Rekordergebnis für die Grünen 

SPD in Nordhessen am Boden: Bezirkschef Gremmels fordert personelle Veränderungen

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Timon Gremmels (l.) verfolgte am Wahlabend mit seinen Parteikollegen Martina Werner und Edgar Franke die Europawahl.

Die einstmals rote Festung Nordhessen ist gefallen. Sie leuchtet spätestens seit den Europawahlen grün.

Das ist die Haupterkenntnis der Europawahl aus heimischer Sicht: Die SPD stürzte in Kassel auf 19,3 Prozent ab. Sie verlor im Vergleich zur Europawahl 2014 genau 10,4 Punkte. Damit war die SPD in Kassel schlechter als in allen anderen nordhessischen Landkreisen.

Die Grünen fuhren dagegen ein Rekordergebnis von 30,8 Prozent ein (plus 11,6 Punkte). Auch das ist für Nordhessen einmalig. Noch krasser sieht es in der zweiten Großstadt der Region, in Göttingen, aus. Dort schafften die Grünen sogar 34,8 Prozent (plus 13,7 Punkte). Die SPD wurde fast halbiert und sank von 33 auf 18,6 Prozent.

Auch im Landkreis Kassel, in dem die SPD immer fest verwurzelt war, gab es für die Sozialdemokraten ein Desaster. Sie sind zwar mit 28,6 Prozent noch deutlich stärker als auf Bundes- und Landesebene vertreten und immer noch stärkste Kraft, fuhren aber ein saftiges Minus von 12,6 Prozentpunkten ein. Zum Vergleich: Bei der Europawahl 2014 erzielten die Sozialdemokraten noch 41,2 Prozent. Auch im Landkreis Kassel sind die Grünen der große Gewinner. Mit 20,3 Prozent (plus 9,7 Punkte) holten sie das beste Ergebnis der Geschichte.

Europawahl: Ergebnisse aller 23 Kasseler Stadtteile

"Ein einfaches Weiter-So darf es nicht länger geben" 

Der nordhessische SPD-Chef Timon Gremmels sagte, „ein einfaches Weiter-So darf es nicht länger geben“. Die SPD müsse sich inhaltlich und personell neu aufstellen. Auch der Kasseler SPD-Vorsitzende Ron-Hendrik Peesel mahnte Veränderungen an. Sollte das Klimaschutzgesetz in Berlin nicht umgesetzt werden, müsse man sich Gedanken machen, ob die Koalition mit der CDU noch die richtige für die SPD sei.

Die Kasseler Grünen-Vorsitzende Vanessa Gronemann sieht in dem Wahlergebnis „Rückenwind für unsere Politik“ – und damit für die Kommunalwahl 2021. Auch in deren Vorfeld werde der Klimanotstand ein Hauptthema werden. Sie kündigte sogleich einen Klimagipfel an.

Vorderer Westen ist die grüne Hochburg

Hochburg der Grünen in Kassel ist immer noch der Vordere Westen. Dort erreichte die Partei 40,9 Prozent. Die CDU konnte hier nur 11,3 Prozent verbuchen. Die SPD erzielte ihr bestes Ergebnis mit 28,5 Prozent im Stadtteil Nordshausen. Am schlechtesten war sie in der Nordstadt mit 14,5 Prozent. Die CDU hat ihre Hochburg am Brasselsberg (28,8 Prozent), in der Nordstadt konnte sie nur 8,7 Prozent erreichen. Die Grünen sind in Waldau relativ schwach: 14,5 Prozent.

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