Programm zur Sprachförderung wird an Kasseler Kindertagesstätten fortgesetzt

Erzählen mit viel Gefühl

Fröhliche Runde: In der Kita am Struthbachweg entstand ein Erzählraum. Erzieherin Gül-Bahar Caliskan (von links), Schauspieler Stefan Becker, Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Kita-Leiterin Karin Morbitzer-Busch machten es sich mit Kindern zum Geschichtenerzählen gemütlich. Foto:  Puchta

Kassel. „Man muss Kindern Geschichten möglichst gefühlsbetont erzählen“, sagt Stefan Becker vom Spielraum-Theater Kassel. Denn nur so bleibe die Sprache im emotionalen Gedächtnis hängen. Die Kunst des Erzählens ist auch Inhalt des Programms „Erzähl mir eine Geschichte“, das ein Teil des städtischen Projekts „Sprachförderung im Vorschulalter“ ist.

2008 starteten Schauspieler des mobilen Spielraum-Theaters das Erzählprogramm in vier Kindertagesstätten: im Kinderhaus Waldau, in der Kita Waldau II, der Kita am Struthbachweg in Rothenditmold und in der evangelischen Kita an der Pfarrstraße in Bettenhausen. Jetzt ist eine Dokumentation über die gesammelten Erfahrungen mit dem Erzählprogramm fertig. Erarbeitet haben sie Stefan Becker und seine Kollegin Gisela Honens.

Außerdem entwickelten die beiden Schauspieler einen Leitfaden zum Geschichtenerzählen, der ebenfalls druckfrisch vorliegt. Er enthält neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch viele praktische Anleitungen für Kindertagesstätten, wie das Geschichten erzählen in die Arbeit einbezogen wird.

Theateraufführungen im Kulturhaus Dock 4 und in den Einrichtungen, Fortbildungen der Erzieherinnen sowie Elternabende, an denen die Mütter und Väter, die fast alle einen Migrationshintergrund haben, „das Erzählen neu entdeckt haben“, hätten in den vergangenen vier Jahren zum Alltag in den vier Kindertagesstätten gehört, erzählt Becker. Mittlerweile würden Eltern ihren Kindern in unterschiedlichen Sprachen Geschichten aus verschiedenen Kulturen erzählen.

Denn es käme darauf an, dass Kinder zunächst ihre eigene Sprache ausbilden. Nur so seien sie in der Lage, die Grammatik auch in andere Sprachen umzusetzen.

Die Teilnahme am Programm „Erzähl mir eine Geschichte“ sei ein großes Geschenk, sagt Angelika Sauer vom Kinderhaus Waldau. „Die Kinder verfolgen die Theateraufführungen immer mit leuchtenden Augen und spielen das, was sie gesehen haben, hinterher nach.“

Auch in der Kita Waldau II würde man bei den Theateraufführungen oder beim Geschichtenerzählen „eine Stecknadel fallen hören“. Sogar die Kleinsten würden gebannt lauschen, erzählt Leiterin Elke Drewes.

„Wir würden gern weiter ins Theater gehen“, plädiert auch Karin Morbitzer-Busch an Oberbürgermeister Bertram Hilgen bei der Vorstellung der Dokumentation für die Fortführung des Programms. Das ist zumindest für dieses Jahr gesichert.

Im Mittelpunkt der Erzählgeschichten stehen 2012 die documenta und natürlich im Grimm-Jahr auch Märchen.

Von Monika Puchta

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