Platz vor der Stadthalle musste geräumt werden

Weniger Dreck und Lärm: So war der Jahreswechsel in Kassel

Es wurde weniger geböllert als sonst: Trotzdem sah es bisweilen sehr bunt aus – wie hier über der Südstadt.
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Es wurde weniger geböllert als sonst: Trotzdem sah es bisweilen sehr bunt aus – wie hier über der Südstadt.

Der zweite Jahreswechsel in der Pandemie brachte nur ein bisschen mehr Normalität zurück. Die meisten hielten sich an das Feuerwerksverbot. Trotzdem gab es auch Ärger.

Das Wetter

Am Freitagmittag zeigt das Thermometer 13 Grad. So mild ist es am letzten Tag des Jahres selten. Im Vorderen Westen gehen Menschen in T-Shirts spazieren. Selbst der böige Wind kühlt kaum. Die Parkplätze am Herkules, Herbsthäuschen und Blauen See sind voller Autos. Alle wollen noch mal raus, bevor es rein geht ins neue Jahr.

Der Ausblick

Wegen Corona haben Renate und Johannes Kroschewski dieses Silvester etwas gemacht, was sie noch nie gemacht haben. Normalerweise hätten die beiden aus Wolfsanger mit zwei befreundeten Ehepaaren gefeiert – aber denen war die Pandemie-Lage zu heikel. Die Kinder der Kroschewskis feiern schon für sich, alleine vor dem Fernseher sitzen wollten die Eltern nicht. Also haben sie erst beim Vietnamesen im Vorderen Westen gegessen und sind dann mit einer Sektflasche im Korb an den Weinberg gekommen – zum Silvester-Picknick. Unterhalb der Grimmwelt, die gesperrt ist, hat man einen tollen Ausblick über die Südstadt. Renate und Johannes Kroschewski haben ihn wie mehr als 100 andere Besucher genossen. Nächstes Silvester wollen sie aber wieder feiern wie vor Corona.

Die Meile

Trotz Omikron war dieser Jahreswechsel ein kleiner Schritt in Richtung Normalität. Vor zwölf Monaten war die Feiermeile auf der Friedrich-Ebert-Straße ausgestorben, kein Laden hatte auf. Diesmal war schon um kurz nach elf vor dem Club Papagayoo eine lange Schlange. Sängerin und Komponistin Romana Reiff präsentierte nebenan in der Bar Seibert mit Nicole Jukic und anderen Künstlerinnen die Dinner-Show „Königin der Nacht“. Dazu gab es für die Besucher ein Vier-Gänge-Menü – allerdings alles mit Abstand und deutlich reduzierten Gästezahlen. „Vor Corona war auf der Meile zehnmal so viel los“, sagt Reiff, die davon ausgeht, dass sie ihre Shows weiterhin mit Abstand spielen dürfen. In einem anderen Laden auf der Meile stellten Stadtpolizisten derweil „discoähnliche Zustände mit lauter Musik und Tanz fest“, wie ein Sprecher des Rathauses sagt. Der Betreiber wurde aufgefordert, sich an die Regeln zu halten.

Das Knallen

In normalen Jahren meiden sensible Menschen an Silvester den Bebelplatz. Hier wird so viel und laut geböllert, dass sich manche an Kriegsgebiete erinnert fühlen. Diesmal ist der Platz im Vorderen Westen zwar voller Menschen, aber fast alle halten sich an das Feuerwerksverbot auf öffentlichen Plätzen. Um halb eins nimmt die Stadtpolizei die Personalien eines Mannes auf, der sich nicht an das Verbot hielt. Angesichts der Raketen, die trotz allem am Himmel zu sehen sind, fragt man sich, wo die Menschen das Zeug eigentlich herhaben, da es doch nicht verkauft werden durfte. Auf Twitter schreibt jemand: „Entweder war ganz Deutschland in Polen oder jeder Deutsche hortet mindestens eine Jahresladung Feuerwerkskörper in seinem Keller.“

Die Feuerwehr

Während die Polizei von einem ruhigen Jahreswechsel berichtet, hatten die Feuerwehrleute viel zu tun. Anders als vor Jahresfrist, als ein Hochhaus in der Nordstadt brannte, mussten sie jedoch vor allem zu kleineren Einsätzen ausrücken. Um 2.20 Uhr am Neujahrsmorgen waren indes 35 Kräfte im Einsatz, nachdem Unrat in der Tiefgarage eines Einkaufsmarktes in der Fuldatalstraße in Brand geraten war. Kurios war der Einsatz um kurz vor elf in der Unteren Königsstraße: Ein Rauchwarnmelder hatte Alarm geschlagen – und zwar wegen „Dämpfen bei der Zubereitung von Rauschmitteln“, wie es in einer Meldung der Feuerwehr heißt.

Die Bilanz

Sie fällt bei der Stadt positiv aus. „Die meisten Bürgerinnen und Bürger hielten sich an die geltenden Corona-Regeln“, teilt ein Rathaussprecher mit. Auf dem Platz vor der Stadthalle hätten feiernde junge Menschen jedoch viele Flaschen zerworfen. Die Stadtpolizei musste den Platz räumen. Trotzdem hält der Sprecher fest: Es wurde nur wenig geböllert.

Der Morgen danach

In anderen Städten haben Reinigungsdienste ihren Neujahrsdienst ausfallen lassen, weil kaum Silvestermüll auf der Straße liegt. Auch die Straßen in Kassel sind relativ sauber und leer. Voll ist dagegen bereits am Mittag die Karlsaue. Neben vielen Spaziergängern, die die Sonne und die milden Temperaturen genießen, sieht man viele Läufer. Weniger Dreck, saubere Luft, mehr Bewegung – 2022 kann wirklich gut werden. (Matthias Lohr)

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