DRK-Kriseninterventionsdienst

Erste Hilfe für die Seele: DRK sucht dringend ehrenamtliche Unterstützung

Seelische Betreuung nach schlimmen Erlebnissen: Jens Thumser und Iris Hein vom DRK-Kriseninterventionsdienst kümmern sich in dieser nachgestellten Szene um eine Klientin. Sie werden beispielsweise nach schweren Unfällen mit Toten angefordert. Foto: Konrad

Kassel. Unfälle mit Toten oder Schwerverletzten, ein plötzlicher Todesfall in der Familie, Arbeitsunfälle - Erlebnisse wie diese können Menschen seelisch stark belasten und oft überfordern.

In solchen Situationen greift der Kriseninterventionsdienst (KID) der Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ein.

„Das Zeitfenster ist eng, optimal ist eine umgehende Betreuung, am besten in den ersten vier Stunden“, sagt Iris Hein. Eine schnelle seelische Stabilisierung von Opfern und Angehörigen sei wichtig, um das Risiko einer ernsthaften psychischen Störung oder Erkrankung in der Folge des Ereignisses zu verringern.

Die 42-jährige Grafikerin gehört seit eineinhalb Jahren zum zwölfköpfigen Team des KID im DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen. Das Team engagiert sich ehrenamtlich. „Diese Arbeit gibt mir die Möglichkeit, der Gesellschaft, von der ich sehr viel bekommen habe, wieder etwas zurückzugeben“, sagt Hein.

Angefordert werden die Mitarbeiter von der Leitstelle der Feuerwehr, wenn Polizei, Rettungsdienste oder Feuerwehr die seelische Betreuung eines Menschen für notwendig halten. „Wir sind für die Klienten da, hören zu, versuchen, ihre inneren Ressourcen wieder zu wecken und zu stärken“, sagt Jens Thumser.

Begleitung beim Abschied

Der 44-jährige Projektleiter ist seit zwei Jahren im KID-Team. Häufig sind es ganz einfache, alltägliche Dinge, die zu einer Stabilisierung beitragen. Thumser: „Wir animieren die Menschen beispielsweise dazu, etwas zu trinken, erklären, was die nächsten Schritte sind und unterstützen bei den ersten organisatorischen Dingen.“ Aber man nehme den Klienten keine Aufgaben ab. „Wir begleiten sie beispielsweise auch beim Abschiednehmen von einem Angehörigen“, sagt Hein. Wichtig sei außerdem, Angehörige oder Nachbarn, das soziale Umfeld des Klienten zu aktivieren.

Der Einsatz des KID endet in der Regel nach zwei Stunden. Hein: „Wir leisten Erste Hilfe für die Seele.“ Das Ziel sei, nach der Betreuung eine stabile Person ihrem sozialen Umfeld zu übergeben. Zu den Aufgaben des KID gehört außerdem die Begleitung von Polizeibeamten bei der Überbringung von Todesnachrichten.

Im Team des Kriseninterventionsdienstes sind Menschen unterschiedlichster Berufsgruppen vertreten. Die zwölfstündigen Bereitschaftsdienste sowie die Einsätze werden laut Thumser zu zweit, möglichst von einem Mann und einer Frau übernommen. Die Hälfte des Teams besteht aus Frauen. „Wir stoßen langsam an unsere Grenzen und würden uns freuen, wenn weitere Mitarbeiter ehrenamtlich zu unserem Team stoßen würden“, sagt Thumser. Das Mindestalter beträgt 25 Jahre. „Man muss auf Menschen zugehen können, ein hohes Maß an Toleranz und Geduld haben und sich schnell auf unterschiedliche Situationen einstellen können“, ergänzt Hein.

Stufenausbildung

Die Ausbildung umfasst insgesamt 120 Stunden in mehreren Stufen. Zwischen 60 und 80 Einsätze absolviert das Team im Jahr.

• Am kommenden Donnerstag, 5. November, bietet der Kriseninterventionsdienst für Menschen, die Interesse an einer Mitarbeit haben, ab 19.30 Uhr einen Informationsabend in der DRK-Zentrale, Königstor 24, Raum E2, in Kassel an. Interessierte für eine Mitarbeit haben auch die Möglichkeit, Einzelgesprächstermine zu vereinbaren. Kontakt:

KID-info@drk-kassel.de

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