Ex-Chef der Feuerwehr Bettenhausen-Forstfeld: Wirklich raus aus rechter Szene?

Kassel. Nach dem Rücktritt von Christian W. vom Amt des Wehrführers der Freiwilligen Feuerwehr Bettenhausen-Forstfeld gibt es weitere Vorwürfe gegen den 33-Jährigen.

Nachdem ihm nachgesagt worden war, er pflege Kontakte in die rechte Szene, hatte er seinen Hut genommen, um der Feuerwehr nicht zu schaden (wir berichteten). Der Wehrführer hatte beteuert, mit den Zeiten, in denen er Rechtsradikalen nahestand, seit zehn Jahren abgeschlossen zu haben.

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Der Hessische Rundfunk (HR) berichtete am Wochenende, dass Christian W. Ende der 1990er-Jahre als Aktivist der rechtsextremen Vereinigung „Blood & Honour“ verurteilt worden sei, weil er an einem Überfall auf Ausländer beteiligt war. Zudem sei die Internetseite der Neonazi-Gruppe „Freier Widerstand Kassel“ bis 2009 auf Christian W. angemeldet gewesen. Laut HR habe der Feuerwehrmann auch bis vor Kurzem einen führenden NPD-Kader beherbergt.

Auf HNA-Anfrage sagte der zurückgetretene Feuerwehr-Chef, dem Freien Widerstand habe er nie angehört. Sein früherer Nachbar im Haus habe Zugang zu seinem Computer gehabt. Der Mann sei jetzt weggezogen. Dass dieser in der Szene aktiv sei, wollte W. nicht ausschließen.

Zur Gruppe Blood & Honour (B&H) habe er seinerzeit lose Kontakte gehabt, räumt W. ohne Umschweife ein. „Ich bin mit zu Konzerten und Demos gefahren.“

Damals habe es auch „kleine Keilereien“ gegeben. Diese Zeiten seien aber definitiv vorbei, distanziert sich W. von seinen damaligen Aktivitäten. „Ich habe heute eine blütenreine Weste.“

Im Jahr 2000 war die Gruppe B&H in Hessen verboten worden, laut Verfassungsschutzbericht hatte sie 20 bis 30 Mitglieder. Der Bericht erwähnt auch den Freien Widerstand Kassel, der 2009 bei einem Aufmarsch in Dresden aufgetaucht war. „Eine feste Gruppenbezeichnung lässt sich bei dem neonazistischen Personenkreis aus Kassel und Umgebung nicht feststellen. Allerdings handelt es sich um einen festen Stamm von Aktivisten, der bei Demonstrationen (...) regelmäßig in Erscheinung tritt.“

Aus Kreisen der Feuerwehr war am Wochenende zu hören, dass Christian W. seine Vergangenheit nie verheimlicht habe. Aber er habe damit abgeschlossen und sich stets für die Feuerwehr eingesetzt. Dass er zum Rücktritt gedrängt wurde, sei auf Bedauern gestoßen. Man habe ihm eine zweite Chance geben wollen.

Für Rechtsradikale sei kein Platz in der Feuerwehr, stellte Kasssels Brandschutz-Dezernent Jürgen Kaiser klar. Aber wenn sich jemand von rechtsextremen Kreisen abwende, „muss man ihm die Möglichkeit geben, wieder in die Gesellschaft zurückzukehren“. (rud/clm)

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