Zäher Auftakt in Prozess um Messerstecher in Kasseler Fitness-Studio

Kassel. Weil der Hauptbelastungszeuge fehlte, ist ein Prozess um einen Messerstecher in einem Kasseler Fitnessstudio am Donnerstag nicht weit über die Verlesung der Anklage hinaus gekommen.

Der nicht erschienene Mann ist der, dem der 35-jährige Angeklagte im März 2012 in einer Umkleidekabine eine neun Zentimeter tiefe Stichverletzung zugefügt haben soll. Laut Anklage war dem Messereinsatz des Kasselers eine – auch tätliche – Auseinandersetzung über eine Rempelei vorausgegangen.

Immerhin hatte der fehlende Zeuge dem Gericht gestern noch per Fax mitgeteilt, er sei krank geschrieben. Zwar reicht das nicht unbedingt aus, um einem Prozess fern bleiben zu dürfen. Es war aber immerhin mehr als ein eigentlich für das Verfahren eingeteilter Schöffe von sich gegeben hatte. Der nämlich fehlte unentschuldigt.

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Erst als ein Ersatz-Schöffe ad hoc geladen worden und eingetroffen war, konnte die Verhandlung überhaupt beginnen. Die Kosten für die eineinhalbstündige Verspätung solle der unentschuldigt fehlende Schöffe tragen, beantragte die Verteidigung. Grundsätzlich haben – allerdings nur im Falle einer Verurteilung – die Angeklagten die Verfahrenskosten zu tragen.

Das Gericht stellte die Entscheidung über den Antrag zunächst zurück. Gibt es ihm nach, müsste der Schöffe zum Beispiel die zusätzliche Arbeitszeit eines Rechtsmediziners und eines Psychiaters bezahlen, die als Sachverständige am Prozess teilnehmen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Kasseler vor, mit dem Messer in die Nierengegend des Geschädigten gestochen zu haben – weit ausholend und im Bewusstsein, dass dies lebensgefährlich sein könne. Der 35-Jährige kündigte gestern an, eine Aussage dazu machen zu wollen. Gericht wie Verteidigung und Staatsanwaltschaft hielten es dann aber für sinnvoll, ihn am gleichen Tag zu hören, wie den Geschädigten.

Erst danach sollen dann andere Beobachter des Geschehens vernommen werden. Rund ein Dutzend für gestern geladene Zeugen wurde wieder abgeladen. Insgesamt sind rund 30 Zeugen für den Prozess vorgesehen. Am kommenden Donnerstag wird er fortgesetzt - inklusive eines neuen Versuchs, den Geschädigten zu hören.

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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