Bombe legte Campus an Uni Kassel lahm

Kassel. Auf dem Campus der Universität Kassel herrschte am Dienstag Vormittag Ausnahmezustand: Eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg legte den Uni-Betrieb für Stunden lahm.

Das Kriegsrelikt war bereits am Montagabend gegen 21 Uhr bei Sondierungsarbeiten auf der Baustelle für das geplante Hörsaal-Campuscenter an der Moritzstraße gefunden worden. Sie lag in vier Metern Tiefe.

Über Nacht war die Baustelle abgeriegelt und bewacht worden. Weil keine unmittelbare Gefahr von der Bombe ausgegangen sei, wurde die Entschärfung erst für Dienstagvormittag terminiert, sagte Wolfgang Jungnitsch, Pressesprecher der Polizei.

Bombenfund an der Uni Kassel

Zwei Zünder entschärft

Nachdem 100 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst das Areal im Umkreis von 300 Meter um den Fundort evakuiert und abgesperrt hatten, entschärfte der Kampfmittelräumdienst Hessen die amerikanische Bombe am Dienstag um 12.50 Uhr.

Dies geschah mit einer so genannten Raketenklemme. Dazu wurde ein Werkzeug an der Bombe angebracht, das mittels Pyrotechnik ferngesteuert die Zündeinrichtung von dem Sprengkörper trennt. „Weil die Bombe einen Heck- und Kopfzünder hatte, dauerte es etwas länger“, sagte Kampfmittelexperte Dieter Brunner. Die eigentliche Entschärfung dauerte 30 Minuten.

Ab 10 Uhr am Dienstag Vormittag gab es rund um das Uni-Gelände kein Durchkommen mehr für Autofahrer: Moritz-, Gottschalk- und Henschelstraße waren abgesperrt worden. Ein Drittel des Campus wurde geräumt. Hausmeister forderten die Studenten und Bediensteten auf, die betroffenen Gebäude zu verlassen. Auch die Mensa konnte nicht wie gewohnt öffnen.

Dass die Universität nicht gleich morgens abgesperrt wurde, habe daran gelegen, dass zunächst geplant werden musste, welche Bereiche evakuiert werden müssen, sagte Universitätssprecher Dr. Guido Rijkhoek. Um welches Ausmaß es sich handele, sei erst in der Abstimmung klar geworden.

Neben den Studenten mussten auch Anwohner ihre Häuser verlassen. Ein Evakuierungszentrum war in der Emil-Junghenn-Halle in der Ysenburgstraße eingerichtet worden. Teilweise wurden die Bewohner mit Bussen dorthin gebracht. Die Feuerwehr zählte 35 Evakuierungen. Menschen mit Gehbehinderungen wurden mit Krankentransporten abgeholt. Etliche Studenten waren verunsichert, ob und wann ihre Veranstaltungen beginnen.

Weil die Zentralmensa nicht wie gewohnt um 11.30 Uhr öffnen konnte, waren die weiteren Mensen auf dem Gelände zum Teil überfüllt. Die Universität steht auf dem früheren Gelände der Henschel-Werke.

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