Tage vor dem Turnier sei dann alles abgesagt worden. „Dafür haben wir ein ganzes Jahr trainiert, das war wirklich bitter“, sagt sie.

Und in diesem Jahr ging es nahtlos so weiter. Bis auf ein paar interne Auftritte habe niemand vor Publikum sein Können zeigen dürfen. „Wir können nur hoffen, dass sich die Lage weiter entspannt“, sagt Jacqueline Butzmann. Auch von vielen befreundeten Vereinen gebe es Rückmeldungen, dass man sich zunehmend Sorgen um den Nachwuchs mache. Als alle Sporthallen wegen Corona gesperrt waren, habe man versucht, Online-Training anzubieten. „Es ist aber gar nicht lustig, wenn die Musik durch unterschiedlich schnelle Übertragungswege dann zeitversetzt ankommt“, sagt die Trainerin. Der Verband habe jetzt vor, die Turniersaison auf September vorzuverlegen. So komme man dann einer möglichen weiteren Coronawelle zuvor.

Erinnerung an bessere Zeiten: 1985 entstand dieses
Erinnerung an bessere Zeiten: 1985 entstand dieses © privat

Den Spaß am Karneval wollen sich die Butzmanns aber nicht auf Dauer nehmen lassen. Auch Gerd Butzmanns Frau Geertruda (78), die niederländische Wurzeln hat, ließ sich anstecken. Das trifft zudem für Jacquelines Mann und den 26-jährigen Sohn zu.

Und wie wäre so ein Karnevalswochenende normalerweise verlaufen? „Am Samstag hätte es den Umzug durch die Stadt und den Rathaussturm gegeben“, sagt Jacqueline Butzmann. Auch im Kaufhof (heute Galeria) schaue man seit Jahr und Tag vorbei. Am Sonntag stehen dann der Kinderkarneval und die närrische Stadtverordnetenversammlung auf dem Programm. Am Rosenmontag gehe sie sonst immer mit den Kindergruppen in die Kasseler Grundschulen und mittags in die Baunataler Werkstätten. Abends folgt dann die Feier in den Bürgerräumen Wehlheiden. Vielleicht nächstes Jahr wieder. Dann hoffentlich ohne Krieg und Corona.

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