Uni Kassel reagiert mit Förderprogramm auf Stärken und Schwächen ihrer Studenten

Erstsemester mit Nachholbedarf

Christiane

Klafft eine Schere zwischen den Noten auf dem Abschlusszeugnis und dem tatsächlichen Wissensstand von Schulabgängern? Ähnlich wie IHK und Handwerkskammer bei Auszubildenden (wir berichteten) stellt auch die Universität Kassel Defizite bei Erstsemestern fest.

„Es gibt erhebliche Unterschiede bei der Studierfähigkeit“, sagt Dr. Christiane Borchard, Leiterin des Servicecenters Lehre an der Uni Kassel. Nachholbedarf konstatiere man quer durch alle Fachrichtungen – beispielsweise bei mathematischen Kenntnissen und im Umgang mit der deutschen Sprache. Auch mit dem selbst organisierten Lernen täten sich Studierende mitunter schwer. Im Jahr 2008 hat die Uni Kassel deshalb die Arbeitsgruppe Heterogenität ins Leben gerufen -– auch, um der bildungspolitischen Verantwortung gerecht zu werden, sagt Dipl.-Pädagogin Borchard. In einem Pilotprojekt wurden alle Fachbereiche aufgefordert, zunächst Leistungsprofile zu definieren unter der Frage: „Was brauche ich schon zum Einstieg?“.

Zu Studienbeginn nehmen seither einige Fachbereiche Prüfungen vor. Dabei gehe es aber nicht in erster Linie darum, Studierfähigkeit durch eine Auswahl nach formalen Kriterien zu sichern, betont Borchard: „Wir wollen die Entwicklung fachspezifischer Diagnose und Förderinstrumente vorantreiben, um auf Stärken und Schwächen gezielt reagieren zu können.“ Während Mathetests in Elektrotechnik und Informatik verbindlich sind, ist die Teilnahme am Deutschtest, wie ihn etwa Wirtschaftswissenschaften, Bauingenieurwesen und Berufspädagogik anbieten, noch freiwillig.

Individuelle Rückmeldung

Anhand ihres Testergebnisses erhalten alle Teilnehmer Rückmeldungen: So bleibe bei einigen Studenten das Leseverstehen zu wünschen übrig, andere hätten Schwierigkeiten, Texte zusammenzufassen. Sie erhalten die Möglichkeit, in Kursen ihre Defizite aufzuarbeiten. Aber es gibt laut Borchard auch Studierende, die sich in diesen Tests als besonders begabt und leistungsfähig herausstellten. Ihnen würden beispielsweise frühzeitig Angebote gemacht, um sie aktiv in Forschungsaufgaben einzubeziehen.

150 000 Euro erhalten die Fachbereiche jährlich für den Bereich Heterogenität aus dem mit 360 000 Euro gefüllten Gesamttopf für „Zentrale Lehrförderung“. Zusätzliche 50 000 Euro darf die AG laut Borchard für zentrale Projekte verwenden.

Das Personal, das die Kurse begleitet - sogenannte Lehrkräfte für besondere Aufgaben - finanziert sich aus QSL (Qualitätssicherung von Studium und Lehre)-Mitteln. Die AG überlegt, das Programm auszuweiten und wissenschaftliche Mitarbeiter anzusprechen. Auch Lehrende müssen lernen: beispielsweise, wie man Kenntnisse vermittelt. Foto: privat

Von Anja Berens

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