Ex-Mithäftling über Neonazi Bernd T.: "Er liebt Döner"

Kassel. Dass die Aussagen des Kasseler Neonazis Bernd T., er habe Kontakt zu den NSU-Terroristen gehabt, nicht ganz der Wahrheit entsprechen, darauf gab es schon im Vorfeld seiner Aussage vor dem Oberlandesgericht (OLG) in München zahlreiche Hinweise.

Die Ermittler aus Kassel hatten bereits vor Jahren große Zweifel daran, dass der Gründer der Kameradschaft „Sturm 18 Cassel“, die mittlerweile in einen Verein umgewandelt worden ist, Kontakte zu den Terroristen des NSU hatte. Der Begriff Angeber kursierte in Ermittlerkreisen über T.

Der Neonazi, der bereits 23-mal verurteilt worden ist, und seine Gefolgschaft fielen in Kassel und besonders in der Nordstadt vornehmlich durch Saufgelage und Pöbeleien auf. T. umgibt sich in der Regel mit Menschen, die deutlich jünger und nicht unbedingt gebildeter sind als er und sich ihm unterwerfen.

Wenn man die Gerichtsverhandlungen gegen Bernd T. in den vergangenen Jahren verfolgt hat, dominiert in seinem Umfeld, in dem er das Sagen hat, die Gewalt, und Alkohol spielt eine große Rolle. Allerdings kann man sich nur schwer vorstellen, dass die Protagonisten aus der Sturm-18-Gruppe von Terroristen des NSU angesprochen worden sind, um ihnen bei ihren Mordanschlägen zu helfen.

Jetzt hat sich auch ein ehemaliger Mithäftling von Bernd T. bei der HNA gemeldet, der mit ihm im Jahr 2006 im Freigängerhaus in Baunatal inhaftiert war. Er sagt, dass an den Behauptungen von Bernd T., die Terroristen im April 2006 getroffen zu haben, allein aus zeitlichen Gründen nichts dran gewesen sein könne.

Jeden Abend zum Imbiss

„Seine angeblichen Enthüllungen sind wie so viel in seinem Leben heiße Luft. Eine wirkliche Enthüllung wäre das Leibgericht des beinharten Neonazis, das ist nämlich der Döner.“ Jeden Abend habe sich Bernd T. einen Döner an einem Kiosk in Baunatal geholt und dann eine DVD ausgeliehen. Für einen gemütlichen Fernsehabend hinter Gittern eben.

Eines der bekanntesten Gerichte der türkischen Küche gehört zu den Lieblingsessen des Vorsitzenden des Vereins „Sturm 18“, dessen Zweck laut Satzung die Erhaltung der deutschen Schrift, Sprache und Kultur ist. Leckeres Essen aus europäischen Nachbarländern - da kann offenbar selbst ein Neonazi aus Kassel nicht widerstehen.

Von Ulrike Pflüger Scherb 

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