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Weihnachtsbaum in Kassel leuchtet nur mit Muskelkraft

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Von: Claudia Feser

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Volker Arend tritt in die Pedalen, um den Weihnachtsbaum auf dem Wesertorplatz zum Leuchten zu bringen.
Erst trampeln, dann leuchten: Nachbar Volker Arend tritt in die Pedalen, um den Weihnachtsbaum auf dem Wesertorplatz zum Leuchten zu bringen. © Claudia Feser

Bei den Stichworten „Weihnachtsbaum“ und „Wesertor“ kommt so manchem wohl das kleine Bäumchen in den Sinn, das es im vergangenen Jahr zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat, weil es klitzeklein hinter einem großen Bauzaun verbarrikadiert war.

Wesertor – In diesem Jahr stehen die Stichworte „Weihnachtsbaum“ und „Wesertor“ für Nachhaltigkeit, Miteinander, Zusammenhalt, Menschlichkeit und Fahrradantrieb.

Fahrradantrieb? Ja. Aber erst noch mal zurück zum Baum: Der ist in diesem Jahr ein wirklich prächtiges Exemplar und steht – umfallsicher – in der eigens betonierten Bodenhülse auf dem Wesertorplatz. Gespendet von der Nassauischen Heimstätte|Wohnstadt, ist er vier Meter hoch und mit Zweigen rundherum bestens bestückt. Geschmückt wurde er von Kindern und Senioren aus dem Stadtteil: Mädchen und Jungen des Bonifatius-Kindergartens haben gelbe Sterne angefertigt, Senioren des Bonifatius-Heims hängten sie an die Zweige.

Lichterketten

Auf den Zweigen liegen kleine Lichterketten, die ganz besonders sind: Sie werden über ein Fahrrad betrieben, das neben dem Weihnachtsbaum steht. Denn nur wenn geradelt wird, können die Lichterketten am Baum leuchten. Passanten, die am Wesertorplatz vorbeikommen, bleiben neugierig stehen und lesen die Zettel an Baum und Rad, die über die Aktion informieren. „Das ist astrein und mal was anderes“, sagt ein Mann, der auf dem Rad unterwegs ist und schnell weiter muss.

Die Idee zu den fahrradbetriebenen Lichterketten am Weihnachtsbaum hatte Ortsvorsteherin Annli Lattrich. Sie ist nicht nur umweltfreundlich und in Zeiten von explodierenden Energiepreisen kostensparend, sondern auch kreativ. Umgesetzt wurden sie von drei handwerklich geschickten Männern aus dem Stadtteil, die gemeinsam an der Konstruktion getüftelt haben.

Gabenständer

Zusätzlich hat ein Mann zwei Holzständer gebaut, die am Weihnachtsbaum stehen. An deren Haken können Gaben für bedürftige Menschen gehängt werden.

Den Anfang machte Ortsvorsteherin Lattrich, die aus alten Kalenderblättern gebastelte Geschenktüten aufhängte, gefüllt mit Nüssen und Mandarinen. Auf den Gepäckträger des Fahrrads hatte sie einen Korb gesteckt, der mit Zweigen und Schleifen geschmückt ist. Auch dort legte sie gefüllte Geschenksäckchen rein.

Auch im vergangenen Jahr gab es Gaben am Wesertor-Weihnachtsbäumchen, damals hingen sie am Bauzaun. „Es gab viele positive Rückmeldungen auf die Gaben“, berichtet Ortsvorsteherin Annli Lattrich. Sie erinnert sich an eine Begegnung mit einer Frau. „Ich habe sie kurz nach Weihnachten am Wesertorplatz getroffen. Sie nahm sich ein Päckchen und sagte mir, dass es ihr erstes Weihnachtsgeschenk sei.“

Der Ortsbeirat Wesertor wird Gutscheine in umliegenden Geschäften besorgen und sie in der Vorweihnachtszeit für Bedürftige an die Gabenständer hängen.

Jeder, der die Aktion unterstützen und Bedürftigen eine Freude machen möchte, kann sich beteiligen. Damit kann Menschen ein Lichtblick beschert werden, die zuweilen wenig Menschlichkeit spüren. (Claudia Feser)

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