Sozialkonzern AKGG erhebt Ansprüche gegen Ex-Geschäftsführer

Carsten Koch

Kassel. Der Insolvenzverwalter des Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) will den früheren Geschäftsführer haftbar machen. Reinhard M. habe nicht immer zum Wohle der Gesellschaft gehandelt, wie es von ihm verlangt werde, sagte Carsten Koch gegenüber der HNA.

Wo der Geschäftsführer seinen Pflichten nicht nachgekommen sei, bestünden Schadenersatzansprüche. Die sollten nun geltend gemacht werden. Dabei gehe es um einzelne Punkte, nicht die gesamte Tätigkeit, sagte Koch. Die Prüfung der Bücher habe gezeigt, dass es betriebswirtschaftliche Mängel gegeben habe. Welche Vorwürfe er im Einzelnen erhebe, wollte Koch nicht kommentieren.

Bekannt ist, dass Reinhard M., der von 2002 bis November 2011 Geschäftsführer des AKGG war, in den vergangenen Jahren das Angebot des Sozialträgers stark ausgebaut hat. Ihm wird vorgeworfen, bei der Expansion die steigenden Kosten nicht im Griff gehabt zu haben. Insbesondere der Einstieg beim damals insolventen Ausbildungsträger Buntstift vor fünf Jahren sei ein schwerer Fehler gewesen, der den AKGG viel Geld gekostet habe. Nach der Insolvenz beider Unternehmen gehen AKGG und Buntstift nun wieder getrennte Wege.

Reinhard M. war Mitte November 2011 als Geschäftsführer abgesetzt worden. Der Trägerverein des AKGG ersetzte ihn durch eine dreiköpfige ehrenamtliche Geschäftsführung. Sie musste eine Woche später Insolvenz anmelden. Dann folgte die Pleite bei Buntstift. Die Insolvenzverwaltung der AKGG-Tochter will derzeit selbst keinen Schadenersatz von dem früheren Chef fordern. „Wenn es Anhaltspunkte für Haftungsansprüche gibt, dann werden sie natürlich verfolgt“, sagte Dr. Franz-Ludwig Danko auf Anfrage. Derzeit sei das aber nicht der Fall.

Vorwürfe gegen Reinhard M.

Dabei wurden im Zuge der Insolvenz auch Vorwürfe bekannt, Reinhard M. habe sich persönlich bereichert. So soll er sich bei Buntstift selbst ein Geschäftsführergehalt von 2500 Euro pro Monat gestattet haben, obwohl er bereits beim AKGG für beide Aufgaben bezahlt wurde. Den Gesellschafter informierte er nicht. Außerdem soll er sich ein zinsloses Darlehen über 2600 Euro bewilligt haben. Der Aufsichtsrat bekam von all dem nichts mit.

Die Anschuldigungen könnten sogar strafrechtliche Folgen für Reinhard M. haben, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. Die Staatsanwaltschaft Kassel prüft derzeit, ob sie Anklage gegen die insolventen Unternehmen oder deren ehemaligen Geschäftsführer erhebt. „Nicht alles, was zivilrechtliche Ansprüche begründet, ist auch strafrechtlich relevant“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Dr. Götz Wied. Man werde die Insolvenzverfahren von AKGG und Buntstift weiter genau beobachten.

Von Marcus Janz

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