So arbeitet die Kasseler Königstorschule

Wechselunterricht an Grundschulen: Kasseler Erstklässler in Videokonferenzen

In der geteilten Klasse (hier die 1c von Lehrerin Anke Paschen an der Kasseler Königstorschule) sind die Fenster weit geöffnet.
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Abstand und Maskentragen: In der geteilten Klasse (hier die 1c von Lehrerin Anke Paschen) geht es luftig zu.

Seit dem 22. Februar gehen in Hessen Grundschüler wieder in die Schule. An der Kasseler Königstorschule geschieht das in einem wöchentlichen Wechselunterricht.

Kassel - Draußen scheint frühlingshaft die Sonne, und passend dazu ist in den Klassenräumen der Königstorschule – ebenso wie an allen anderen Grundschulen der Stadt – wieder Leben eingezogen. Zwar sieht man keine ausgelassenen Kinder, die durch die Flure toben, hört kein Gequietsche auf dem Schulhof, alle halten drinnen wie draußen Abstand, tragen Masken und vermeiden raumgreifende Interaktion. Im Treppenhaus gilt ein Einbahnstraßensystem, und versetzte Pausen verhindern, dass sich zu viele Kinder auf dem Schulhof begegnen.

Gelernt wird auch in der Notbetreuung.

Aber aus den Klassenräumen, in die man durch die geöffneten Türen hineingucken kann, kommen eindeutige Geräusche: Hier sind Schüler mit ihren Lehrern ins Lernen vertieft. Fragt man in die Runde: Freut Ihr Euch, wieder in der Schule zu sein?, kommt ein vielstimmiges „Jaa“. Und über den Masken sieht man strahlen Kinderaugen.

Seit Montag, 22. Februar, ist für Hessens Grundschüler der Lockdown aufgehoben. Nicht alle 220 Königstorschüler sind wieder im Unterricht präsent, aber nach einem Wechselmodell, das die Grundschule für sich erarbeitet hat, sind genau die Hälfte aller Schüler diese Woche anwesend, zudem rund 50 Kinder in der Notbetreuung. Nächste Woche kommt die andere Hälfte der Klassen ins Gebäude.

Nachdem man sich ein Stimmungsbild unter den Eltern und Lehrern verschafft hatte, habe man sich für einen wöchentlichen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht entschieden, erklärt Schulleiter Marc Rosch. Das bringe nicht nur mehr Ruhe ins Lernen, das in konstanten Lerngruppen stattfindet, sondern vereinfache auch die Organisation der Notfallbetreuung, die ebenfalls im Wochenturnus stattfindet, sagt Konrektorin Annette Conradi. „Die Zeit könne so intensiver genutzt werden“, so Rosch.

Es gibt Schulen, die einen tageweisen Wechselunterricht praktizieren.

Die Königstorschüler, die sich im Distanzunterricht befinden, werden von ihren Lehrern parallel ebenfalls eng betreut. Im Eingangsbereich des Schulgebäudes sind Kästen für jede Klasse aufgestellt. Dort können Arbeitsaufträge und ausgedruckte Wochenpläne abgeholt werden. „Wir telefonieren außerdem viel mit den Schülern“, sagt Conradi.

Der Großteil der Kommunikation im Distanzunterricht findet an der Königstorschule allerdings online statt. Und da kommt allen zugute, dass sich die Schul-Gemeinde von Anfang an, mit Beginn der Corona-Restriktionen, intensiv und mit großer Aufgeschlossenheit dem E-Learning gewidmet hat.

Videokonferenzen finden über das Portal Jitsi statt. Den Zugang zum Portal hat das Medienzentrum der Stadt Kassel ermöglicht. „Das funktioniert richtig gut. Wir haben sogar schon mit Erstklässlern Videokonferenzen gemacht“, sagt Rosch. „Einige Schüler haben eigene E-Mail-Adressen.“

Ein Großteil des Austausches zwischen Lehrern und Schülern läuft über die Plattform Padlet. Sie funktioniere wie eine Online-Pinwand, erklärt Rosch. Da werden Viertklässler beispielsweise in einem Video ihrer Lehrerin Annette Conradi, das sie am Wochenende auf ihrer Terrasse aufgenommen hat, freundlich begrüßt und über die anstehenden Themen in allen Fächern informiert. Dabei klingt die Lehrerin durchaus schon mal wie eine TV-Moderatorin: „Im Sachunterricht kommt was richtig Spannendes auf uns zu: Da beschäftigen wir uns mit den Römern und fragen uns, ob sie wohl auch in Nordhessen waren.“

Viel Frischluft: An der Königstorschule sind die Fenster weit geöffnet.

Die Schüler stellen ebenfalls ihre Beiträge auf der Plattform ein. Sogar Bilder, die im Kunstunterricht entstanden sind, werden eingescannt und präsentiert. Aber auch Texte und Arbeiten, die auf dieses Weise korrigiert werden können. Das „unerlässliche Feedback“ sei so gut möglich, sagt Rosch. Zusätzlich findet auf der Schulhomepage – auch hier alles passwortgeschützt – reger Austausch statt, können sich Jahrgangsteams absprechen, werden von den Lehrkräften Lehrvideos hochgeladen oder Links weitergegeben. Auch mit Lern-Apps habe man gute Erfahrungen gemacht.

„Es herrscht bei uns eine hohe Bereitschaft für Online-Fortbildungen“, sagt Marc Rosch. Darüber hinaus werde sich untereinander viel geholfen und beigebracht, so Conradi. Zudem mache der IT-Beauftragte Martin Brandt einen guten Job. Und letztlich, sagt Rosch, sei auch die Aufgeschlossenheit der Eltern, ihre Kinder zu begleiten, erfreulich hoch.

Ärgerlich sei hingegen, dass es in der Schule kein WLAN gebe („Es ist angekündigt“) und die Kollegen fürs Arbeiten ihr privates Datenvolumen aufbrauchten. Auch seien die Tablets, die der Schulträger für bedürftige Schüler zur Verfügung stellt, ohne Sim-Card, sodass Kinder, die zuhause kein WLAN haben, mit den Geräten gar nicht arbeiten können. (Christina Hein)

Sie gehen wieder zur Schule

Noch gibt es keinen normalen Schulalltag, aber für viele Kinder zumindest ein Wiedersehen mit ihren Schulfreunden in der Klasse. Denn seit gestern gilt für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 in Stadt und Kreis Kassel wieder eine Präsenzpflicht im Wechselunterricht und in geteilten Klassen. Auch Schüler der Qualifikationsphase Q2 (zwölfte Klasse) besuchen wieder ihre Schulen. Eltern können somit nicht mehr entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken oder nicht.

Zudem gilt seit gestern auch in den Grundschulen die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

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