Sozialarbeiter sahen für Zehnjährigen keinen anderen Ausweg

Erstmals Zehnjähriger aus Kassel in geschlossenem Heim

Kassel. Drei Jahrzehnte war die Unterbringung von Jugendlichen in geschlossenen Einrichtungen in Hessen nicht mehr üblich. Das hat sich geändert. Seit September gibt es bei Fulda eine geschlossene Einrichtung für strafunmündige Kinder im Alter von zehn bis 13.

Seit zwei Wochen ist dort auch ein zehnjähriger Junge aus Kassel untergebracht. Ein Kind, für das die Sozialarbeiter keinen anderen Ausweg mehr sahen.

Dabei handele es sich um einen Einzelfall, sagt Dr. George von Soest, Abteilungsleiter im Jugendamt der Stadt Kassel. Die Sozialarbeiter hätten bei der Arbeit mit dem Jungen kapituliert. Zuletzt habe es sogar eine Einzelbetreuung rund um die Uhr für das Kind gegeben, für die die Stadt mehr als 16.000 Euro im Monat gezahlt habe. Doch auch diese Betreuung des bereits abhängigen und straffällig gewordenen Kindes, das zum Teil auf der Straße lebte, habe nichts gebracht, sagt von Soest. „Wir konnten den Jungen und sein Umfeld nicht mehr schützen.“

Jetzt lebt er in einer geschlossenen Wohngruppe für schwierige Kinder, bei denen sich offene Jugendhilfeangebote als nicht mehr geeignet erwiesen haben. Ob solch eine Unterbringung angebracht ist oder nicht, darüber gab es in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses eine kontroverse Diskussion. Die Linken scheiterten mit einem Antrag, der eine geschlossene Unterbringung von Kindern und Jugendlichen generell verbietet. Laut von Soest müsse aber jeder Einzelfall geprüft und eine geschlossene Unterbringung zeitlich begrenzt werden.

In Kassel würden 15 bis 20 schwierige Kinder und Jugendliche mit offenen Angeboten intensiv betreut. Diese Zahl sei seit drei Jahren konstant, aber die Betroffenen würden immer jünger und auch auffälliger, sagt von Soest. Insgesamt gibt die Stadt jährlich 25 Mio. Euro für stationäre Einrichtungen und ambulante Hilfen aus.

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