Erster hessenweiter Gedenktag für Heimatvertriebene und Flüchtlinge

Erinnern: Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung legten die gebürtige Schlesierin Gisela Römer und Udo Hüßle, dessen Mutter aus Ostpreußen stammt, am Ehrenmal auf dem Hauptfriedhof einen Kranz nieder. Foto: Bergholter

Kassel. 15 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, darunter 2,5 Millionen Tote, so lautet die schreckliche Bilanz des Zweiten Weltkrieges. Um an die Opfer von Vertreibung, Flucht und Deportation zu erinnern, wurde in diesem Jahr erstmals ein landesweiter Gedenktag begangen.

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hatte mit anderen Vertriebenenverbänden am Sonntag ans Ehrenmal der Vertriebenen und Flüchtlinge auf dem Hauptfriedhof eingeladen.

Dietmar Pfütz, Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft, malte in seiner Ansprache ein grausiges Bild aus jener Zeit: Flüchtlingstrecks, gezeichnet von Angst, Hunger, Kälte und Elend, unbestattete Leichen am Wegesrand, Geschichten von Verschleppten und Verschollenen, die in Straf- oder Arbeitslagern zu Tode gekommen waren.

Zugleich ermunterte Pfütz die 80 Teilnehmer des Gedenkens, darunter offenbar zahlreiche Heimatvertriebene, so oft wie möglich von dieser Zeit zu erzählen, da sich nachfolgende Generationen kein Bild mehr von dem Schrecken machen könnten. Doch ging es an diesem Tag nicht nur um das Leid der Vertriebenen, sondern auch um ihre Rolle beim Wiederaufbau des zerstörten Deutschlands. Die Schicksale der Heimatvertriebenen, die zumeist alles verloren hatten und hier in der Region eine neue Heimat suchten, waren äußerst unterschiedlich. Viele wurden warmherzig aufgenommen, während sich andere mit Diskriminierung und Ausgrenzung konfrontiert sahen.

Das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen teilten auch heute unzählige Menschen in den Krisenregionen dieser Welt, sagte Pfarrer Hermann Weiser in seiner Rede. Man könne das Leid dieser Menschen nachfühlen, sei in der Pflicht zu helfen und zu mahnen. Das Vergessen sei die größte Katastrophe. (pee)

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