Verurteilter Vergewaltiger soll andere Arbeit beim Kreis bekommen

Hier arbeitete der Angeklagte bis gestern: Die Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Oberzwehren wird von 1466 Gymnasiasten besucht. Archivfotos:  nh

Kassel. „Wenn vor Gericht herauskommt, dass ein Mann, der wegen Kindesmissbrauchs angeklagt ist, als Schulhausmeister arbeitet, dann sollten doch alle Alarmglocken angehen“, sagt Helmut Dörr, Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Oberzwehren.

In dem Gymnasium des Landkreises Kassel werden 1466 Schüler ab der fünften Klasse unterrichtet.

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Angeklagter Sexualtäter arbeitet als Hausmeister an einer Schule

Am Freitag hat der Chef des Gymnasiums erst durch die HNA erfahren, dass einer der fünf Hausmeister, die an der Landkreis-Schule in Oberzwehren arbeiten, in dieser Woche wegen sexuellen Missbrauchs in Tateinheit mit Vergewaltigung eines neunjährigen Mädchens zu drei Jahren Haft verurteilt worden ist.

Das Urteil gegen den 48-Jährigen aus Baunatal, das vor dem Amtsgericht in Fritzlar gesprochen wurde, ist noch nicht rechtskräftig. Der Mann befindet sich weiterhin auf freiem Fuß. So hat er auch nach der Verurteilung am Montag wieder als Hausmeister an der Schule gearbeitet. Er war unter anderem für die Hofpflege zuständig. Niemand an der Schule habe auch nur geahnt, dass der Mann verdächtigt wird, ein Kind missbraucht zu haben, sagt Dörr. Weil die Schule über den Prozess nicht informiert worden ist, wirft Dörr dem Amtsgericht und der Staatsanwaltschaft Versäumnisse vor. „Die gerichtlichen Kontrollmechanismen müssen dringend überarbeitet werden“, sagt der Schulleiter.

Die Staatsanwaltschaft Kassel weist den Vorwurf zurück. Niemand habe gewusst, dass der Angeklagte mittlerweile als Hausmeister an einer Schule arbeite, sagt Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. Bei der Verhandlung vor dem Fritzlarer Amtsgericht habe die Richterin den Angeklagten lediglich nach seinem Beruf gefragt. Nachdem er gesagt habe, er arbeite als Hausmeister, sei das Thema nicht weiter vertieft worden. Nach seinem Arbeitgeber sei der Mann in der Verhandlung nicht gefragt worden.

Als im Jahr 2009 Anklage gegen den Baunataler erhoben wurde, habe er auch noch nicht für den Landkreis - sprich als Hausmeister an der Schule - gearbeitet (siehe Hintergrund). Die Schule hat bereits gestern Konsequenzen gezogen: Der Mann werde nicht mehr als Hausmeister in Oberzwehren arbeiten, sagt Schulleiter Dörr. Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises, kündigte an, dass man ein Personalgespräch mit dem Mann führen werde. Solange das Urteil gegen ihn nicht rechtskräftig sei, könne der 48-Jährige auch anderweitig eingesetzt werden.

Das Verfahren gegen den 48-Jährigen wird wohl demnächst die Berufungskammer des Kasseler Landgerichts beschäftigen. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft haben Rechtsmittel eingelegt. Der Mann war nämlich nur in einem Fall des Missbrauchs und der Vergewaltigung schuldig gesprochen worden. Ursprünglich waren aber sechs Fälle angeklagt worden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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