Axa will Geld zurück - Landgericht Kassel: Urteil für 1. April geplant

Wieder vor Gericht: Göker soll 750.000 Euro an Axa zahlen

Kassel. Nach 20 Minuten war alles vorbei: Das Urteil gegen den früheren Chef des pleite gegangenen Versicherungsvermittlers MEG, Mehmet Göker (31), wird die 7. Zivilkammer des Landgerichts Kassel am 1. April verkünden.

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Mehmet Göker war erst gar nicht erschienen, und der Versicherungskonzern Axa konnte wichtige Vertragsunterlagen nicht beibringen. So war der mit Spannung erwartete Prozess gegen den früheren Chef des Versicherungsvermittlers MEG schnell vorbei. Einen Beschluss will der Vorsitzende Richter Reinhard Prietz nun am 1. April (einen Tag vor Gökers 32. Geburtstag) verkünden.

Die Axa-Krankenversicherung möchte von Mehmet Göker 750.000 Euro haben. Denn im Jahr 2006 wollte sich die Versicherung, die an Göker und seine MEG reichlich Vorschüsse für zu erwartende Versicherungsabschlüsse zahlte, finanziell absichern.

aktualisiert um 10.40 Uhr

Man schrieb den „sehr geehrten Herrn Göker“ an und wollte von ihm eine persönliche Haftungserklärung. Die gab Göker dann auch ab: Mit einer persönlichen Bürgschaft haftete er fortan für Provisions-Vorschüsse bis zu einer Höhe von 750.000 Euro.

Genau diese Summe möchte die Axa nun zurückhaben. Die Geschäfte zwischen der Axa und Göker liefen damals gut. Im Jahr 2008 erhöhte die Versicherung ihre Vorschusszahlungen auf 2,5 Millionen Euro, im Jahr 2009 dann auf sechs Millionen Euro.

Mehmet E. Göker - einst schillernder Unternehmer

2003 gründet Mehmet Erkan Göker den Versicherungsmakler MEG als Ein-Mann-Betrieb. 2006 wird sie zur Aktiengesellschaft.  © Archiv
Der Sitz des Unternehmens ist in der Falderbaumstraße. © Archiv
Die Mannschaft um Göker ist guter Dinge und die ersten Jahre sollen ihr Recht geben. © Archiv
Sechs Jahre später - im Frühjahr 2009 - feiert er mit dem britischen Casting-Star Paul Potts. © Archiv
Im September 2009 die Wende des pompösen Versicherungsvermittlers MEG AG: Er wird übernommen vom Finanzdienstleister Aragon AG.  © Archiv
Im Oktober dann ein weiterer Schritt Richtung Ende: Die MEG AG meldet Insolvenz an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue und Insolvenzverschleppung. © Archiv
Es ist vorbei, in der Firmenzentrale gehen im November 2009  die Lichter aus. Zu diesem Zeitpunkt ist Göker kaum noch in Kassel anzutreffen. © Archiv
Das Inventar wird versteigert: der private Frisiersalon zum Beispiel. © Archiv
Ob Göker schon an das nahende Aus dachte, als er Paul Potts traf?  © Archiv
Der Auftritt fand im Rahmen der Ehrung der besten MEG-Verkäufer statt. Dafür wurde die Kasseler Stadthalle angemietet. © Archiv
Den gemeinsamen Auftritt ließ sich Göker vor den jubelnden Mitarbeitern nicht nehmen. © Archiv
Göker trat auch als Sponsor von regionalen Sportvereinen auf. © Archiv
Die Göttinger BG wurde in MEG umgetauft. © Archiv
Göker präsentierte das neue Trikot. © Archiv
Auch beim VfB Süsterfeld floss das Geld mit Göker. Nun kämpft der Fussballclub ums Überleben. © Archiv
Auch beim KSV Hessen Kassel wollte er sich engagieren, zog dann aber zurück - es habe "beleidigende Vorwürfe" gegeben... © Archiv
Das sagte er bei der Mitgliederversammlung im Juni 2008... © Archiv
Für die Vereinsverantwortlichen kam dies überraschend. © Archiv
Eine weitere Leidenschaft: schnelle, luxuriöse Autos. © Archiv
Zudem: Gesehen werden wie hier bei einem Boxkampf. © Archiv
Doch für Furore sorgte vor allem sein schneller Aufstieg in der Versicherungsbranche. © Archiv
Über seine Pläne für Kassel und den Sport sprach er mit HNA-Redakteuren.  © Archiv
Vielen Vorwürfen trat Göker entgegen. © Archiv
Der Anfang vom Ende: Im September 2007 findet eine Razzia bei MEG statt. Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Beitragsvorenthaltung. Göker kommt gerade aus dem Kurzurlaub... © Archiv
noch in Shorts und Flipflops. Später akzeptiert der MEG-Chef eine Geldstrafe von 720.000 Euro. © Archiv
Den Rolls Royce verkauft er später. © Archiv
Auch die Zahl der Porsches und Ferraris hat sich in Kassel nach der MEG-Pleite minimiert.  © Archiv
Bilder aus alten Tagen: Entschlossen... © Archiv
...und visionär. So sah sich Göker gerne.  © Archiv
Und das feierte er regelmäßig im Marth. © Archiv
Das blieb von der MEG: Alkoholika, © Archiv
das Motto Gökers "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum." © Archiv
...Firmenbroschüren,... © Archiv
... Sakkos,... © Archiv
...Manschettenknöpfe. © Archiv
Die Auktion ist längst beendet. Die 200 Gläubiger der MEG-Pleite warten noch auf ihr Geld. © Archiv
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Im März 2010 musste sich Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Angeklagt war er wegen Beleidigung und Bedrohung. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Er gab an, ehemalige Mitarbeiter beleidigt zu haben. Bedroht aber habe er niemanden. © HNA/Herzog
Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht
Göker wurde zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt. © HNA/Herzog

Hierüber habe es Zusatzvereinbarungen gegeben, die die Versicherung dem Gericht aber am Donnerstag nicht präsentieren konnte. Der Grund, so Axa-Anwalt Sven Erdmann aus Köln: Die zuständige Sachbearbeiterin bei der Versicherung sei im Urlaub. Eine Frage, die nun geklärt werden soll: Stieg mit der Erhöhung der Zuschüsse auch Gökers persönliche Bürgschaft an? Gab es derlei Zusätze in den Vereinbarungen?

Am Rande der Verhandlung wurde auch klar, dass die Axa sich am liebsten an der MEG in den Zeiten der guten Geschäfte beteiligt hätte: 15 Prozent von der MEG habe man übernehmen wollen.

Nun will die Axa neben den 750.000 Euro von Mehmet Göker auch noch sechs Millionen Euro von der MEG, die man als Forderungen im laufenden Insolvenzverfahren angemeldet hat. Bis zum 18. März hat die Axa nun Zeit, die fehlenden Unterlagen beizubringen. Schafft man das, kann das Kasseler Landgericht am 1. April sein Urteil verkünden.

Urteile gegen Führungskräfte im Dezember

Im Dezember letzten Jahres waren bereits drei Führungskräfte der MEG dazu verurteilt worden, insgesamt 3,4 Millionen Euro an eine Krankenversicherung zurückzuzahlen. Auch bei diesem Geld handelte es sich um vorgestreckte Provisionen. Eine Forderung im Millionenbereich gab es schon damals auch gegen Mehmet Göker. Zu einem Urteil kam es aber nicht. (tho)

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