Nach Kündigung von Mitarbeiterin

Ex-Betriebsratschef von C&A zur Lage im Handel: "Der Kunde ist nicht König"

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Mischt sich ein: Bernd Krause (63) ist seit 2010 in Rente. Mehr als 20 Jahre gehörte er dem Betriebsrat bei C&A Kassel an, viele Jahre als Vorsitzender. Für das Modehaus war der gelernte Einzelhandelskaufmann von 1975 bis zum Ruhestand tätig.

Kassel. Wenn es um seinen einstigen Arbeitgeber geht, wird Bernd Krause hellhörig. So auch jetzt, als die HNA über die Kündigung der C&A-Betriebsrätin berichtete. Krause war nicht nur einfach Kollege der 56-Jährigen, deren Kündigung das Arbeitsgericht Kassel kürzlich für unwirksam erklärte.

Bevor er 2010 in den Ruhestand ging, war der heute 63-Jährige viele Jahre Betriebsratsvorsitzender des C&A-Modehauses in Kassel.

Warum Verdi mitteilte, dass die 56-Jährige erst seit fünf Jahren im Betriebsrat sein soll und in dieser Zeit angeblich 23 Abmahnungen kassiert hat, „wundert mich schon sehr“, sagt Krause im Gespräch mit der HNA. Nach seinen Informationen ist die Frau seit 2006 Mitglied im Betriebsrat, also bereits seit acht Jahren.

Aufruf: Wie sind Ihre Erfahrungen?

Der Fall der gekündigten Kasseler C&A-Mitarbeiterin hat für viel Gesprächsstoff gesorgt. Beispielhaft steht er für die Zustände im Einzelhandel und das Verhältnis zwischen Kunden und Verkaufspersonal. Wie sind Ihre Erfahrungen im Kasseler Einzelhandel? Schildern Sie uns gerne Ihre schlechten, aber auch guten Erlebnisse.

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HNA-Lokalredaktion Kassel, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel, E-Mail: kassel@hna.de

Konflikte hatte die 56-Jährige offenbar in dieser Zeit nicht nur mit der Geschäftsleitung. Immer wieder habe die Frau Betriebsratssitzungen mit „querulantischem Verhalten“ gestört. Einige Mitglieder der Arbeitnehmervertretung habe sie auch beleidigt, berichtet Krause. Eine Betriebsrätin sei wegen der 56-Jährigen gar zurückgetreten.

Anfang 2008 forderte der Betriebsrat die 56-Jährige sogar schriftlich auf, ihr Verhalten zu ändern. „Daraufhin hatte sie Besserung versprochen“, sagt Krause. Geändert habe sich aber nichts.

Unwidersprochen kann er nicht nur die Darstellungen von Verdi und der Betriebsrätin in dem Fall lassen. Ein C&A-Sprecher hatte die Kündigung der Frau verteidigt, weil sie sich unfreundlich gegenüber einer Kundin verhalten haben soll. In diesem Zusammenhang wurde die alt bekannte Weisheit vom König Kunde bemüht. Krause, mehr als 40 Jahre im Einzelhandel tätig, bringt das auf die Palme: „Der Kunde ist nicht König.“ Dieser „vorsintflutliche“ Spruch werde von Kaufleuten immer dann bemüht, wenn die Umsätze rückläufig sind. „Der Kunde ist Gast und Partner“, sagt er. „Er möchte die Ware und sein Gegenüber das Geld. So stehen beide auf gleicher Augenhöhe.“

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- Fall der gekündigten C&A-Mitarbeiterin: 23 Abmahnungen in fünf Jahren

- Nach Zoff mit Kundin: Kündigung von C&A-Mitarbeiterin unwirksam

Dass C&A seine Mitarbeiter bei unflätigem Verhalten von Kunden nun in der Öffentlichkeit nicht in Schutz nimmt, bestürzt Krause. Seit seiner Pensionierung beobachte er zunehmend, wie unmöglich und teils auch extrem beleidigend sich einige Kunden gegenüber dem Verkaufspersonal aufführten. „Ich möchte, nein, ich verlange, dass Geschäftsleitungen und Firmensprecher hinter ihren Mitarbeitern stehen, wenn sich ein Kunde extrem fehlverhält“, fordert Krause. „Ein Hausverbot wäre manchmal angebracht.“ Er appelliert an „alle Kunden, sich zivilisiert zu verhalten“.

Druck auf Betriebsräte

Bestätigen möchte Krause unbedingt die Darstellung von Verdi, unter welch großem Druck Betriebsräte im Einzelhandel stehen. Extrem sei es besonders, wenn es um Sonderöffnungen wie verkaufsoffene Sonntage geht. Kaum einer der Betroffenen traue sich seinen Mund aufzumachen, aus Furcht vor Nachteilen.

Von Claas Michaelis

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