Einkommensschwache Familien werden von der Stadt Kassel unterstützt - Sonderfonds mit 210 000 Euro

Essensgeld für jedes zweite Kind

Gesundes Frühstück: Viele Kinder müssen lernen, aus welchen Bestandteilen ein gesundes Frühstück aufgebaut ist. Unser Archivfoto zeigt die frühere Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen im Februar 2008 mit Kindern der Kindertagesstätte Firlefanz. Foto: ap

Kassel. Viele Kinder kommen ohne Frühstück in den Kindergarten und die Schule. Oft ist das Mittagessen die einzige ausgewogene Mahlzeit am Tag. „Montags kommen die Kinder und Jugendlichen besonders hungrig in die Kindergärten und Schulen“, berichtet Kreispressesprecher Harald Kühlborn. Deswegen böten die Küchen zu Wochenbeginn besonders kohlenhydratreiche Nahrung an.

Das sind die bedrückenden Fakten: Die Stadt Kassel gibt für jedes zweite Kindergartenkind Essenszuschüsse, was im Jahr 2009 mit 650 000 Euro zu Buche schlug. Sie bezuschusst 3000 von 6000 Mittagessen täglich, weil viele Familien ihren Anteil nicht aufbringen können.

Der Zuschussbedarf ist in den vergangenen fünf Jahren laut Jugenddezernentin Anne Janz unverändert hoch. Bislang habe sich die gegenwärtige Wirtschaftskrise aber noch nicht bemerkbar gemacht.

„An Montagen kommen Kinder und Jugendliche besonders hungrig in die Kindergärten und Schulen.“

Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreises Kassel

Um die größte Not zu lindern, hatte die Stadt im vergangenen Jahr zusätzlich 210 000 Euro für die Verpflegung in Kitas in sozialen Brennpunkten bereitgestellt - beispielsweise für Einrichtungen in Rothenditmold, Oberzwehren, Bettenhausen, Forstfeld und in der Nordstadt. Die Kitas verfügen damit über ein zusätzliches Budget für Frühstück, kleine Zwischenmahlzeiten, Kochkurse und Ernährungsberatung, berichtet Erwin Liedke vom Jugendamt.

Weil das Projekt spät angelaufen sei, hätten die Einrichtungen 2009 lediglich 25 000 Euro aus diesem Topf verbraucht. „Das wird in diesem Jahr aber anders sein. Wir rechnen mit einer deutlichen Steigerung“, prophezeit Liedke. Denn die Stadt will wieder diesen Betrag zur Verfügung stellen und das Projekt dauerhaft einrichten. Ein Beschluss der Stadtverordneten steht aber noch aus.

Zahlungspflicht gelockert

Grundsätzlich sollen die einkommensschwachen Familien die Hälfte der Essenskosten von 49 Euro im Monat tragen. Weil aber viele das Geld nicht aufbrachten, hat die Stadt Kassel 2009 die strikte Zahlungspflicht gelockert. Denn die negativen Folgen hätten die Kinder zu tragen gehabt, weil sie nicht hätten mitessen dürfen.

Den Eltern entgegengekommen ist die Stadt in einem weiteren Punkt: Die Kitas müssen den Familien, die mit dem Entgelt einen Monat oder mehr im Rückstand sind, nicht mehr die Verträge kündigen. Eltern, die unverschuldet in Not geraten sind, müssen monatlich zehn Euro fürs warme Mittagessen ihrer Kinder zahlen. Das gelte insbesondere für Familien, die prekäre Arbeitsverhältnisse haben, sagt Janz. In der Vergangenheit hatte die Stadt für das Eintreiben des Geldes eine große Bürokratie in Gang gesetzt - mit dem Ergebnis, dass sie auf ihren Kosten sitzen blieb.

Von Beate Eder

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