Nach Gefängnisstrafe für Göker: Welche Folgen hat das Urteil?

Kassel. Der ehemalige MEG-Chef Mehmet Göker wurde bereits zu einer Geldstrafe von 720.000 Euro wegen Steuerhinterziehung und der Vorenthaltung von Sozialbeiträgen verurteilt.

Aktualisiert um 17.09 Uhr

Er stand wegen Beleidigung und Bedrohung vor Gericht und erhielt eine Geldstrafe. Er muss sich auch in diversen Zivilprozessen verantworten. Hinzu kam am Dienstag die Verurteilung zu einer Gefängnistrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung für drei Jahre. Was bedeutet das für Mehmet Göker praktisch, der ja meist in der Türkei lebt und von dort weiter Geschäfte macht?

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Nun, für ihn ändert sich konkret gar nichts - wenn er die Bewährungsauflage, die mit dem Urteil verbunden ist, erfüllt. Diese Bewährungsauflage ist die Zahlung von 30.000 Euro an die Staatskasse. Weitere Auflagen gibt es nicht. Mehmet Göker muss sich nicht bei der Polizei oder bei einem Bewährungshelfer melden.

Zahlt er also die 30.000 Euro, passiert nichts weiter. Er ist zwar ein zu Gefängnis verurteilter Täter, kann aber weiter so leben wie bisher - er kann also beispielweise ungehindert zwischen der Türkei und Deutschland pendeln.

Anschuldigungen seien falsch

Eines darf Mehmet Göker in den drei Jahren der Bewährung nicht - in Deutschland wieder straffällig werden. Dann müsste er ins Gefängnis. Wenn er eine vergleichsweise harmlose Straftat beginge - etwa Schwarzfahren oder dergleichen - könnte die Bewährungszeit auch verlängert werden.

Wenn der 32-Jährige in der Türkei gegen das Gesetz verstößt, ist die Lage kompliziert. Dann müsste die Kasseler Staatsanwaltschaft zunächst prüfen, ob diese Straftat auch in Deutschland geahndet wird. Möglicherweise müsste er dann in Deutschland ins Gefängnis - vorausgesetzt, man kann ihn festnehmen. Zahlt Mehmet Göker die 30.000 Euro nicht, würde die Bewährung zurückgezogen. Er müsste dann für sechs Monate tatsächlich ins Gefängis - vorausgesetzt man kann ihn in der Türkei festnehmen.

Andere Ermittlungen gegen ihn laufen weiter. Die Tatvorwürfe wie Insolvenzverschleppung und Untreue wiegen erheblich schwerer als die Annahme von 20.500 Euro, wegen der er jetzt zur Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Es kann also sein, dass bei diesen Ermittlungen für Mehmet Göker viel mehr auf dem Spiel steht als bisher.

Wann diese Ermittlungen abgeschlossen werden, steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht fest. Die Ermittlungen wegen des Handels mit Datensätzen (Adressen von potenziellen Kunden einer privaten Krankenversicherung) könnten in den nächsten zwei Monaten einen Abschluss finden. Auch in diesem Bereich könnte es eine Anklage gegen Göker geben.(tho)

Mehmet E. Göker - einst schillernder Unternehmer

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