Rathaus-Mitarbeiter nur per Mail über Bombendrohung Mitte Oktober informiert - Alarmsystem außer Betrieb

Nach Bombendrohung im Oktober: Evakuierung im Rathaus nach Zufallsprinzip

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Viel schiefgelaufen: Zum Zeitpunkt, als dieses Foto entstand, waren noch Mitarbeiter im Rathaus, die von der Evakuierung nichts mitbekommen hatten.

Kassel. Gut zwei Wochen nach der Evakuierung des Rathauses wegen einer Bombendrohung wird Kritik am Notfall-Management der Stadt lauter. Aus den Büros der Fraktionen heißt es, dass die Mitarbeiter nur per E-Mail aufgefordert worden seien, das Gebäude zu verlassen.

Ein Warnsignal oder eine Durchsage hatte es nicht gegeben, weil das Alarmierungssystem wegen Umbauten derzeit nicht in Betrieb ist.

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Auch sei das Rathaus, so die Beobachtungen einiger Fraktionsmitglieder, nicht systematisch durchsucht und geräumt worden, sodass viele Mitarbeiter von der Evakuierung nichts mitbekamen. In der Stadtverordnetenversammlung am Montag soll geklärt werden, wie es zu der Panne kommen konnte.

Auch wenn sich die Bombendrohung, die am 18. Oktober im Rathaus eingegangen war, als fingiert herausstellte (HNA berichtete), sind etliche Mitarbeiter im Kasseler Rathaus unzufrieden mit dem Krisen-Management der Stadt. Für die Vorbereitung und das Verhalten in Notfällen ist das städtische Personal- und Organisationsamt zuständig.

Fotos von der Evakuierung

Rathaus Kassel nach Bombendrohung evakuiert

Bei der Evakuierungsaktion entschied offenbar der Zufall darüber, ob die Menschen im Rathaus von der Drohung erfuhren oder nicht. Lediglich über das Intranet wurde eine E-Mail mit dem entsprechenden Hinweis geschickt.

„Das reicht als Hauptwarnmeldung nicht aus. Weil die Fraktionen nicht an den E-Mail-Verteiler angeschlossen sind, haben wir nicht mal diese Meldung erhalten. Zudem kann man nicht davon ausgehen, dass immer jeder aktuell seine E-Mails ließt“, sagt Enrico Schäfer, Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Seine Kollegen in der Fraktion hätten mit als Letzte das Rathaus verlassen, nachdem einer auf dem Flur unterwegs gewesen sei und von dem Drohanruf erfuhr.

„Im Rathaus arbeiten fast 2000 Menschen, da sollte man solchen Situationen mit mehr Ernsthaftigkeit begegnen. Im Rathaus gab es seit mindestens zehn Jahren keine Alarmprobe“, sagt FDP-Fraktionschef Frank Oberbrunner. Zum Vergleich: Die Schulen sind halbjährig zu solchen Übungen verpflichtet. Dominique Kalb, Sprecher der CDU-Fraktion, bestätigt, dass längst nicht alle Menschen das Rathaus nach der telefonischen Drohung verlassen hatten. Im Jobcenter und in der Kantine sei zum Teil weitergearbeitet worden. Auch seine Fraktion habe nur durch Zufall von der Evakuierung erfahren, als eine Mitarbeiterin die Post holen wollte.

Thomas Flügge, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, sagt, dass er von mehreren Beschäftigten im Rathaus gehört habe, dass sie erst mit zeitlicher Verzögerung von dem vermeintlichen Notfall erfahren haben.

Jann Hellmuth, Fraktionsgeschäftsführer der Linken, glaubt, dass die Panne eine Schockwirkung für die Verwaltung hatte. „Jetzt hat man hoffentlich gemerkt, dass die Alarmierung optimiert werden muss.“

Von Bastian Ludwig

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