Es ist zu trocken: Wer unter dem Regenmangel leidet

Trockene Böden, zu niedrige Pflanzen und früh aufgehende Knospen: Erich Schaumburg zeigt die Folgen des Regenmangels auf einem seiner Rapsfelder in Niestetal. Fotos: L. Thiele

Kassel. In den vergangenen Wochen haben sich die Nordhessen immer wieder über warme Tage gefreut – aber nicht so die Land- und Forstwirte.

Den Pflanzen und Grünflächen hat nämlich der Mangel an Regen deutlich zugesetzt, wie Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel, berichtet: „Im Moment ist es sehr trocken, die nächsten Tage sind entscheidend.“

Landwirtschaft

Auf den Feldern der Landwirte herrsche Wassermangel. Das Getreide müsse eigentlich schon kräftig grün sein, „aber die Reihen sind noch offen und nicht geschlossen, wie es eigentlich sein sollte“, erklärt Schaumburg. Mit dem Wassermangel gehe ein Mangel an Nährstoffen einher, weil diese übers Wasser transportiert werden. Frühjahrstrockenheiten habe es bereits gegeben, „doch der vergangene Winter war zu niederschlagsarm“, so Schaumburg. Deshalb seien kaum noch Wasserreserven in den Feldböden vorhanden.

Der Raps öffne zwar bereits seine Knospen, doch daraus dürfe man keine Trugschlüsse ziehen: Die Pflanze sieht laut Schaumburg zwar dunkelgrün aus und fängt an zu blühen, doch das sei für die Jahreszeit nicht normal. „Der Raps kriegt zu wenig Feuchtigkeit, deshalb öffnet er die Knospen, um zu überleben“, sagt er. Das sei eine Art Notreaktion. Auffallend sei auch, dass die Pflanzen zu niedrig sind.

Am Dienstag hätten sich Leute aus Wilhelmshöhe beschwert, weil ein Bauer sein Feld gedüngt hatte. „Das ist eine Reaktion auf die Trockenheit: Die Gülle enthält Nährstoffe und besteht zu 95 Prozent aus Wasser“, erklärt Schaumburg.

Wälder

„Die Situation in den Wäldern ist nicht so angespannt wie in der Landwirtschaft, aber auch spürbar“, sagt Uwe Zindel, Forstamtsleiter in Wolfhagen. Nötig sei nun mäßiger und lang anhaltender Regen – das Wasser bei kurzem, starkem Regen könnte der Boden nicht aufnehmen und würde einfach abfließen.

Die Waldböden hätten noch Wasser aus den Wintermonaten gespeichert, aber der Vorrat gehe zur Neige. „Die Natur benötigt jetzt richtig viel Regen – mindestens 30 Liter pro Quadratmeter“, so Zindel. Normal seien im April etwa 50 Liter pro Quadratmeter, davon sei man derzeit weit entfernt. Jetzt hofft er auf mehr Regen. Diese Woche gab es ja zumindest ein bisschen Niederschlag. Auch wenn sich das die meisten in den Osterferien nicht wünschen.

Stadt

„Wir können sagen, dass es für die Jahreszeit zu trocken ist“, bestätigt Sascha Stiebing von der Pressestelle der Stadt Kassel. Fehlende und zu geringe Niederschläge machten sich besonders bei den Bäumen bemerkbar. Neben den frisch gepflanzten Bäumen, die derzeit mit drei Fahrzeugen wöchentlich mit Wasser versorgt würden, leide auch der Altbaumbestand. „Neben trockenen Ästen ist auch Schädlingsbefall zu befürchten“, sagt Stiebing.

Das Bewässern des Stadtgrüns habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und müsse sicherlich intensiviert werden. Automatische Bewässerungsanlagen, wie sie an den Rasengleisen in der Wilhelmshöher Allee oder in der Unteren Königstraße eingebaut werden, könnten in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Kassel-Wasser leidet nicht unter der Trockenheit – das berichtet Uwe Neuschäfer, der Leiter der technischen Abteilung. „In Südhessen sinken die Grundwasserstände, aber das ist in Nordhessen kein Problem.“

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