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Ester will laufen können: Komplizierte Operation in Kassel hilft Mädchen aus Angola

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Von: Kathrin Meyer

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Patientin Ester bei einem Kontrolltermin mit ihrem OP-Team: (von links) Dr. Cordula Röhm, Martin Rühl, Angelika Schleising, Sabine Wiedmann, Dr. Kathryn Hassel.
Patientin Ester bei einem Kontrolltermin mit ihrem OP-Team: (von links) Dr. Cordula Röhm, Martin Rühl, Angelika Schleising, Sabine Wiedmann, Dr. Kathryn Hassel. © Vitos OKK/S. Hadding

Ester kommt aus Afrika und möchte laufen lernen. Eine Wachstumsstörung hat sie bisher daran gehindert. In Kassel wurde Ester nun operiert.

Kassel – Ester ist 13 Jahre alt und kommt aus Angola, einem Land in Afrika – eine verschmitzte kleine Persönlichkeit, die unbedingt laufen lernen und selbständig sein möchte. Eine Fehlstellung beider Kniegelenke, hervorgerufen durch eine Wachstumsstörung, hat sie bisher daran gehindert: Ester konnte sich nur sehr eingeschränkt alleine fortbewegen, oft hat ihr Bruder sie auf dem Rücken getragen.

„Das Gesundheitssystem in Angola ist massiv unterfinanziert, die Kindersterblichkeit liegt im weltweiten Vergleich auf Platz 9. Ester hatte in ihrem Land keinen Zugang zu medizinischer Behandlung“, erklärt Dr. Cordula Röhm, Oberärztin an der Vitos Orthopädischen Klinik. Deshalb kam das Mädchen über das Friedensdorf jetzt nach Kassel in die Vitos Orthopädische Klinik, um dort operiert zu werden. Das Krankenhaus ist Partner des Vereins Friedensdorf International, eine Hilfseinrichtung, die kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur medizinischen Versorgung nach Deutschland holt.

Die Operation fand außerhalb des Regeldienstes statt – für die beteiligten Mitarbeiter in ihrer Freizeit. Die Stellung der Beine hat das Team um Cordula Röhm und Dr. Martin Bergmann, Leiter der Kinder- und Jugendorthopädie, mithilfe von dynamischen Ringfixateuren korrigiert. „Wir sind sehr erleichtert, dass der schwere Eingriff gut und erfolgreich verlaufen ist“, sagt Röhm. Nach einigen Tagen Genesungszeit konnte Ester zu ihren Freunden ins Friedensdorf, ihr Interims-Zuhause, zurückkehren. Mehr als 100 Kinder werden dort vor und nach unterschiedlichsten Eingriffen ärztlich und pflegerisch betreut.

Vor der Operation: Durch eine Wachstumsstörung litt Ester unter einer Fehlstellung der Beine.
Vor der Operation: Durch eine Wachstumsstörung litt Ester unter einer Fehlstellung der Beine. © Vitos OKK/S. Hadding

„Die Behandlungskosten, die vor, während und nach dem Aufenthalt entstehen, trägt die Vitos Orthopädische Klinik“, sagt Geschäftsführer Bernd Tilenius. Für die Deckung der Sachkosten für die teuren Implantate für Ester hat die Klinik unter den Mitarbeitern Spenden gesammelt. Regelmäßig kommt Ester nun zu Kontrollterminen nach Kassel. Dabei benutzt sie einen neuen Rollstuhl, der vom OTZ Kassel, der orthopädischen Werkstatt in der Vitos Klinik, gesponsert wurde.

Für das Mädchen kam die Operation gerade noch rechtzeitig. Die Satzung des Friedensdorfes sieht nur die Behandlung jüngerer Kindern vor, unter anderem, damit die Reintegration im Heimatland einfacher verläuft. Ester hat nun die besten Chancen, dass sich ihre Lebensqualität bald deutlich verbessert. „Allerdings muss sie geduldig sein. Erst wenn die Knochen ausreichend fest sind, kann Ester nach Angola zurück“, so Martin Bergmann.

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