Debakel für Sozialdemokraten

Europawahl: Martina Werner (SPD) draußen - Grüne sind in Kassel der große Gewinner

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Künftig nicht mehr im EU-Parlament: Martina Werner.

Eine bittere Wahlschlappe bei der Europawahl hat die SPD in Stadt und Kreis Kassel einstecken müssen. Der große Gewinner sind indes die Grünen.

Vor fünf Jahren durfte sich Martina Werner noch über den Einzug ins Europaparlament freuen. Am Sonntag erlebte die 57-Jährige aus Niestetal dann den wohl bittersten Moment ihrer politischen Karriere. Die Sozialdemokratin wird es nicht als Abgeordnete nach Brüssel schaffen. 

Martina Werner belegte auf der Liste ihrer Partei Platz 17. Die SPD wird demnächst allerdings nur noch 15 Abgeordnete im Europaparlament stellen (Stand 21 Uhr). Das bedeutet: Stadt und Kreis Kassel sind gar nicht mehr in Brüssel vertreten.

Schon nach der ersten Prognose zeigte sich Martina Werner am Abend sehr enttäuscht. Kommentieren wollte sie das Ergebnis freilich noch nicht: „Das muss ich erst einmal sacken lassen.“ Später sagte sie: Das Thema Klimaschutz war das Entscheidende, da haben wir schlecht reagiert.“

Europawahl: Grüne sind der große Gewinner in Kassel

Freuen kann sich indes Martin Häusling aus Bad Zwesten. Er wird erneut für die Grünen im EU-Parlament sitzen. Auch in Kassel waren die Grünen der große Gewinner der Wahl. Sie überschritten sensationell die 30-Prozent-Marke, am Ende verbuchten sie 30,8 Prozent. Für die SPD gab es mit 19,3 Prozent ein Debakel. Das ist ein Verlust von 10,4 Prozentpunkten im Vergleich zur Europawahl 2014. Auch die CDU verlor kräftig: 4,3 Prozentpunkte. Sie erreichte nur noch 17,4 Prozent.

Eine bittere Wahlschlappe mussten die Sozialdemokraten auch im Landkreis Kassel einstecken. In der einstigen SPD-Hochburg holten die Genossen nur noch 28,6 Prozent. Insgesamt verloren sie 12,6 Prozentpunkte.

Die großen Gewinner des Abends waren auch hier die Grünen. Sie holten 20,3 Prozent der Stimmen und konnten ihr Wahlergebnis von 2014 (10,6 Prozent) im Landkreis Kassel verdoppeln.

Die Ergebnisse der Europawahl 2019 aus allen hessischen Gemeinden finden Sie hier.

Stimmen aus Kassel zur Europawahl

Timon Gremmels, SPD, Bundestagsabgeordneter: Der Bundestrend schlägt sich auch auf Stadt und Kreis Kassel nieder. Wir müssen das Ergebnis ernst nehmen und uns fragen, ob wir inhaltlich und personell noch richtig aufgestellt sind. Wir dürfen die Themen Klimaschutz und Energiewende nicht den Grünen überlassen. Hier sind wir in Nordhessen vorn mit dabei.

Eva Kühne-Hörmann, CDU, Justizministerin: Das Wichtigste ist, dass die CDU in Europa die stärkste Kraft ist. Das war unser Ziel. Gut auch, dass die Rechten nicht so gepunktet haben wie erwartet. Bei diesem Absturz ist die SPD nicht mehr zweite Kraft im Land. Die Grünen leben von einem Hype. Der Berliner Koalition ist es nicht gelungen, die Erfolge beim Klimaschutz zu dokumentieren.

Vanessa Gronemann, Grüne, Landtagsabgeordnete: Wir sind komplett überwältigt. Es ist ein schönes Ergebnis, das zeigt, wie wichtig das Thema Klimaschutz ist. Wir haben dazu eine eindeutige Position, das macht sich jetzt beim Wahlergebnis bemerkbar. Wir freuen uns auch sehr, dass es Martin Häusling aus Bad Zwesten wieder ins Europaparlament geschafft hat. 

Matthias Nölke, FDP, Kassels Parteivorsitzender: Wir freuen uns, dass wir im Vergleich zur letzten Europawahl zulegen konnten. Aber natürlich hätten wir etwas mehr erwartet. Insgesamt ist es also fast ein normales Ergebnis für die Freien Demokraten. Zum Erfolg der Grünen möchte ich sagen, dass die Partei offenbar vor allem bei den jungen Menschen den Nerv trifft.

Torsten Felstehausen, Linke, Landtagsabgeordneter: Insgesamt sind wir mit dem Wahlausgang durchaus zufrieden, auch wenn das Ergebnis hätte besser sein können. Was mich freut: dass der Höhenflug der AfD gestoppt ist. Das Thema Ökologie ist klar an die Grünen gegangen, insofern: Gratulation. Ich hoffe, sie können die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen.

Florian Kohlweg, AfD Kreistags-Fraktionsvorsitzender: Das Ergebnis ist für uns zufriedenstellend. Die Zahlen zeigen, dass wir einen gewissen Prozentsatz der Wähler dauerhaft ansprechen. Mich persönlich hat das Ergebnis der Grünen erschrocken. Ihnen ist es gelungen, eine bürgerliche Fassade aufzubauen, die viele Menschen aus der Mitte der Gesellschaft anspricht.

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