Ab Dienstag sollen mehr Busse und Bahnen fahren

ÖPNV in Kassel: Es geht nach Wintereinbruch nur schrittweise voran

Straßenbahnen und Regiotrams auf der Königsstraße in Kassel
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Sie fahren seit Samstag wieder über die Königsstraße: Straßenbahnen und Regiotrams. Für Dienstag kündigt die KVG die Freigabe weiterer Strecken an, aber noch nicht alle Linien könnten wieder bedient werden.

Die ersten Busse und Bahnen fahren seit dem Wochenende in Kassel wieder. Doch mehr als eine Woche nach dem Wintereinbruch müssen sich ÖPNV-Nutzer weiterhin auf Verzögerungen und Ausfälle einstellen.

Kassel – Die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) kündigt für Dienstag, 16. Februar, die Freigabe weiterer Strecken an. Voraussetzung dafür sei aber, dass das Wetter in Kassel mitspiele, damit nicht wieder Weichen und Schienenrillen von Eis zugesetzt würden und Schnee den Betrieb auf Gleisen und Straßen verhindere. Nachfolgend der KVG-Fahrplan zum Wiederhochfahren der Linien im Überblick:

Nach Schnee-Chaos in Kassel: Diese Busse und Bahnen fahren wieder

Straßenbahnen: Sie fahren seit Samstag vom Betriebshof Wilhelmshöhe bis Bahnhof Wilhelmshöhe, Kirchweg, Weigelstraße, Königsplatz, Holländische Straße bis zur Wendeschleife Holländische Straße. In Betrieb ist auch die Strecke KVG-Betriebshof Wilhelmshöhe, Bahnhof Wilhelmshöhe, Bebelplatz, Königsplatz, Am Stern, Altmarkt bis KVG-Betriebshof Sandershäuser Straße. Auch von Auestadion und Frankfurter Straße zu Rathaus/Fünffensterstraße, Scheidemann- und Königsplatz verkehren Bahnen.
Busse: Seit Samstag sind sie wieder auf der Strecke Rasenallee, Wolfhager Straße, Königsplatz/Mauerstraße, Altmarkt, und in Waldau Ersatzhaltestelle Nürnberger Straße und Kasseler Straße unterwegs (von 6 bis 20 Uhr im zehn Minuten-Takt, von 4.30 bis 6.30 Uhr und von 20 Uhr bis Mitternacht alle 15 Minuten). Auch ab Königsplatz/Mauerstraße fahren Busse zu Industriepark Waldau, Fuldabrück-Dennhäuser Straße (von 4.30 Uhr bis Mitternacht im Halbstundentakt).
Regiotrams: Wie der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) berichtet, ist das Regiotram-Angebot nun wieder komplett am Start. Alle RT-Linien seien seit Sonntag in Betrieb, auch die Verbindung zwischen Kassel und Wolfhagen (RT4) verkehre wieder nach Fahrplan. Eine Auflistung über die aktuelle Lage des Bahn- und Busverkehrs findet sich auf nvv.de.

Nach Schnee-Chaos in Kassel: Diese Busse und Bahnen fahren ab Dienstag

Straßenbahnen: Ab Dienstag sind Streckenfreigaben bis Baunatal, Kaufungen-Papierfabrik, Vellmar-Nord, Ihringshäuser Straße und auf der Helleböhnstrecke geplant.
Busse: Ab Dienstag sollen die Busse auf den regulären Strecken und Fahrplänen der Linien 10 und 17 fahren. Vorerst würden zwölf Tonnen schwere Solobusse eingesetzt, Sie seien im Vergleich zu den 28 Tonnen schweren Schubgelenkbussen bei Winterwetter sicherer.
Bus-Ersatzverkehr: Weil die Arbeiten auf der Lossetalstrecke andauern, könnten die Straßenbahnen ab Dienstag erst bis zur Wendeschleife Kaufungen-Papierfabrik fahren. Von dort sollen dann Busse im regulären Takt der Bahnen im Schienen-Ersatzverkehr bis Hessisch Lichtenau fahren.

