Alte Führerscheine bleiben gültig, Fotos müssen nicht aktuell sein

Hat den grauen Schein seit 49 Jahren: Der ehrenamtliche Stadtrat Hans-Jürgen Sandrock (77) bestand seine Führerscheinprüfung am 3. April 1962 nach 13 Fahrstunden. Sein erstes Auto war eine BMW Isetta 300. Das Auto war für drei Personen zugelassen, doch Sandrock, Handballtrainer beim WVC, nahm auch manchmal die ganze Mannschaft mit. „Wenn die Polizei kam, mussten alle den Kopf runter machen.“ Heute fährt er einen Ford Fiesta. „Die Isetta war aber mein schönstes Auto.“ Foto:  Koch

Kassel. Wenn HNA-Fotograf Jochen Herzog bei einer Kontrolle seinen Führerschein vorzeigen muss, dann wird ihn wohl kein Polizist damit identifizieren können. Vor 39 Jahren hat Herzog seinen Führerschein gemacht und sich seitdem äußerlich sehr verändert.

Früher hatte er volle Haare wie der junge Schlagersänger Chris Roberts, dafür keinen Bart, und die Brille fehlte.

Auch wenn der 59-Jährige anhand des Führerscheins nicht mehr zu erkennen ist, so verliert sein grauer „Lappen“ dennoch nicht seine Gültigkeit. „Der Führerschein muss lesbar und erkennbar sein. Das Lichtbild muss nicht aktuell sein“, erklärt Polizeisprecher Torsten Werner. Die Polizei habe schließlich andere Möglichkeiten, die Identität eines Autofahrers an einer Kontrollstelle zu überprüfen:

• Führerschein mit Personalausweis oder Reisepass abgleichen

• Führerschein in Fahndungssystemen überprüfen (wurde er als gestohlen oder als verloren gemeldet?)

• Polizeiliche Auskunftssysteme über möglichen Führerscheinentzug abgleichen.

Wenn allerdings ein 30-Jähriger der Polizei einen grauen Führerschein unter die Nase hält, dann sollte der Beamte schon stutzig werden. Wer heute noch einen alten grauen Lappen besitzt, der muss mindestens 42 Jahre alt sein. Denn ab April 1986 wurden die rosa Führerscheine nach bestandener Prüfung ausgehändigt. Seit 1999 gibt es die Chipkarten.

Wie viele Menschen in der Stadt Kassel noch ihren grauen Schein haben oder diesen gegen ein neues Modell eingetauscht haben, darüber wird bei der Führerscheinstelle in Kassel keine Statistik geführt.

Führerscheine und ihre Geschichte(n)

Führerscheine und ihre Geschichte(n)

Mitarbeiterin Manuela Micalef räumt aber ein Gerücht aus der Welt, das immer wieder kursiert, man müsse den alten Führerschein demnächst umtauschen. „Der graue Lappen wird seine Gültigkeit nicht verlieren“, sagt Micalef.

Das wird deren Besitzer freuen. Denn die meisten Menschen haben zu in die Jahre gekommenen Dokumenten eine ganz enge Bindung. Sie erinnern an die Jugend, an das erste Auto, an wunderbare Geschichten aus ferner Zeit.

Noch lesbar: Die grauen Lappen sind widerstandsfähig.

Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn schätzt, dass etwa 50 000 Menschen im Kreis Kassel noch einen grauen Führerschein haben. Seit Einführung der Chipkarten im Jahr 1999 hätten 100 000 Autofahrer aus dem Landkreis ihre grauen oder rosa Führerscheine umgetauscht. Viele wollten die alten - ungültigen - Führerscheine aber behalten.

Auch den Mitarbeitern der HNA-Redaktion sind Geschichten eingefallen, als sie ihre grauen Lappen für diese Seite herausgekramt haben. Bevor Redakteur Wilhelm Ditzel sein erstes eigenes Auto hatte, fragte er seinen Vater, ob er dessen Wagen fahren dürfe. „Jetzt bin ich doch alt genug“, sagte der 18-jährige Ditzel zu seinem Vater. Der konterte: „Du schon, aber das Auto nicht.“

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch noch stolze Besitzer des grauen Führerscheins sind und Ihnen dazu Anekdoten einfallen, dann melden Sie sich. Schicken Sie uns nur per E-Mail das Foto aus dem Führerschein, ein aktuelles Bild und ein paar Zeilen. Die Geschichten und Fotos werden in der HNA veröffentlicht.

E-Mail: kontakt@hna.de, Stichwort: Grauer Lappen

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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