Räum- und Streupflicht

Es muss nicht immer Streusalz sein: Umwelt-Tipps gegen die Glätte

Eine Frau streut am 17.01.2013 in Nürnberg (Bayern) Rollsplitt auf den verschneiten Gehweg. Foto: Daniel Karmann/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
+
Splitt statt Salz: Das ist nur eine von diversen umweltfreundlichen Alternativen gegen die Winterglätte.

Viele ärgern sich, wenn der Nachbar bei Minusgraden zu reichlich Salz streut. Gegen Winterglätte gibt es umweltfreundliche Alternativen.

Kassel – Mit Frost und Schnee am Morgen gilt wieder die Räum- und Streupflicht für Grundstückseigentümer. Der teils übermäßige Einsatz von umweltschädlichem Streusalz ist für viele HNA-Leser ein Ärgernis – das zeigen Reaktionen auf unseren jüngsten Bericht zum Thema.

Leserin Hilde Koch hat für ihr Grundstück einen privaten Winterdienst beauftragt und versucht die Firma nach eigenen Angaben „zu überzeugen, das Streuen von Unmengen von Salz zu unterlassen“. Ihr sei geantwortet worden, sie möge ihren Wunsch schriftlich abgeben – wodurch die Haftung für glättebedingte Unfälle „wieder auf mich übergehen würde“.

Bei den Stadtreinigern, die ebenfalls Winterdienstleistungen anbieten, kann man diese Argumentation nicht nachvollziehen. Pressesprecherin Birgit Knebel empfiehlt, in Verträgen mit solchen Firmen zur Auflage zu machen, dass die städtische Winterdienstsatzung beachtet wird. Die umfasst das Gebot, den Salz-Einsatz auf das „unbedingt notwendige Maß“ zu beschränken.

Wer das ignoriert, könne sich prinzipiell ein Bußgeldverfahren einhandeln, sagte Rathaussprecher Michael Schwab. Das Ordnungsamt registriere in diesen Tagen jahreszeittypisch Hinweise von Passanten und Nachbarn, dabei gehe es aber vorwiegend um Versäumnisse beim Beseitigen von Schnee und Eis. Meist könnten solche Fälle mit einer mündlichen Ermahnung geklärt werden. In den vergangenen beiden Wintern habe die Stadt keine Bußgeldverfahren rund um den Winterdienst einleiten müssen.

Die städtischen Regeln gelten allerdings nur für öffentliche Gehwegflächen – auf Privatgrund kann jeder streuen, wie und was er will. Ein Sack Streusalz ist bequem in nahezu jedem Supermarkt erhältlich, doch das Salz schadet Pflanzenwurzeln, dem Bodenklima und Gewässern.

HNA-Leser Michael Blechschmidt bemängelt, dass viele Geschäfte und Fachmärkte große Mengen Salz verkaufen, „obwohl dessen Einsatz überwiegend verboten ist“. Er habe den Leiter eines Kasseler Supermarkts darauf angesprochen und die Antwort erhalten, dass es eben eine entsprechende Nachfrage gebe.

Als bessere Alternativen propagieren die Stadtreiniger Streumittel wie Granulat, Sand und Splitt, die den glatten Boden abstumpfen. „Auch Sägespäne können genutzt werden“, sagt Sprecherin Birgit Knebel. Bei Streugut mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ seien Verbraucher auf der richtigen Seite.

In Kasseler Baumärkten wie Bauhaus, Toom und Obi sind aktuell umweltfreundliche Streumittel aus Blähton-, Lava- oder Kalkgranulat erhältlich, wie eine HNA-Stichprobe ergab. Die Ware muss allerdings online reserviert und vor Ort abgeholt werden, da die Märkte selbst wegen des Lockdowns zurzeit geschlossen sind.

Solche Mittel sind auch verträglicher für Hundepfoten als Salz oder Splitt. Letzterer sei „scharfkantig wie Glas“, klagt Hundebesitzerin Tamara Ochs vom Jungfernkopf. Sie findet, dass die Stadt zu viel dieses Materials auf den Gehwegen verteilt – Gassigehen sei ohne Pfotenverletzungen kaum möglich. (Axel Schwarz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.