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Schulsprecherin (17): „Unsere Generation wurde während Corona unfair behandelt“

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Von: Matthias Lohr

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Politik kann auch Spaß machen: Emma Kopp (Mitte) aus Vellmar ist Schulsprecherin am Kasseler Friedrichsgymnasium. Im Dezember nahm sie mit 120 anderen Jugendlichen beim Landesjugendkongress im hessischen Landtag teil.
Politik kann auch Spaß machen: Emma Kopp (Mitte) aus Vellmar ist Schulsprecherin am Kasseler Friedrichsgymnasium. Im Dezember nahm sie mit 120 anderen Jugendlichen beim Landesjugendkongress im hessischen Landtag teil. © Nele Prinz/nh

Emma Kopp ist Schulsprecherin am Kasseler Friedrichsgymnasium und nahm am Landesjugendkongress in Wiesbaden teil. Hier erklärt sie, warum sie sich engagiert und welche Nöte ihre Generation hat.

Kassel/Vellmar – 120 Jugendliche aus ganz Hessen nahmen im Dezember am Landesjugendkongress im hessischen Landtag in Wiesbaden teil. Eine von ihnen war Emma Kopp aus Vellmar. Die Schulsprecherin des Kasseler Friedrichsgymnasiums (FG) erarbeitete mit den anderen Teilnehmern Forderungen an die Politik. Wir sprachen mit ihr über den Landesjugendkongress und die Probleme ihrer Generation. Wir einigten uns darauf, uns zu duzen.

Drei Tage hast du mit 120 anderen Jugendlichen beim Landesjugendkongress im hessischen Landtag in Wiesbaden Forderungen erarbeitet. Anschließend wurden sie an die Landtagsabgeordneten übergeben. Was wollt ihr erreichen?

Unsere Forderungen sind umfassend. Sie reichen von einem Ausbau des ÖPNV über mehr Unterstützung ehrenamtlichen Engagements bis zu unabhängigen Anlaufstellen bei Diskriminierung. Wir haben mit Abgeordneten in unterschiedlichen Gruppen gearbeitet. Ich war in der AG für politische Bildung. Eine große Gruppe hat sich mit Schulreformen beschäftigt. Klar ist: Das Schulsystem kann nicht so bleiben, wie es ist.

Was muss sich dort ändern?

Das Schulsystem ist veraltet und muss sich an die heutige Generation an Schülern und Schülerinnen anpassen. Vor allem bei Lerndefiziten, mentaler Gesundheit und Digitalisierung muss gehandelt werden. Insgesamt haben wir 48 Forderungen aufgestellt und die Top 30 sowie die Top 10 erstellt.

Was passiert nun damit?

Die Fraktionen im Landtag werden sich damit beschäftigen. Im Juni werden wir uns in Wiesbaden wiedertreffen. Dort werden wir schauen, inwiefern die Forderungen umgesetzt wurden. Da im Herbst Landtagswahlen sind, wird sich vieles in den Wahlprogrammen wiederfinden, hoffe ich.

War es etwas Besonderes, im Plenarsaal zu debattieren?

Auf jeden Fall. Allein auf den Stühlen zu sitzen, wo sonst Politik gemacht wird, war ein tolles Gefühl. Eigentlich kenne ich mich mit der Landespolitik nicht so gut aus. Die meisten von den Teilnehmenden am Landesjugendkongress verfolgen vor allem die Politik in Berlin. Die drei Tage in Wiesbaden haben mir gezeigt, dass man sich einbringen sollte. Denn Politik wird nicht nur in Berlin und Wiesbaden gemacht, sondern auch in den Kommunen. Oft wirkt Politik als etwas Geschlossenes wahrgenommen. Beim Kongress wurde deutlich, dass man sehr wohl mitreden kann. Das müsste attraktiver gemacht werden.

Wie haben die Abgeordneten auf euch reagiert?

Ich kannte vorher nicht viele Landespolitiker. Beeindruckt war ich von der CDU-Fraktionschefin Ines Claus. Sie war so wortsicher. Uns ist natürlich auch klar, dass Minister einen sehr engen Zeitplan haben. Deshalb ist es einerseits ein Zeichen von Wertschätzung, wenn Politiker vorbeikommen. Andererseits könnte man dabei manchmal den Eindruck gewinnen, dass diese nicht nur wegen uns und unseren Ideen kommen, sondern auch wegen der Presse.

Willst du dich jetzt auch parteipolitisch engagieren?

Das überlege ich gerade. Ich bin mir noch unsicher, weil man dann so gebunden ist. Ich weiß auch noch nicht, welche Partei für mich infrage käme – entweder Grüne, CDU oder SPD. In jedem Fall bin ich froh, dass ich nächstes Jahr 18 werde und bei der Landtagswahl mitwählen kann.

Du engagierst dich ja schon als Schulsprecherin am FG.

Genau. Schon vor einigen Jahren war ich in der Schülervertretung. Nach einem Auslandsjahr in Kalifornien bin ich dann zur Schulsprecherin gewählt worden. Als Schülervertretung sind wir das Sprachrohr der Schülerinnen und Schüler. Wir nehmen beispielsweise auch an Sitzungen teil, in denen unser Anbau geplant wird. Dort komme ich vor allem mit der Schulpolitik in Kassel in Kontakt.

Das ist sicher alles zeitaufwendig. Unterricht und Lernen kann man nicht nur nebenbei machen.

Ich habe schon viel mit Schule zu tun, aber ich mache auch das, was mir darüber hinaus Spaß bringt. Ich arbeite auch noch im Kindergottesdienst des Friedenshofs, spiele Geige und Saxofon sowie Handball bei der TSG Wilhelmshöhe.

Während Corona mussten Kinder und Jugendliche immer wieder zurückstehen. Schulen wurden als erstes geschlossen. Wie unfair ist es, dass die Gesellschaft der jungen Generation so viel zugemutet hat?

Sehr unfair. Ich bin mir sicher, dass es andere Wege gegeben hätte. Viele aus meiner Generation haben den Eindruck, unfair behandelt worden zu sein. Mit den Konsequenzen werden sie noch lange leben müssen. Das könnte dazu führen, dass sie das Interesse an der Politik verlieren.

Mitten in Europa, in der Ukraine, herrscht Krieg. Die Folgen des Klimawandels werden vor allem junge Menschen zu spüren bekommen. Wie groß ist deine Angst vor der Zukunft?

Ich habe keine Angst, aber Respekt. Vor allem aber habe ich Lust, an der Lösung der Probleme mitzuarbeiten. Es macht Freude, etwas mitzugestalten. Das geht für jeden übrigens auch ganz praktisch – etwa indem ich auf das Auto verzichte und stattdessen Bahn fahre, um das Klima zu schützen.

Weißt du schon, was du nach dem Abitur machen willst? Vielleicht Politikerin werden?

Nein, darüber habe ich mir noch keine konkreten Gedanken gemacht. Erst einmal würde ich gern ein freiwilliges soziales Jahr im spanischsprachigen Ausland verbringen, um eine neue Kultur kennenzulernen und neben Englisch eine weitere Fremdsprache fließend zu sprechen. Mit Latein und Altgriechisch habe ich eine gute Grundlage für weitere Sprachen. Danach werde ich schauen, aber eine Karriere in der Politik schließe ich im Moment nicht aus. (Matthias Lohr)

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