Sohn Daniel nahm ihn entgegen

Ex-Botschafter Avi Primor erhält Bürgerpreis „Glas der Vernunft“

Avraham „Avi“ Primor

Kassel. Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, hat am Sonntagabend den Kasseler Bürgerpreis "Glas der Vernunft" erhalten.

Weil der diesjährige Träger des Kasseler Bürgerpreises „Glas der Vernunft“, der langjährige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, aer derzeit aus gesundheitlichen Gründen nicht fliegen darf, setzte sich der Vereinsvorstand Professor Hansjörg Melchior unlängst ins Flugzeug, um dem 80-Jährigen die Urkunde persönlich zu überreichen. Auf die Festveranstaltung wollte die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Kasseler Bürgerpreises aber dennoch nicht verzichten, und so fand die Verleihung des mit 10 000 Euro dotierten Preises gestern wie geplant im voll besetzten Opernhaus statt – im Übrigen zum 25. Mal.

Anstelle des Vaters war Sohn Daniel gekommen, der die zum Preis gehörende Skulptur aus den Händen Melchiors entgegennahm.

Das Glas der Vernunft bekommen jene, die sich in besonderer Weise um Vernunft, Toleranz und die Überwindung ideologischer Schranken verdient gemacht haben. Und das trifft auf den engagierten Diplomaten zu, wie auf kaum einen anderen. Denn Primor hat sich zeit seines Lebens für die Aussöhnung seines Volkes mit den Palästinensern und seit 1993 – dem Jahr seines Amtsantritts in Deutschland – auch um die zwischen Deutschen und Israelis eingesetzt. Auch gegen zum Teil erbitterten Widerstand seiner eigenen Landsleute. So bezeichnete Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen den Publizisten als „wahrlich würdigen Preisträger“. Der vielfach als „Lieblingsisraeli der Deutschen“ und „Deutschland-Versteher“ titulierte Ex-Diplomat habe sich unermüdlich für die deutsch-israelische Freundschaft eingesetzt.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der übrigens erstmals zu dieser Preisverleihung gekommen war, nannte Primor „eine herausragende Persönlichkeit, die den Deutschen Vertrauen entgegengebracht hat und gezeigt hat, dass eine gemeinsame Zukunft möglich ist“. Das sei eine groß- und einzigartige Leistung. Mit Blick auf den Palästina-Konflikt sagte Bouffier: „Primor ist ein Visionär, der an das vermeintlich Unmögliche glaubt.“ Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth beschrieb Primor als mutig, klar, geistreich, humorvoll, engagiert und offen, als einen Menschen, der Brücken baue und Zäune einreiße. „Wir brauchen mehr Avis“, so Roth.

Gekommen war auch Abdallah Frangi, der Gouverneur des Gaza-Streifens, den eine freundschaftliche Beziehung mit dem Geehrten verbindet. „Wir sind nicht immer einer Meinung“, sagte er, „aber uns eint die Vision von Frieden.“

Und die hat Primor allen Kriegen und Terroanschlägen in Nahost zum Trotz noch immer. In einer Video-Ansprache erklärte er: „Ich glaube an den Frieden. Es gibt keine Alternative zu ihm. Irgendwann wird er kommen.“

Verleihung des Preises "Glas der Vernunft" an Avi Primor

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.