Wie die Kirchen jetzt mit der Pandemie umgehen

Erst Test, dann Gottesdienst: Erste Gemeinden feiern mit 3G

Pastor Frank Fornaçon von der Baptistengemeinde an der Friedrich-Ebert-Straße zeigt die Schnelltests, die vor dem Gottesdienst zum Selbsttest ausgegeben werden.
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Kirche im Hof feiert mit 3G-Regeln: Pastor Frank Fornaçon von der Baptistengemeinde an der Friedrich-Ebert-Straße zeigt die Schnelltests, die vor dem Gottesdienst zum Selbsttest ausgegeben werden.

Kassel – G wie Gottesdienst: Das gibt es in der Kirche im Hof jetzt nur noch geimpft, genesen oder getestet. Damit ist sie die erste Gemeinde in Kassel, die den Zugang zum Sonntagsgottesdienst an die G-Regel knüpft.

In der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde an der Friedrich-Ebert-Straße gilt bereits seit Mitte November die 3G-Regel. Wer nicht geimpft oder genesen ist und kein offizielles Testzertifikat vorweisen kann, bekommt vor Ort einen Schnelltest für einen Euro ausgehändigt.

Wer sich das nicht leisten kann, erhalte den Test auch gratis, sagt Pastor Frank Fornaçon.

Am ersten Sonntag, 14. November, hätten weniger als zehn der rund 60 Gottesdienstbesucher einen Test gemacht – die meisten allerdings, weil sie ihren Impfnachweis nicht dabei hatten, wie Fornaçon berichtet. Die Herausforderung in der Pandemie sei, so der Pastor, die Balance zu finden, „dass unser spirituelles Angebot einerseits jedem offen steht und andererseits die Sicherheit gewährleistet ist“.

Auch wenn die Gemeinde seit Beginn der Pandemie alle ihre Gottesdienste im Livestream überträgt – man wolle niemanden vom Gottesdienst vor Ort ausschließen, betont der Pastor. Doch die Räume der Baptistengemeinde im Vorderen Westen sind im Vergleich zu klassischen Kirchen eher klein und der Gottesdienstbesuch ist rege. Auch die konsequent umgesetzte Abstandsregel bedeute daher eine Zugangsbeschränkung, so Fornaçon. Mit der 3G-Regel könne man die Abstände etwas verringern.

Bei den Veranstaltungsregeln orientiert sich die freikirchliche Gemeinde an den Empfehlungen der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Diese hatte kürzlich ein Papier an alle Gemeinden verschickt mit den aktuellen Optionen und dieses am Freitag, 19. November, nochmals aktualisiert.

Während für Veranstaltungen und Kulturangebote künftig bundesweit 2G vorgeschrieben ist, gelten für „Zusammenkünfte von Glaubensgemeinschaften“ gesonderte Regeln. So darf nach aktuellem Stand auch weiterhin ohne G-Nachweis Gottesdienst gefeiert werden, sofern die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Dies haben bislang auch nahezu alle landeskirchlichen Gemeinden so gehandhabt, ebenso wie die katholische Kirche. Angesichts der sich zuspitzenden Pandemielage rät die EKKW ab sofort jedoch wieder verstärkt zu Gottesdiensten im Freien oder, sofern in Innenräumen gefeiert wird, zu 3G oder 2G.

Die Entscheidung über das Gottesdienstmodell liegt bei den jeweiligen Kirchenvorständen vor Ort, die dabei die aktuelle Coronalage und die räumlichen Gegebenheiten berücksichtigen sollen. Die Herausforderung sei, „zwischen rechtlich möglich und schützend geboten zu entscheiden“, schreibt Prälat Bernd Böttner von der EKKW in dem gestern aktualisierten Papier. „Das gilt für alle Gottesdienste und für die Weihnachtsgottesdienste insbesondere.“ Generell sei es wünschenswert, dass regional immer auch ein Sonntagsgottesdienst ohne Nachweispflicht angeboten wird.

Für den Heiligen Abend, wenn unter normalen Umständen die Kirchen aus allen Nähten platzen, hatten ohnehin schon viele Gemeinden mit Freiluft-Veranstaltungen, Gottesdienst mit Anmeldung oder nach G-Regeln geplant. „Wir hoffen wirklich, dass die Gottesdienste nicht wieder ausfallen müssen“, sagte Pfarrer Willi Temme von der Martinskirche, wo Heiligabend aktuell mit 3G angedacht ist, noch vor wenigen Tagen. Diese Hoffnung gerät nun erneut mehr und mehr ins Wanken. (Katja Rudolph)

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