Schlüsselnotdienst zockte 26-jährige Kasselerin ab

Horrende Rechnung: 380 Euro fürs Türöffnen

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Schnell passiert: Beim Verlassen der Wohnung haben schon viele Menschen ihren Schlüssel vergessen. Wer dann einen Schlüsselnotdienst anruft, der muss genau aufpassen, dass er nicht an schwarze Schafe gerät.

Kassel. In der einen Hand die Mülltüten, in der anderen die Sporttasche. Es war kurz vor acht Uhr, die 26-jährige Kasselerin Nadine K. (Name geändert) musste los.

Als die Tür hinter ihr zufiel, dämmerte es ihr. Sie hatte ihre Handtasche mit dem Wohnungsschlüssel vergessen.

Als wäre das nicht schon ärgerlich genug, wurde es noch schlimmer, als der herbeigerufene Schlüsseldienst eintraf. 380 Euro kassierte der Mitarbeiter für 20 Minuten Arbeit.

Was ihr in der vergangenen Woche passierte, solle anderen eine Lehre sein, sagt die 26-Jährige. Nachdem sie sich ausgesperrt hatte, habe sie auf dem Smartphone nach Schlüsselnotdiensten gegoogelt. Der Anbieter www.not24h.de erschien ihr seriös, da auf dessen Internetseite positive Bewertungen von Kunden zu lesen waren. Zudem wurde dort damit geworben, dass der Service ab 15 Euro zu haben sei. Ein kurzer Anruf bei einer 0800er-Nummer und die vermeintliche Rettung war unterwegs.

Und zunächst war Nadine K. auch positiv überrascht. „Der Mitarbeiter war nach 20 Minuten vor Ort“, erzählt sie. Noch bevor er einen Handschlag machte, eröffnete er ihr eine horrende Rechnung. „Mit 150 Euro hatte ich gerechnet, aber er verlangte zuerst 480 Euro. Ich war den Tränen nah.“

Auf der Rechnung fand sich unter anderem ein hundertprozentiger Nachtzuschlag von 189 Euro. Als die Kasselerin darauf hinwies, dass es morgens kurz nach 8 Uhr sei, antwortete der Mitarbeiter des Notdienstes, dass die Nachtzulage bis morgens um 9 Uhr erhoben werde.

Kasselerin war geschockt: Sie sollte erst 480 Euro, dann 380 Euro zahlen.

Nadine K. versuchte, den Mann einfach wieder wegzuschicken. Dann ging dieser aber in die Offensive. In dem Fall müsse sie eine Pauschale von 90 Euro zahlen und stehe weiter vor verschlossenen Türen. Schließlich ging der Mitarbeiter mit dem Preis runter, aber verlangte immer noch 380 Euro. Nadine K. willigte ein. Nach 15 Minuten hatte er die Tür mit einem Draht geöffnet. „Er verlangte, dass ich mit ihm zur Bank fahre und ihm das Geld bar gebe. Sein EC-Lesegerät sei kaputt.“

Kurz nach dem Erlebnis wurde Nadine K. klar, dass sie sich hatte abzocken lassen. „Ich habe mich geschämt.“ Sie ging dennoch zum Anwalt. Der bestätigte ihr, dass der Preis überzogen sei und schrieb einen Brief an die Firma K&A Schlüsseldienst in Essen, die hinter not24h.de steckt.

Dass dies Erfolg haben wird, ist fraglich. Seit dieser Woche ist diese Internetseite abgeschaltet.

So verhalten Sie sich richtig

Die Verbraucherzentrale gibt Tipps, wie Sie Abzocke durch Schlüsseldienste vermeiden:

  • Hinterlegen Sie bei einem Nachbarn oder einer Vertrauensperson einen Ersatzschlüssel.
  • Notieren Sie sich vorsorglich die Telefonnummer eines Schlossers in Ihrer Wohnortnähe, der Türöffnungen ausführt.
  • Falls Sie wirklich einen Schlossnotdienst brauchen, sollten Sie am Telefon einen Festpreis vereinbaren. Lässt der Betrieb sich darauf nicht ein, rufen Sie einen anderen an.
  • Haben Sie einen "Blanko-Auftrag" erteilt und keinen Preis vereinbart, zahlen Sie nicht vorschnell ein paar Hundert Euro. Für eine einfache Türöffnung ohne Austausch des Schlosses sind 100 Euro oder 180 Euro am Wochenende beziehungsweise nachts gerade noch angemessen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen oder gar zur Fahrt zum Geldautomaten überreden.
  • Nicht selten beschädigen die Handwerker die Tür bei der Öffnung und geben vor, auf andere Weise sei eine Öffnung nicht möglich. Bei der Gelegenheit werden neue Schlösser verkauft - oft zu überhöhten Preisen. In 99 Prozent der Fälle ist - so die Innung - eine Türöffnung ohne Beschädigung möglich.

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