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9-Euro-Ticket stärkt ÖPNV: Deutlich mehr Fahrgäste in Bus und Bahn in Kassel unterwegs

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Von: Katja Rudolph

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Das Neun-Euro-Ticket: Eilige lösten es schon im Online-Shop auf dem Handy.
Das Neun-Euro-Ticket: Eilige lösten es schon im Online-Shop auf dem Handy. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Das 9-Euro-Ticket wirkt für den in der Pandemie geschwächten öffentlichen Nahverkehr wie ein Booster.

Kassel – Das Fahrgastaufkommen in der Region ist durch das günstige Monatsticket in den vergangenen zwei Monaten deutlich gestiegen. Der Nordhessische Verkehrsverbunds (NVV) geht von 20 bis 30 Prozent Zuwachs im Busverkehr und 30 bis 50 Prozent im Zugverkehr aus. Dadurch sei das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht worden, sagte eine Sprecherin auf HNA-Anfrage.

Insgesamt wurden im NVV-Gebiet bis Mitte Juli rund 150 000 der 9-Euro-Tickets verkauft – davon etwa die Hälfte für den Monat Juni und mehr als ein Drittel für den Monat Juli, der Rest bereits für den letzten Aktionsmonat August.

Besonders an den Wochenenden würden die Zug- und Regiotram-Strecken stark genutzt, so NVV-Sprecherin Judith Féaux de Lacroix. Große Fahrgastmengen verzeichne man etwa auf den Linien zwischen Kassel-Göttingen, Kassel-Frankfurt, Kassel-Hagen, Kassel-Düsseldorf und Kassel-Bebra-Fulda. „Auffällig war insgesamt, dass vor allem Verbindungen stark frequentiert waren, die über längere Strecken ein gutes Angebot darstellen.“

Auch im Kasseler Stadtverkehr sind seit Beginn des Aktionszeitraums im Juni deutlich mehr Menschen mit Bus und Bahn unterwegs, wie die KVG mitteilt. Dabei sei die Nachfrage auch am Wochenende im Ausflugsverkehr gestiegen, so ein Sprecher.

„Günstige Fahrpreise allein reichen nicht“

Ob die durch das 9-Euro-Ticket gewonnenen Neukunden den öffentlichen Nahverkehr auch nach Ablauf des Aktionszeitraums nutzen, ist für den NVV schwer einzuschätzen. „Günstige Fahrpreise allein können die Menschen langfristig nicht überzeugen“, so eine Sprecherin, „vielmehr braucht es dafür dauerhaft attraktive, verlässliche und komfortable Bus- und Bahnverbindungen“. Voraussetzung dafür sei eine auskömmliche Finanzierung, die einen Ausbau der Angebote erlaube. 

NVV und KVG planen gemeinsam eine Fahrgast-Befragung, die genauere Erkenntnisse darüber liefern soll, wer das 9-Euro-Ticket wann, wo und zu welchem Zweck nutzt. Eine Studie der Universität Kassel liefert bereits erste Ergebnisse zum Thema. Demnach könnte das 9-Euro-Ticket vor allem in Städten den Autoverkehr reduzieren.

So zeigte sich in einer Online-Befragung, die das Fachgebiet Radverkehr und Nahmobilität vorgenommen hat, dass die Nachfrage nach dem Ticket umso größer ist, je größer die Stadt und damit das ÖPNV-Angebot ist. In Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern gaben 89 Prozent der Befragten an, dass sie das Ticket nutzen wollen. Wird etwa im ländlichen Raum das ÖPNV-Angebot von den Befragten als schlecht bewertet, lag das Interesse an dem Ticket nur bei 53 Prozent.

Der Befragung zufolge wird das Ticket vor allem für Wege in der Freizeit genutzt, etwa für Tagesausflüge (80 Prozent), private Besuche (60 Prozent) sowie Kurzurlaube (55 Prozent).

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