Das Team des DRK-Kriseninterventionsdienstes sucht weitere Mitarbeiter

Erste Hilfe für die Seele

Hilfe in der Not: Nach Unfällen bleiben Angehörige oft mit Gefühlen massiver Überforderung zurück. Foto: drk

Kassel. Wenn das Schicksal hart zuschlägt, ist niemand gern allein. Da stirbt plötzlich ein Familienmitglied vor den eigenen Augen an einem Infarkt, da erlebt man als Autofahrer einen Unfall, bei dem jemand sein Leben verliert, oder eine Mutter muss plötzlich mit dem Tod ihres Kindes klarkommen.

„Es ist die Radikalität solcher Erlebnisse, die auf viele Beteiligte traumatisch wirkt“, sagt Sabine Weber, Leiterin des Kriseninterventionsdienstes des DRK, kurz KID. Akuter Beistand kann in solchen Situationen Gold wert sein. Tatsächlich werden die Dienste des KID von Betroffenen häufig in Anspruch genommen, „so häufig, dass wir langsam an unsere Grenzen kommen“, sagt Weber. So sucht der KID dringend weitere Mitstreiter auf ehrenamtlicher Basis.

Aktuell stellen 14 Kräfte das Team, die Mitarbeiter sorgen täglich für eine 24-Stunden-Bereitschaft an allen 365 Tagen im Jahr – gearbeitet wird in zwei Schichten von 6 bis 18 Uhr und von 18 bis 6 Uhr, jeweils in Doppelbesetzung. Im Jahr 2012 fuhren die KID-Mitarbeiter 85-mal raus, im Jahr 2013 rund 60-mal, die meisten Unfälle oder schweren Notfallsituationen ereignen sich im häuslichen Umfeld. Informiert werden die KID-Helfer von den Rettungskräften, der Polizei oder der Feuerwehr.

Entlastung des Teams

„Wenn wir neue Mitstreiter suchen, geht es also auch darum, das vorhandene Team zu entlasten“, sagt Weber. Gesucht werde nach Kollegen mit Menschenkenntnis, Lebenserfahrung und Fingerspitzengefühl im Umgang mit anderen. „Interessierte führen wir langsam an unsere Arbeit heran“, sagt Weber. „Sie sollen sich klar darüber werden, was auf sie zukommt.“

Erst wenn sich ernsthaft eine Eignung abzeichne, erhalten Bewerber eine Ausbildung an vier Wochenenden mit 80 Unterrichtseinheiten. Lehrinhalte sind Stress- und Traumabewältigung. Trainiert wird die Kunst der Gesprächsführung, die eigene Wahrnehmungs- und Reflektionsfähigkeit. „Menschen in Ausnahmesituationen reagieren völlig unterschiedlich“, sagt Weber. „Da muss man richtig reagieren können.“

Michael Gischnewski zum Beispiel, kaum ein Jahr beim KID, hat sich in seine Aufgabe schon richtig reingefuchst. So hat er einen Rucksack entwickelt, in dem allerlei Sachen stecken, die Menschen in Ausnahmesituationen helfen können – vom Knabberkeks bis zum Kuscheltier. Tatsächlich kam der Rucksack schon zum Einsatz. „Vor allem Kinder können davon profitieren, wenn sie plötzlich zum Beispiel vom Tod ihres Opas erfahren“, sagt Gischnewski.

Interessierte bittet das DRK um Kontaktaufnahme unter KID-Info@DRK-Kassel.de

Von Boris Naumann

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