Familienbetrieb Schade-Wittwer feiert seinen 110. Geburtstag

Sie lieben Pflanzen: Anja (links) und Eberhard Schade (rechts) führen das Blumengeschäft Schade-Wittwer in der vierten Generation. Ihre Kinder Julia und Marvin helfen gelegentlich aus. Foto:  Pflüger-Scherb

Niederzwehren. Eine passendere und schönere Adresse können sich Floristen und Gärtner kaum wünschen: Die Blumenbinderei und der Gartenbaubetrieb von Anja (43) und Eberhard Schade (49) ist in Niederzwehren an der Straße „Am Rosengarten“ zu finden.

Diese blumige Anschrift hat Eberhard Schade seinem Urgroßvater zu verdanken: Gärtnermeister Paul Wittwer eröffnete vor 110 Jahren ein Ausflugslokal an der heutigen Korbacher Straße. Dort legte er einen großen Rosengarten an und taufte seine Lokalität danach. Im selben Jahr, am 2. Oktober 1902, eröffnete Wittwer nebenan eine Gärtnerei. Der Aufzucht von Blumen nämlich galt Wittwers wirkliche Liebe. Noch vor dem ersten Weltkrieg trennte er sich wieder von dem Gasthaus und konzentrierte sich nun ganz und gar auf den Handel mit dem Grün. Er baute zusammen mit seiner Frau Luise das Geschäft zu einer der bedeutensten Großhandels- und Versandgärtnereien in Deutschland aus.

„Vom Bahnhof Oberzwehren verschickte mein Urgroßvater Blumen in ganz Deutschland. Der Name Wittwer war ein Begriff in München, Hamburg und Berlin“, erzählt Eberhard Schade. Chrysanthemen, Flieder und Maiglöckchen waren besonders gefragt. Seine Großeltern Marie und Ernst Wittwer übernahmen das Geschäft in zweiter Generation.

Deren Tochter Inge führte das Geschäft in dritter Generation mit ihrem Mann August Schade. Unter Inge Schade, die heute 83 Jahre alt ist, erlebte der Familienbetrieb einen Umbruch. In den 70er Jahren gab es einen Wandel in der grünen Branche, sagt Floristin Anja Schade. „Nachdem die ersten Holländer auftauchten, gab es bei uns einen Einbruch im Großhandel.“

Inge Schade warb auf Kreidetafeln an der Straße für die Blumen, der Einzelhandel wurde geboren. 1976/1977 wurde auf dem Grundstück das Ladengeschäft gebaut.

„Wir machen alles, vom Brautstrauß bis zum Sargschmuck“, sagt Anja Schade. Man lege Wert auf regionale und deutsche Ware, damit die Transportwege kurz bleiben. Zum Teil ziehen die Schades die Pflanzen selbst. Hauptsächlich lebe das Geschäft von Stammkunden.

Baumarktmentalität

„Manche Kunden verwechseln und mit einem Baumarkt“, sagt Anja Schade. Die verlangten eine ausführliche fachliche Beratung, seien gleichzeitig aber nur bereit, niedrige Preise zu zahlen. Zum Glück habe diese „Baumarktmentalität“ aber in jüngster Zeit nachgelassen.

Marvin (20) und Julia (18), die Kinder der Schades, haben von kleinauf im Geschäft mitgeholfen, ob nun beim Topfen der Stiefmütterchen, beim Rasenmähen oder an der Kasse. Ob einer von beiden in fünfter Generation den Laden weiterführt, stehe noch nicht fest. „Die sollen erst einmal etwas Vernünftiges lernen. Später können sie sich immer noch entscheiden, das Geschäft zu übernehmen“, sagt Anja Schade. Eins ist aber allen fünf Generationen seit 1902 gemein: Die Liebe zu Blumen.

Schade-Wittwer, Am Rosengarten 1, Tel. 05 61/40 19 80.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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