Frühere Sozialdezernentin 

Ex-Kasselerin könnte die erste Frau im Aufsichtsrat von Schalke 04 werden

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Bild mit Manager: Ilona Caroli trifft Schalkes Christian Heidel, der im sportlichen Bereich das Sagen hat. Schon bald könnte aber auch Carolis Wort beim traditionsreichen Fußball-Bundesligaklub Gewicht haben. Sie kandidiert für den Aufsichtsrat.

Kassel/Köln. Die ehemalige Kasseler Sozialdezernentin Ilona Caroli könnte die erste Frau im Aufsichtsrat jenes Fußballklubs werden, dem seit der Kindheit ihr Herz gehört: Schalke 04.

Ein Anruf bei Ilona Caroli in Köln ist nicht bloß ein Anruf, das Telefonat ist ein Ereignis. Sie erzählt sehr schnell – und sie tut das in einem Ruhrpott-Singsang, der gute Laune macht. 

Ein typischer Ilona-Caroli-Satz geht dann so: „Wissen Se, wir sind ja damals auch nach Köln gezogen, weil wir Frankreich so mögen. In drei Stunden sinn Se in Paris. Ich hab das mit meinem Mann auch schon gemacht: mich um 6 Uhr in den Zug gesetzt, nach Paris gefahren und dann da gefrühstückt. Datt is doch toll.“ Wenn Lebensfreude messbar wäre, wäre ein Caroli das Maximale, das sich erreichen ließe.

Es passt zu der ehemaligen Kasseler Sozialdezernentin, dass sie mit 74 Jahren noch einmal für Furore sorgt. Wie jetzt bekannt wurde, könnte sie die erste Frau im Aufsichtsrat jenes Fußballsklubs werden, dem seit der Kindheit ihr Herz gehört: Schalke 04. Die erste Hürde hat sie bewältigt.

Nach ihrer Vorstellung hat sie der Wahlausschuss dieses gleichermaßen traditionellen und emotionalen Bundesligisten gemeinsam mit drei weiteren Bewerbern als Kandidatin für einen Platz in dem bedeutenden Gremium vorgeschlagen. Ein anderer Prominenter mit Bezug zu Kassel fiel hingegen durch: Ex-Nationalspieler Rüdiger Abramczik, der beim KSV Hessen Kassel mal eine Art Sportdirektor war.

Caroli nennt ihn nur Abi, wie sie überhaupt alle nur beim Vornamen nennt. So ist einer ihrer drei Mitbewerber um letztlich zwei frei werdende Posten im Aufsichtsrat „der Üb“, wie Caroli zu Schalkes Kulttrainer Huub Stevens sagt. Der Üb ist als Liebling aller irgendwie gesetzt, wenn Tausende von Mitglieder im Juni die Wahl haben. Aber dann tut sich für Caroli eine Chance auf.

Das hat nicht nur damit zu tun, dass die gebürtige Oberhausenerin mit Schalke aufgewachsen ist und diesen Verein liebt und lebt wie kaum sonst jemand: Sie hat eine Dauerkarte und steht bei Heimspielen dort, wo die ganz harten Fans stehen. Sie fährt auch zu Auswärtsspielen, sie besucht die Trainingslager und kennt das Innenleben dieses Klubs und der Mannschaft. Zu Trainer Domenico Tedesco sagt sie: „Das ist ein Goldschatz. Den lass ich hier nicht mehr von der Fahne. Zur Not adoptieren wir ihn.“

Caroli hat aber auch deshalb eine gute Chance bei den anstehenden Wahlen, weil ein Drittel der Schalke-Mitglieder mittlerweile Frauen sind. Viele von ihnen haben Caroli animiert zu kandidieren. Sie antwortete zunächst auf ihre Art – und mit einer Frage: „Wollt ihr da so eine Alte reinwählen?“ Aber das Problem ist, dass sich die anderen Frauen nicht trauen.

Fußball ist eben immer noch ein von Männern dominiertes Geschäft. Einer wie Caroli fällt es da leichter, sich durchzusetzen: mit ihrer Erfahrung in der Politik und in anderen Aufsichtsräten.

Diese Erfahrung sammelte sie auch während der Kasseler Zeit. Von 1992 bis 2003 war die Sozialdemokratin Sozialdezernentin. Noch heute hat sie Kontakte in die Stadt. Kürzlich hielt sie ein Grußwort bei der Kasseler Tafel, die sie einst mitgründete. Und, klar: Auch zur documenta war sie hier, als Schalke gerade mal nicht spielte.

Wissenswertes über Ilona Caroli

• Ilona Caroli war eine der ersten Fußball-Schiedsrichterinnen Deutschlands.

• Ilona Caroli lieferte die Vorlage für eine Szene im Film „Das Wunder von Bern“, das Sönke Wortmann in die Kinos brachte. Dort taucht auch ein Mädchen auf, das den Jungs beim Fußballspielen den Ball abjagt. Das soll Ilona Caroli sein; der Hinweis kam vom ehemaligen Bundesligatrainer Kalli Feldkamp, dem früheren Nachbarn von Ilona Caroli in Oberhausen.

• Ilona Caroli scheiterte 1999 beim Versuch, Kassels Oberbürgermeisterin zu werden. Die Wahl gewann Amtsinhaber Georg Lewandowski.

• Ilona Caroli ist verheiratet, lebt mittlerweile in Köln und hat drei Söhne.

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