Landessynode tagt am Montag

Evangelische Kirche will 50 Prozent Frauen auf allen Ebenen

Beate Hofmann
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Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck

Die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck tagt am Montag, 26. April, zum zweiten Mal in ihrer Geschichte digital. Unter anderem geht es um Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche.

Kassel – Knapp ein Drittel Frauen und 70 Prozent Männer: So setzt sich die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) aktuell zusammen. Damit das Verhältnis der Geschlechter in kirchlichen Gremien künftig möglichst ausgewogen ist, will das Kirchenparlament bei seiner Sitzung am Montag eine entsprechende Änderung der Grundordnung auf den Weg bringen.

Die Tagung findet aufgrund der Corona-Pandemie erneut digital statt. Bei einem Präsenztreffen am 8. Juli sollen dieses und weitere Kirchengesetze dann beschlossen werden – sofern die Infektionslage dies zulässt. Noch kann die Synode digital keine Beschlüsse fassen. Eine Übersicht der Themen, die am Montag beraten werden:

Mehr Vielfalt

Dass die Landeskirche beim Thema Gleichberechtigung nicht bei Adam und Eva anfängt, zeigt sich an ihrer Spitze: Dort steht seit eineinhalb Jahren mit Bischöfin Beate Hofmann eine Frau. Künftig sollen auf allen Ebenen der Kirche Männer und Frauen paritätisch teilhaben. „Das pendelt sich nicht irgendwie ein, das muss man aktiv unterstützen“, sagte Volker Knöppel, Vizepräsident der Landeskirche, über das geplante Gesetz zur Geschlechtergerechtigkeit in kirchlichen Organen und Gremien.

So bildeten zwar in den Kirchenvorständen die Frauen mit zwei Dritteln der Mitglieder die deutliche Mehrheit. „Beim Vorsitz dreht sich das Verhältnis aber um“, so Knöppel. Im Rat der Landeskirche, dem einer Regierung vergleichbaren Leitungsgremium, sind aktuell 35 Prozent der Mitglieder weiblich.

Künftig soll in der Grundordnung für jedes kirchliche Gremium festgeschrieben werden, dass bei der Berufung oder Aufstellung der Wahlvorschläge „auf ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter hinzuwirken“ sei.

Ein weiteres Kirchengesetz soll die Beteiligung von jungen Menschen in der Synode stärken. Demnach soll künftig eine Mindestanzahl von unter 27-Jährigen unter den berufenen und unter 35-Jähriger unter den aus den Kirchenkreisen entsandten Synodalen sein. Bislang gibt es in der Synode zwar eine Jugendvertretung, diese ist aber nicht stimmberechtigt.

Stellenplan

Ein weiterer Schwerpunkt der Synode wird der Personalbericht der Landeskirche sein. Gab es 2010 EKKW-weit noch 860 Pfarrstellen, waren es im vergangenen Jahr 750. Für das Jahr 2025 seien 625 Pfarrstellen vorgesehen, wobei man darunter 40 vakante Stellen erwarte, so Prälat Bernd Böttner. Bis zum Ende des Jahrzehnts rechne man mit 480 besetzbaren Pfarrstellen. Böttner betonte, dass trotz Stellenabbau die Nachwuchsgewinnung wichtiger werde. „Das Pfarrpersonal für 2030 muss jetzt gewonnen werden.“

Insgesamt sind in der EKKW derzeit rund 9600 Menschen beschäftigt. Diese Zahl war zuletzt sogar leicht gestiegen, weil vor allem in kirchlichen Kitas Personal hinzugekommen ist. 2015 hatte das Kirchenparlament einen Stellenabbau um 25 Prozent bis zum Jahr 2026 beschlossen.

Ehrenamt

Neben dem hauptamtlichen Personal nimmt die Synode auch das Ehrenamt in den Blick. Mehr als 40 000 Menschen engagierten sich ehrenamtlich in der Landeskirche, sagte Bischöfin Beate Hofmann. In der Pandemie seien viele ihrer Aufgabenbereiche unterbrochen, vom Besuchsdienst über die Kirchenmusik bis zur Organisation von Gemeindefesten.

Um auch nach der Krise viele Ehrenamtliche zu behalten und neu zu gewinnen, sei es umso wichtiger, jetzt Standards für das Ehrenamt auf den Weg zu bringen. Unter anderem gehe es um eine angemessene Begleitung. „Die zentrale Währung des Ehrenamts ist die Anerkennung und Wertschätzung“; sagte Hofmann. (Katja Rudolph)

Service: Die Tagung der Synode wird am Montag ab 9 Uhr im Livestream übertragen auf ekkw.de

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