Sybille von Obernitz

Erstmals eine Frau an der Spitze der IHK

Wird zum 1. Januar neue Hauptgeschäftsführerin der IHK Kassel-Marburg: Sybille von Obernitz (53). Foto: Fischer

Kassel. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg wird ab 1. Januar erstmals in ihrer 252-jährigen Geschichte von einer Frau geführt.

Gestern am späten Nachmittag ernannte die Vollversammlung Sybille von Obernitz zur künftigen Hauptgeschäftsführerin. Die 53-jährige Ökonomin wird Dr. Walter Lohmeier nachfolgen, der nach gut 20 Jahren auf diesem Posten in den Ruhestand wechselt. Ihr Jahresgehalt beträgt 190.000 Euro zuzüglich 38.000 zum Aufbau einer privaten Altersversorgung und Dienstwagen der Mittelklasse.

Die Vollversammlung hat 87 Mitglieder. 63 nahmen an der Sitzung teil. 54 gaben von Obernitz ihre Stimme, fünf votierten mit Nein, vier enthielten sich. Die Neinstimmen kamen überwiegend aus dem Lager der Kammerkritiker um deren umtriebigen Sprecher Kai Boeddinghaus.

Der hatte zuvor beantragt, den Tagesordnungspunkt abzusetzen, was die Versammlung ablehnte. Begründung des Antrags: Das Bewerbungsverfahren sei „unprofessionell und intransparent“ gewesen. So seien Auswahlkriterien und Anforderungsprofil nicht hinreichend kommuniziert und die vollständige Liste aller 70 Bewerber einer vorgeschalteten Findungskommission nicht präsentiert worden.

Von Obernitz erklärte nach ihrer Bestellung: „Ich freue mich zutiefst auf die äußerst spannende Aufgabe, eine der ältesten Kammern in Deutschland zu führen – in einer prosperierenden Wirtschaftsregion im Herzen Europas.“ Als ihre vorrangigen Aufgaben bezeichnete sie die Digitalisierung der Industrie, die Fachkräftesicherung, den Ausbau des Breitbandnetzes sowie die Stärkung der bestehenden Netzwerke in der Region.

Kammerpräsident Dr. Martin Viessmann sprach von einer „exzellenten Wahl“. Von Obernitz verfüge über fundierte wirtschaftspolitische Erfahrung. „Die Findungskommission hat das persönliche und fachliche Profil als herausragend empfunden.“ Beide – Kommission und Präsidium – hätten sich einstimmig für die Kandidatin ausgesprochen. Boeddinghaus erinnerte er daran, das dieser dem Auswahlverfahren im vergangenen Jahr – wie übrigens alle Vollversammlungsmitglieder – zugestimmt habe.

Die gebürtige Augsburgerin war nach dem Studium der Volkswirtschaft in Freiburg zunächst dreieinhalb Jahre als Referentin der IHK ihrer Heimatstadt, danach sieben Jahre als Bereichsleiterin der Kammer in Berlin und anschließend acht Jahre in leitenden Positionen bei der IHK-Dachorganisation, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), tätig.

Im Dezember 2011 wechselte die parteilose Volkswirtin für die CDU als Wirtschaftssenatorin der Bundeshauptstadt in die Politik, bat aber nach einer Reihe von Querelen nur neun Monate später um Entlassung. Seither hatte sie keine feste Anstellung. Von Obernitz ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. In ihrer Freizeit läuft sie Marathon.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.