Mehr als 400 Erzieher

Kita-Mitarbeiter demonstrierten gegen Kinderförderungsgesetz

Lautstarker Protest: Nach ihrer Versammlung im Philipp-Scheidemann-Haus marschierten mehr als 400 Kita-Mitarbeiter aus der Region mit Transparenten in die Kasseler Innenstadt. Weitere - auch unkonventionelle - Protestaktionen sollen folgen. Fotos:  Dilling

Kassel. Größere Gruppen, schlechtere Betreuungsbedingungen, Abwertung des Berufsstands und unter dem Strich auch weniger Geld für Kindergärten, die mit besonders langen Öffnungszeiten Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern wollen.

All das befürchten viele Erzieherinnen, wenn das von der CDU/FDP-Koalition geplante Kinderförderungsgesetz tatsächlich vom Landtag verabschiedet wird. Der Protest dagegen schwillt an. Am Samstag demonstrierten mehr als 400 Kita-Mitarbeiter während einer von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di organisierten Aktion in der Innenstadt gegen das Vorhaben.

Zuvor hatten sich schätzungsweise 500 Erzieherinnen und Erzieher auf Einladung von Ver.di im Philipp-Scheidemann-Haus versammelt, um ihre Kritik an dem Gesetz zu formulieren und weitere Protestaktionen zu planen. Sie rechne mit einem „massiven Rückschritt“ bei den Standards von Bildung und Erziehung im Kindergarten, sagte Esther Schade, stellvertretende Leiterin der Kita am Park in Niestetal. „Wir sind von dem Gesetz doppelt getroffen“, fügte sie hinzu. Denn gerade auf die Gruppe der unter Dreijährigen und die Integrationsgruppe des Kindergartens wirke sich das Gesetz besonders negativ aus. Es lasse kaum noch Zeit für eine individuelle Förderung dieser Kinder. „Für uns wird die Arbeit deutlich schwieriger. Der Stress wächst“, sagte Milka Ghirmay von der Kita Nils Holgersson in Kassel. Schon jetzt kämen Kolleginnen teilweise auch krank zur Arbeit, weil die Personaldecke dünn sei.

Heike Range von der Kasseler Kita Struthbachweg bestätigt, dass die Arbeit bereits heute kaum zu schaffen sei. Sie habe schon dienstliche Aufgaben in ihrer Freizeit erledigt, weil die normale Dienstzeit nicht reiche. Ihre Kita habe fast nur Kinder mit ausländischem Hintergrund. „Die Sprachförderung wird auf der Strecke bleiben, wenn das Gesetz kommt.“ Kinder mit Behinderungen oder aus sozialen Brennpunkten seien die Hauptleidtragenden der Gesetzesänderung, ergänzte Simone Fäth, stellvertretende Leiterin der städtischen Kita Nordshausen. Sie kritisiert auch das Vorhaben, Kräfte ohne Erzieherausbildung zu beschäftigten. Damit habe sie in Nordshausen schlechte Erfahrungen gemacht.

Von Peter Dilling

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