Kommunale Projekte werden von Europäischer Union gefördert

EU-Geld für Kassel: 25 Millionen in zehn Jahren

Kassel. In den vergangenen zehn Jahren sind mehr als 25 Millionen Euro Fördermittel der Europäischen Union nach Kassel geflossen und werden teils noch fließen. In erster Linie Geld zur regionalen Entwicklung.

Allein das Kooperationsprojekt der Stadt mit der Uni Kassel, Science Park, wird mit sieben Millionen Euro und damit zur Hälfte von der EU finanziert. Auch das jüngste Vorzeigeprojekt in Sachen Stadtentwicklung, das Gewerbegebiet am Hauptbahnhof, wo sich Fraunhofer mit dem Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik ansiedeln will, wird mit 2,5 Millionen aus Brüssel gefördert.

Sechs Millionen gibt es für den Bau der Grimm-Welt. Dies sind nur die jüngsten und größten Projekte, für die Kassel Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) erhält. „Wir bekommen in Kassel eine ganze Menge an EU-Mitteln“, resümiert Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel.

Ein Grund sei auch, dass in Kassel fleißig Anträge an das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung geschrieben werden. Von dort aus geht es erst nach Brüssel. Umgekehrt erreichen die Bewilligungsbescheide die Stadt Kassel auch über Wiesbaden. Alle Anträge gehen über den Schreibtisch des Kämmerers.

Die meisten Fäden, so Barthel, laufen im Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz zusammen. Anders als in manchen Kommunen, wo es einen „Moneyhunter“, einen Mitarbeiter, gibt, der allein für das Akquirieren von EU-Geld zuständig ist, geschehe das in Kassel dezentral. Trotz der hohen EU-Fördersummen: Die vielen Bestimmungen, etwa die Vorgabe, europaweit auszuschreiben, bereiteten der Stadt mehr Arbeit und mehr Kosten.

„Weil die Vergabeverfahren so kompliziert geworden sind, müssen wir mehr Anwälte und externe Experten in Anspruch nehmen“, sagt Barthel. Die Mehrkosten ließen sich weder genau berechnen noch aufrechnen.

Von Christina Hein 

Für Förderung Ideen entwickeln

Aus dem Urban-Programm flossen zehn Millionen Euro EU-Geld nach Kassel

Kassel. Was heute Efre-Mittel sind, war in der Förderperiode 2000 bis 2006 in Kassel als Geld aus dem Programm Urban II ein Begriff. Es handelte sich dabei um eine Gemeinschaftsinitiative des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, die insgesamt 70 europäische Städte förderte, davon zwölf in Deutschland. Kassel war die einzige hessische Kommune, die in den Genuss der Förderung kam.

„Zum Zeitpunkt der Bewerbung für Urban II war Kassel die wirtschaftlich strukturschwächste Stadt in Hessen“, sagt dazu Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel. Ziel der EU-Förderung war es, Städten mit massiven Veränderungen der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur zu helfen. Insgesamt flossen mit dem Urban-Programm zehn Millionen Euro und damit reine EU-Mittel nach Kassel.

Gefördert wurden beispielsweise die Anlage des Nordstadtstadions, des Nordstadtparks und die Renaturierung von Ahna, Losse und Wahlebach. Aber auch kleinere Projekte wie der Zirkus Buntmaus, die Caricatura oder die Einrichtung einer Cafeteria in der Zeughausruine bekamen bis zu 100 000 Euro.

Die EU-Förderung betrage höchstens die Hälfte der Gesamtkosten eines Projekts, so Barthel. Kassel – eine „exportintensive Stadt“ – profitiere wirtschaftlich sehr von Europa, lautet Barthels Bilanz. Um Fördergeld beantragen zu können, müsse man jedoch nicht nur bürokratisch versiert sein, sondern auch Ideen haben. (chr)

Marbachshöhe: 1,4 Mio.

EU-Geld In die Konversion der Marbachshöhe vom Kasernengelände in ein attraktives Wohn- und Gewerbegebiet mit Technologie- und Gründerzentrum investierte die Stadt Kassel ab 1999 insgesamt 12,4 Millionen Euro. Aus Efre-Mitteln kamen 1,4 Millionen Euro. (chr)

Science Park: 7 Mio.

EU-Geld Die Entwicklung des Science Park Centers, des Kooperationsprojekts zwischen Stadt und Uni Kassel fördert die EU mit sieben Mio. Euro. Insgesamt werden in den Aufbau eines technologieorientierten Gründerzentrums auf dem Gelände der Uni 14 Millionen Euro investiert. (chr)

Nordstadt: 550 000

EU-Geld Unter dem Motto „Integration durch Sport“ wurde der Bolzplatz in der Nordstadt zum multifunktionalen Nordstadtstadion umgebaut. Vereine, Schulen, Kitas haben hier Trainingsmöglichkeiten. An den Kosten in Höhe von 2,9 Mio. beteiligte sich die EU mit 550 000 Euro. (chr)

Wesertor: 1,5 Mio.

EU-Geld 2008 startete das Programm „Soziale Stadt - Investitionen im Quartier“ im Stadtteil Wesertor. Zu den Neu- und Umbauten zählen die Gestaltung der Grünanlage Bleichwiesen sowie ein neuer Rad- und Fußweg an der Fulda. Aus Brüssel kamen hierfür 1,5 Mio. Euro. (chr)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.