Petra Friedrich steht seit Mai an der Spitze der Kasseler Stadtverordnetenversammlung

Sie ist die erste Bürgerin

+
Neue Vorsitzende des Stadtparlaments: Petra Friedrich ist erst die zweite Frau, die Kassels Stadtverordneten vorsteht.

Kassel. Ausgerechnet Roland Koch ist Schuld. Als der Christdemokrat Ende der 90er-Jahre in den Wahlkampf zog und schließlich Landesvater wurde, war Petra Friedrich klar: „Jetzt gehe ich in die Politik.“

Im SPD-Ortsverein Wilhelmshöhe begann die politische Karriere der Sozialdemokratin, 2006 folgte der Sprung in Kassels Stadtverordnetenversammlung. Seit Mai ist sie die Vorsitzende des Stadtparlaments und als solche die erste Bürgerin der Stadt.

Dabei war das politische Engagement der gebürtigen Bebraerin in die Wiege gelegt: Ihr Urgroßvater war Gewerkschaftsgründer und Bürgermeister. „Ich bin mit der Sozialdemokratie aufgewachsen“, sagt Petra Friedrich. Willy Brandt und Philipp Scheidemann nennt sie als ihre politischen Vorbilder. Und Christine Schmarsow, Kassels erste Frau an der Spitze der Stadtverordneten. „Sie hatte eine Art, die Menschen mitzunehmen und weiterzutragen, was sie von ihnen hörte. Sie war präsent und hatte ein umfangreiches Wissen“, lobt Friedrich.

Unpolitisch und neutral

In ihrem Amt sei es ihre Aufgabe, unpolitisch und neutral zu sein. „Gegenseitige Wertschätzung sollte über allem stehen“, ist die 53-Jährige überzeugt. Daran erinnert sie zur Not, indem sie die silberne Glocke läutet, um die Parlamentarier zur Ordnung zu rufen. Drei Sitzungen hat sie bislang geleitet.

Frei von Lampenfieber war sie dabei nicht, gesteht die Sozialdemokratin und schickt ein offenes Lachen hinterher. Sie sei stets zu Beginn aufgeregt, aber dafür auch besonders aufmerksam.

Auf ihr neues Amt, das ihr Bürgermeister und SPD-Vorsitzender Jürgen Kaiser angetragen hat („Ich war gerührt und stolz“) hat sich Petra Friedrich akribisch vorbereitet. Zehn Stunden investiert sie jede Woche. Die Oberamtsrätin, die als Regionalmanagerin beim Landeswohlfahrtsverband in Kassel arbeitet, ist das Aktenstudium gewohnt. Ebenso daran, bei der Integration von behinderten Menschen in den Beruf „das Beste für alle zu erreichen“. Auch für ihre inzwischen erwachsene Tochter habe sie vom ersten Augenblick an kämpfen müssen. Sie war vor 22 Jahren mit einer Behinderung zur Welt gekommen.

Als kommunikativ und offen beschreibt sich die 53-Jährige - Tugenden, die sie als Aushilfe im Familienbetrieb, einem Textilgeschäft, im Umgang mit Kunden lernte. Offenheit ist auch das Stichwort, wenn es um ihre Aufgabe im Stadtparlament geht: „Was wir tun, soll transparent werden.“ Die Bürger sollten stärker darüber informiert werden, wo sie mitwirken können. Etwa wenn es um Schwimmbäder oder Spielplätze gehe, sagt Friedrich.

Die Frau mit dem leuchtend roten Haar hat übrigens nicht nur im Ehrenamt, sondern auch zu Hause einen Spitzenplatz. Augenzwinkernd verrät sie: „Für meinen Mann spiele ich die erste Geige.“ ARTIKEL RECHTS

Von Anja Berens

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.