Nach Schnee-Chaos in Kassel: Diese Busse und Bahnen fahren noch nicht

Lossetalbahn: Im Lossetal hat das Unwetter laut KVG besonders schwere Schäden angerichtet, die Schienenrillen auf der Strecke seien dick vereist. Die Aufräumarbeiten unter Federführung der Hessischen Landesbahn (HLB) würden noch eine Weile dauern. Ab wann die Bahnen wieder bis Hessisch Lichtenau fahren, ist unklar. Ab Dienstag soll es einen Schienenersatzverkehr mit Bussen von der Wendeschleife Kaufungen-Papierfabrik bis Hessisch Lichtenau geben.
Strecken in Höhenlagen: Die Straßenbahn-Linien zum Druseltal, zur Hessenschanze und nach Wolfsanger können laut KVG leider noch nicht bedient werden.
Stadtteil-Buslinien: Auf Strecken durch Kasseler Wohngebiete, in denen die Straßen zum Teil erst auf einer Fahrspur geräumt sind, ist ebenfalls noch kein Verkehr möglich, teilte die KVG mit.

Kein ÖPNV in Kassel: So erklärt die KVG, warum es nicht schneller geht

Wie kann es sein, dass Busse und Bahnen eine Woche nach dem Wintereinbruch noch immer nicht wieder fahren? Warum rollt der öffentliche Nahverkehr in anderen Städten längst wieder, aber nicht in Kassel?

Zur Kritik an der späten Wiederaufnahme des Linienbetriebs haben am Samstag der KVG-Vorstandsvorsitzende Michael Maxelon sowie die Betriebsleiter Klaus Reintjes und Karsten Kamutzki gegenüber der HNA Stellung bezogen. Man habe selbst zunächst gehofft, schon früher wieder starten und darüber informieren zu können. Doch bei diesem Wintereinbruch in Kassel habe es sich nicht einfach um viel Schnee gehandelt, wie es ihn in früheren Jahren schon gegeben habe. „Das war eine ganz außergewöhnliche Wetterlage“, sagt Maxelon. Reintjes und Kamutzki sprechen gar von einer „Katastrophe“.

Weil keine sichere Beförderung möglich gewesen sei, habe die KVG den Betrieb am Sonntag (7. Februar) gegen 18 Uhr komplett einstellen müssen. 20 bis 25 Zentimeter Neuschnee seien gefallen, durch Verwehungen habe der Schnee auf Schienen und Gleisen bis zu 50 Zentimeter hoch gelegen. Das besondere Problem aber sei, dass der Schnee auf relativ warmen Boden gefallen und Matsch entstanden sei. Durch die Kälte habe sich dann unter dem Schnee Eis gebildet, das die Spurrillen zugesetzt habe.

„Der Eispanzer ist das Riesenproblem“, sagt Maxelon. Das Schienennetz sei 100 Kilometer lang. Es gehe um jeweils zwei Spurrillen, eine in jede Fahrtrichtung. Wegen der Minustemperaturen seien die Rillen noch immer voller Eis. Und dieses Eis lasse sich nur „händisch“, also mit Schaufel und Kratzer, entfernen. „Das ist eine echte Plackerei.“ Maxelon dankte den 120 Leuten, die damit im Dauereinsatz beschäftigt seien. Darunter viele KVG-Mitarbeiter aus dem Innendienst.

Zu schaffen macht der KVG auch die Schneemenge. Das Wegräumen sei nur mit Baggern möglich, 20 davon seien im Einsatz. Bereits 4000 Lastwagen-Ladungen Schnee seien abgefahren worden. Zwischen 70 und 80 Prozent der Schienen im Stadtgebiet seien inzwischen wieder frei.

Zur Frage, warum nicht eher ein Bus-Notbetrieb auf geräumten Hauptstraßen angeboten wurde, erklärte die KVG, man sei bewusst nicht mit „Linien-Stümpfen“ in Betrieb gegangen. Viele Straßen und Haltestellen seien noch nicht geräumt. In Wohngebieten sei oft nur eine Spur frei, bei Betrieb müssten aber zwei Busse aneinander vorbeifahren können. Reintjes: „So lange Straßen und Haltestellen nicht in Ordnung sind, können wir keinen Verkehr aufnehmen.“

Die Kritik, dass die Wiederaufnahme des Betriebs so lange dauert, lässt die KVG nicht gelten. Angesichts der schwierigen Verhältnisse sei die Zeit angemessen, es sei eigentlich gut gelaufen. Zum Vorwurf, die KVG sei früher mit mehr Personal und Gerät besser mit Schnee und Eis klar gekommen, meinte der Betriebsleiter: „So viel Personal und schweres Gerät wie jetzt hatten wir noch nie im Einsatz.“

Bis zum Normalbetrieb wird es noch einige Tage dauern. Maxelon verweist aber auf die weiteren Streckenfreigaben. „Dienstag machen wir einen großen Sprung.“ (Andreas Hermann)

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