Polizeieinsatz an documenta-Standort: Kunst statt Bombenattrappe

Kassel. Zuerst war die Rede von einer Bombe, dann von einer Bombenattrappe. Am Mittwochvormittag stellte sich heraus, dass es sich um Kunst handelte: Wegen Reagenzgläsern, die mit einer Flüssigkeit gefüllt waren, löste die Polizei am Dienstagabend Alarm aus und räumte einen documenta-Standort am Kulturbahnhof.

Diese Reagenzgläser sind Teil einer Performance der deutschen Künstlerin Sonja Töpfer. Sie hatte im Rahmen des Projektes „Winning Hearts and Minds“ Reagenzgläser mit Öl und einem Tropfen Filmblut gefüllt und sie im Alten Zollamt am Kulturbahnhof an Besucher verschenkt, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch am Mittwoch.

Zuletzt aktualisiert um 15.10 Uhr.

Vermutlich hätten Gäste das Reagenzglas unbedacht am Kulturbahnhof abgestellt. Mitarbeiter der documenta wussten am Dienstagabend nicht, dass es sich dabei um den Teil einer Performance handelt. "Das ist alles ein bisschen unglücklich gelaufen", sagt Jungnitsch. Die Polizei prüfe nun, ob jemand für den Einsatz aufkommen müsse, der mindestens im mittleren fünfstelligen Bereich liege.

Die deutsche Künstlerin Sonja Töpfer ließ am Dienstag auf der documenta einen Tropfen Filmblut in ein mit einer Flüssigkeit gefülltes Glasröhrchen fallen. Eines der Kunstwerke wurde dann offenbar von Besuchern unachtsam abgestelt - und löste den Großeinsatz der Polizei aus.

Die Polizei war am Dienstagabend mit einem Großaufgebot samt Helikopter zum Alten Zollamt ausgerückt, weil ein Sicherheitsdienst die Reagenzgläser entdeckt hatte und nicht wusste, ob die Flüssigkeit darin gefährlich ist. Das Areal wurde gegen 17.30 Uhr weiträumig abgesperrt. Darunter waren auch die angrenzende documenta-Gastronomie Base (13) und die Zufahrt zum Nordflügel des Bahnhofs. Die Polizei war mit zahlreichen Wagen im Einsatz. Gegen 21 Uhr gab es dann Entwarnung: Nach einer Analyse stellte sich heraus, dass es sich bei der Flüssigkeit um handelsübliches Speiseöl handelt.

Kunstprojekt mit Folgen: Eines der Reagenzgläser, die im alten Zollamt für Aufregung sorgten. Eine Künstlerin ließ einen Tropfen Filmblut hineinfallen im Rahmen einer Performance.

Da Mitarbeiter der documenta nicht wussten, dass die Reagenzgläser Teil einer Künstlerperformance sind und so die Polizei auch nicht aufklären konnten, sprachen die Einsatzkräfte am späten Dienstagabend noch von einem "üblen Scherz" unbekannter Täter. Die Kriminalpolizei nahm die Ermittlungen auf, Spurensicherung und Zeugenbefragungen liefen bis in die Nacht. Die hinzugerufene Feuerwehr hatte die Substanz am späten Nachmittag zunächst nicht bestimmen können, deswegen waren die Einsatzkräfte von einer möglichen Gefahr ausgegangen. Ein Polizeihubschrauber hatte dann Spezialisten des Landeskriminalamtes eingeflogen, die die Flüssigkeit schließlich analysierten und als gefahrlos erkannten. (use/bal/rpp)

Fotos: Vermeintliche Bombe ruft Polizei auf den Plan

Vermeintlicher Bombenfund auf documenta-Gelände

Rubriklistenbild: © Malmus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.