Gebäude vollständig entkernt

Evangelische Bank saniert Unternehmenssitz für 30 Mio. Euro

Blick von der Fünffensterstraße: Das Hauptgebäude der Evangelischen Bank (rechts) und das Haus Ständeplatz 1 sollen im Zuge der laufenden Sanierungsarbeiten miteinander verbunden werden. Ende 2019/Anfang 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Fotos: Koch/Evangelische Bank/nh

Kassel. Der Sitz der Evangelischen Bank (EB) in Kassel bietet derzeit einen trostlosen Anblick: Die dunkle Fassade des 1982 bezogenen, lang gestreckten Gebäudes ist teilweise entfernt.

Fenster sind herausgenommen oder die Scheiben geborsten. Die hässliche Betontreppe zur Seidlerstraße wurde abgerissen, und die Bäume auf dem kleinen Vorplatz an der Fünffensterstraße sind verschwunden. Bauschutt allenthalben, und drumherum ein hoher Bauzaun. Es sieht aus wie ein Geisterhaus.

Aber dieser unvermeidliche Anblick ist nur vorübergehender Natur. Wenn das Haus in der Seidlerstraße sowie das unter Denkmalschutz stehende Eckgebäude Ständeplatz 1 aus den 1950er-Jahren, das bis vor Kurzem das Arbeitsgericht beherbergte, erst aufwendig saniert und modernisiert sind, wird an dieser exponierten Stelle in der Innenstadt ein neuer architektonischer Blickfang stehen.

Rund 30 Millionen Euro investiert die Bank im kirchlichen Raum in die Sanierung der in die Jahre gekommenen Bauwerke. Ende 2019/Anfang 2020 soll der neue Unternehmenssitz bezogen werden. Bis dahin müssen sich 180 der 240 Beschäftigten in Kassel mit einem im September bezogenen Provisorium in der Kohlenstraße – der einstigen Druckerei Schanze – arrangieren.

„Wir liegen voll im Zeit- und Kostenplan“, erklärt Pressesprecher Albrecht Weisker auf Anfrage. Die Entkernung beider Häuser sei weit vorangeschritten. Am Ende bleibe nur die Statik stehen. Dann beginne der Innenausbau, die Erweiterung des Hauses in der Seidlerstraße zur Fünffensterstraße hin und schließlich die Erneuerung der Fassaden nach strengen denkmalpflegerischen Vorgaben, so Weisker.

Die Bauanträge sind nach seinen Angaben gestellt. Einen Zuschlag für das von Professor Alexander Reichel vom gleichnamigen Kasseler Architekturbüro geplante und betreute Projekt gebe es aber noch nicht.

Geplant ist eine Sanierung nach den strengen Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen. Soweit es geht, sollen Naturmaterialien verwendet werden. In einem Innenhof sollen neue Bäume gepflanzt werden – auch als Ersatz für die gefällten auf dem kleinen Platz zur Fünffensterstraße hin. Überlegt wird, ob auch Teile des Dachs begrünt werden soll. Die beiden Gebäude sollen durch ein großzügiges Foyer verbunden werden, dass auch für öffentliche Veranstaltungen geöffnet wird. Haupteingang und offizielle Anschrift der EB wird dann der Ständeplatz 1 sein.

Die größte Kirchenbank Deutschlands

Die Evangelische Bank (EB) mit Hauptsitz in Kassel ist vor dreieinhalb Jahren aus der Fusion der Vorgängerinstitute Evangelische Kreditgenossenschaft (EKK/Kassel) und Evangelischen Darlehensgenossenschaft (EDG) in Kiel hervorgegangen. Seither ist die EB mit einer Bilanzsumme von gut 7,1 Milliarden Euro die größte Kirchenbank Deutschlands. Die Bilanzsumme ist eine der wichtigsten Kennzahlen von Banken. Die Bank arbeitet nach dem christlich-ethischen Wertekanon und macht nur Geschäfte, die sich damit vereinbaren lassen. Rein kommerzielle Geschäfte sind somit tabu. 

Die EB betreut 72.000 private sowie 19.000 institutionelle Kunden, darunter Landeskirchen, Kirchenkreise und -gemeinden, kirchliche Organisationen sowie Einrichtungen aus dem Bereich der Diakonie, Caritas und der freien Wohlfahrtspflege. Rein gewerbliche Geschäfte sind tabu. Die Ende 1969 von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gegründete und durch mehrere Übernahmen zur heutigen Größe gewachsene EB beschäftigt über bundesweit 14 Standorte 480 Mitarbeiter, davon die Hälfte am Unternehmenssitz Kassel. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.