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Ex-Linken-Politiker Düsterdieck wechselt in SPD-Fraktion

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Von: Matthias Lohr

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Auch als Fußball-Fan aktiv: 2017 sammelte der damalige Linken-Stadtverordnete Mirko Düsterdieck (ganz rechts) mit seinen Politikerkollegen (von links) Matthias Nölke (FDP), Boris Mijatovic (Grüne), Michael von Rüden (CDU), Wolfgang Decker (SPD) und Andreas Ernst (Liberale Liste) Spenden für den KSV Hessen Kassel. Nun ist Düsterdieck Fraktionskollege des Sozialdemokraten Decker. Archi
Auch als Fußball-Fan aktiv: 2017 sammelte der damalige Linken-Stadtverordnete Mirko Düsterdieck (ganz rechts) mit seinen Politikerkollegen (von links) Matthias Nölke (FDP), Boris Mijatovic (Grüne), Michael von Rüden (CDU), Wolfgang Decker (SPD) und Andreas Ernst (Liberale Liste) Spenden für den KSV Hessen Kassel. Nun ist Düsterdieck Fraktionskollege des Sozialdemokraten Decker. © Privat/nh

Vorigen Sommer verließ der Stadtverordnete Mirko Düsterdieck die Linken-Fraktion. Nun schließt er sich den zerstrittenen Sozialdemokraten an.

Kassel – Bei diesem Tagesordnungspunkt gab es am Montagabend in der Fraktionssitzung der Kasseler SPD keine zwei Meinungen: Einstimmig votierten die Genossen für die Aufnahme des ehemaligen Linken-Stadtverordneten Mirko Düsterdieck. Durch den Zugang des zuletzt fraktionslosen Politikers erhöht sich die Zahl der Mandate der SPD im Stadtparlament auf 18. Die Jamaika-Koalition kommt auf 38 Sitze.

Das neue Bündnis aus Grünen, CDU und FDP war auch ein Grund für Düsterdiecks Entscheidung, wie er sagt: Mit dem Koalitionsvertrag habe Jamaika bewiesen, dass die neue Regierung „keinerlei Konzepte zur Armutsbekämpfung und der sich zuspitzenden Krise auf dem Wohnungsmarkt hat“. Eine konsequente Oppositionspolitik könne in Kassel nur die SPD leisten.

Bei seiner Vorstellung sagte der 48-Jährige seinen neuen Kollegen, dass er „links tickt“. Das hätten die Sozialdemokraten, deren Flügelstreit die Kasseler Partei in die Krise gestürzt hat, aber ohnehin gewusst. Zur Oberbürgermeisterwahl, bei der mit dem unabhängigen Bewerber Christian Geselle und Isabel Carqueville zwei SPD-Kandidaten antreten, wollte sich Düsterdieck zunächst nicht äußern.

Für ihn ist es auch eine Rückkehr. Bereits bis 2009 war er SPD-Mitglied. Erste kommunalpolitische Erfahrungen sammelte er im Edermünder Gemeindeparlament. Nach der verlorenen Landtagswahl und dem Umgang mit der Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti verließ er die Partei. 2011 trat er bei den Linken ein. Für die zog der ehemalige VW-Arbeiter 2016 in das Kasseler Stadtparlament ein. Zuletzt war der Fan des KSV Hessen Kassel finanz- und sportpolitischer Sprecher.

Wegen des Umgangs der Linken mit dem Ukraine-Krieg verließ er im Juli 2022 die Fraktion und im Herbst auch die Partei. Sein Mandat behielt er jedoch. Im Dezember trat er wieder in die SPD ein.

Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Anke Bergmann lobt Düsterdieck, weil er „eine Menge Erfahrung im politischen Betrieb mitbringt“.

Kritik kommt dagegen von der Linken. Juristisch sei der Wechsel zur SPD zwar okay, findet die Fraktionsvorsitzende Sabine Leidig: „Den Wählern gegenüber ist es aber nicht fair. Die haben ihn ja gewählt, um die Linke in der Stavo zu stärken. Sein Übertritt ist also eine Art Etikettenschwindel und nicht aufrichtig.“

Düsterdieck indes verweist darauf, dass eine Kommunalwahl immer auch eine Persönlichkeitswahl sei. In seiner neuen Fraktion will er sich einbringen, ohne jemandem etwas wegzunehmen. Nach seiner Vorstellung in der Fraktionssitzung war er überrascht, „wie konstruktiv diskutiert wurde“. Und er formulierte einen Wunsch, mit dem er wohl vielen Genossen aus dem Herzen spricht: „Ich habe die Hoffnung, dass sich die SPD spätestens nach der OB-Wahl wieder zusammenrauft.“ (Matthias Lohr)

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